Aufgenommen und abgemischt / Episode 02 - Mülheimer Melange

Warum Mülheim an der Ruhr? Nun, so genau wissen wir es selbst nicht. Nur eines war nach den Vorbereitungen zu unserer Episodenreihe klar - die Künstler dieser Stadt scheinen noch einmal eine ganz besondere Stellung im Ruhrgebiet zu haben. Vollkommen eigen, zwischen so genannter „E-Musik“ und Unterhaltung sind sie schwer zu fassen  - und vereinnahmen lassen sie sich schon gar nicht.

Die Musik von Bohren & der Club of Gore ist intensiv und schwer einzuordnen. „Doom Ridden Jazz Music“ – so etikettiert das Quartett seine Musik im Bandinfo. Ihre misstrauische, etwas sture, stets von leisem Humor durchtränkte und geerdete Attitüde lässt die Band in einem einzigartigen Licht erscheinen. „Wir wollten sperrig sein, und sind sperrig“, sagt Saxophonist Christoph Clöser über das Selbstverständnis der 1988 gegründeten Band, an denen sich schon so mancher routinierter TV-Redakteur die Zähne ausgebissen hat. Clöser spricht an einem Mülheimer Waldweg nahe der Ruhr in unsere Kamera. „Dolores“, ihr sechstes Album, veröffentlichten die lakonischen Mülheimer als letztes Opus im Jahr 2008. Die Band wird gleichermaßen in Metal-, Alternative-/Independent-Zirkeln als auch vom klassischen Jazz-Publikum geschätzt und verehrt. Das Publikum ihrer Konzerte ist bunt gemischt - vom Oberstudienrat bis zum 16-jährigen Black-Metal Kid ist eine breitgefächerte Zuhörerschar vertreten. Vor allem aber ist die Musik von Bohren eines: „cool“.

Helge Schneider ist großer Anhänger dieses Attributs: „Cool ist das Wort. Obercool. Man kann nur lernen, indem man alles an sich heranlässt. Ohne Vorurteile.“  Schneider sagt das zu uns in die Kamera, während er auf einer Weide inmitten seiner Zwergschafe steht. Er hat uns zu sich nach Hause eingeladen, und sinniert mit uns über das Ruhrgebiet, über Kunst und Kommerz und über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Der Mann hat viele Talente. Er ist Filmemacher, Theaterregisseur, Musiker, Multiinstrumentalist, Zeichner, „singende Herrentorte“, Meister der verschleppten Pointen, Clown, Buchautor und vieles mehr. „Po-Po-Po-Pokerface“ - Schneiders Stimme schallt im Staccato aus seinem Handy! Den Klingelton, eine Variation des bekannten Charthits, hat er selbst eingesungen. Eine Verbeugung vor der Künstlerin mit dem Namen, mit dem er sich gut identifizieren kann: Gaga?
Der 1955 in Mülheim an der Ruhr geborene Schneider war bis zu seinem Entschluss, sich nur noch auf die Musik zu konzentrieren ein notorischer Abbrecher: Gymnasium, Musikkonservatorium - hier wurde er in seinem künstlerischen Sturm und Drang nur aufgehalten. 1989 erschien seine erste Platte mit dem Titel „Seine größten Erfolge“. Lieder wie „Katzeklo“ und „Fitze Fitze Fatze“ machten ihn später deutschlandweit bekannt. Sein Film „Texas - Doc Snyder hält die Welt in Atem“ ist der erfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 1993. Sein Theaterstück „Mendy – das Wusical“ wurde 2003 am Schauspielhaus in Bochum uraufgeführt. Bevor wir ihn in seinem Musik-/Proberaum am Klavier filmen fragt er: „Braucht ihr Licht?“ Der Mann fotografiert schließlich auch seine Plakate selbst und leuchtet die Szenerie mit seinen riesigen Scheinwerfern perfekt für uns aus. Was kann der eigentlich nicht?

Eigentümliche Meisterwerke, gemacht von Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in Mülheim an der Ruhr haben. Eine Stadt, aus der auch der Fernseh-Moderator Wim Thoelke und Künstler Christoph Schlingensief stammen. „Künstler sind wichtig“, sagt Helge Schneider in unsere Kamera und füttert anschließend die schwarzen Schafe, die auf der Wiese hinter seinem Haus grasen.
„Das Ruhrgebiet - aufgenommen und abgemischt“: Eine Episodenreihe von Jens Mayer, Jörg Stiepermann und Peter Hesse über Musik, Menschen und Ruhrgebiet.

Text: Peter Hesse und Jens Mayer
 

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So, 05.06.2011 3

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Kommentare

Ruhrgebietshymne

und hier noch die wahre (inoffizielle) Hymne zum Ruhrgebiet:

http://www.youtube.com/watch?v=VmVhMUZMDnw&feature=related

grandiose unterhaltung. helge

grandiose unterhaltung. helge wie immer der kessel buntes aber der club of gore schiesst alles weg!

... Mischung aus Sade und

... Mischung aus Sade und Black Sabbath!!! Super Beschreibung und vor allem abgefahrene Mischung!!! Na und Helge ist ja sowieso ohne Worte. Ich sach nur: Bonbon aus Wurst. Haha!

Über den Autor

05.01.2010

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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