Urbane Künste Ruhr Salon: Stadtlabore für die Metropole

Wie kann Kunst das geschundene Bewusstsein der Region Ruhr ändern?

Gerade erst wurde ein verwaistes Stück Gelsenkirchen wieder mit Leben erfüllt. Im temporär bezogenen BahnhofsCenter in Gelsenkirchen trafen sich Bürger, Künstler und Initiatoren im ersten Salon der Urbanen Künste Ruhr zum Thema Stadtlabore. Die Salons begleiten aber nicht nur die Mobilen Labore. Hier wird in regelmäßigen Abständen öffentlich diskutiert werden, was in den vielfältigen Projekten der Urbanen Künste Ruhr als Kunstintervention in Stadt und Umfeld probiert wird.    

 

Eine Metropole soll sie sein. Doch wo die Einen bei diesem Begriff an Weltstadt denken, kommt Anderen die plumpe Assoziation Ballungsraum in den Kopf. Doch was ist das Ruhrgebiet? Was denken die, die in dieser seit Jahrzehnten gebeutelten Region zu Hause sind? Kann Kunst helfen? Die Bewohner zwischen Duisburg und Dortmund wollen sich nicht bevormunden lassen und geben sich kritisch. Sogar eigene Künstler haben sie zu bieten und Importe aus Berlin etwa werden sehr kritisch beäugt. Von einem Selbstverständnis als Metropole ist man hier weit entfernt. Es sei denn, man dreht den Spieß um, wie es ein Teilnehmer während der Diskussion fordert: „Das ist ein Gefühl, das die Region schon immer umtreibt; irgendwie schmutzig zu sein; nicht richtig zu sein und genau deswegen muss man Metropole sein. “

 

Die Urbanen Künste Ruhr wollen keine Rechenschaft ablegen und exakt messen, wieviel im Jahre drei nach Ruhr2010 angekommen oder eventuell davon übrig geblieben ist, sondern mit den Zeichen der Kunst weiter fragen, ausloten und forschen nach dem, was das ist, was es in seiner Spezifität ausmacht, wie das Ruhrgebiet tickt. Was verbindet den Pott heute? Ihre Leiterin Katja Aßmann sah an diesem Abend gerade im kritischen Dialog mit den Begriffen und Initiativen der letzten Jahre den Erfolg des ersten Salons. Genau diesen Grad an Bewusstsein will sie in der Auseinandersetzung mit ihrem Projekt überall in der Region wach halten. Da hat Kunst dann schon eine Menge geleistet. Und dann wird man hoffentlich sehen, was hinter einem Stadtbranding oder Kunstlabel steckt, vielleicht ja doch eine Metropole auf ihre ganz eigene charmante Art und Weise mit Kunst, die sich im Wettbewerb ganz und gar nicht verstecken braucht. Es bleibt zu hoffen, dass aus der Zwischennutzung des BahnhofsCenters dann ein Gelsenkirchener Ort als Dauerraum des visuellen und verbalen Austauschs übrig bleiben wird.

 

Text: Boris Alexander Knop

Embed Code:

Copy and Paste this text in your HTML Code

Fr, 11.01.2013 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

29.11.2009

Letzte Kommentare des Autors

Das Schwarze Brett
vor 2 Jahre 42 Wochen
Untitled (Glade)
vor 3 Jahre 4 Wochen
vor 3 Jahre 20 Wochen

Thema

Aktuelle Tweets

"Museen sind die letzte Zuflucht der Kunst vor der puren Geldlogik." Philippe van Cauteren im Labkultur-Interview: http://t.co/pu7FYhgBWG
Caia Hagel catches the spirit of the future in seven short films at Biennale Montreal. Part 2: Jillian Mayer. http://t.co/8sjVClWjUa
Caia Hagel catches the spirit of the future in seven short films at Biennale Montreal. Part 1: Curator Gregory Burke. http://t.co/lRyWCDvpan
Das Interview: #CacophonySociety Gründer @Burning Man & #Zombiewalks http://t.co/N97OOMTl8O http://t.co/QxBwXAAQsK @ARTEcreative