Absurder Kampf - Michael Sailstorfer hilft bei der EMSCHERKUNST einem Baum durch den Winter

Antiherbst ist Performance, Philosphie und Kunst in einem

Ungewöhnlichen Skulpturen in freier Landschaft hat Michael Sailstorfer schon früher geschaffen.  Zum Beispiel eine Blechhütte aus zerschnittenen Wohnmobilen. „Wohnen mit Verkehrsanbindung“ hieß ein anderes Werk bei dem er Buswartehäuschen mit Schlafzimmer und Möbeln ausstattete. Das Werk für die Emscherkunst 2013 heißt „Antiherbst“.

Es wirkt in seiner Akribie, Absurdität und Vermessenheit auf vielen Ebenen. Auf einer Radtour hatte Sailstorfer viel von der sagenumwobenen Renaturierung der Emscher erfahren und fragte sich: Wie kann man einem Baum durch den Winter helfen, wie kann man sich gegen die Vergänglichkeit stemmen?

Sailstorfer hat sich auf dem Rheindeich nördlich der Hubbrücke Walsum zwischen Duisburg und Dinslaken einen einzeln stehenden Baum ausgesucht und begann im Herbst 2012 in zen-haft stoischer bis sissyphus-sinnloser Weise, all die allmählich herunterfallenden Blätter wieder aufzusammeln, grün zu lackieren und dem Baum für den Winter zurückzugeben.

Bis November, als alle Blätter abgefallen und wieder angebracht worden waren, wurden die Arbeiten filmisch dokumentiert, das ganze ein Memento Mori wie absurder Widerstand gegen den Lauf der Natur.

Das Filmmaterial wurde so bearbeitet, dass Personen und Arbeitsgerät eliminiert sind. Nur das Bild des Baumes, dessen Blätter sich verändern, sich bewegen, immer unwirklicher und künstlicher anmuten, aber nicht abfallen, ist nun in einem Bauwagen neben dem Baum zu sehen.
Ein meditativer, wie vieldeutiger, eigentlich philosophischer Beitrag für die Emscherkunst, die ja wie der Baum vor allem im Sommer zu leben scheint.

 

Text: Caravante
 

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Fr, 13.09.2013 0

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29.11.2009

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