Wohnungslos im Porträt: Das OdachIch

Der Schein des Seins bei GNTM


Die Heidiklumisierung Deutschlands schreitet voran. Zehntausende junge Frauen brezeln sich in diesen Wochen wieder einmal auf, um bei den Vorausscheidungen für Germanys Next Topmodel Ansehen zu gewinnen. Ansehen gemessen in medialer Aufmerksamkeit, kreischenden Selbstdarstellungsmöglichkeiten und sozialer Distinktion. Seht her, ich sehe gut aus und bin was besseres. Bei GNTM wird der Schein des Seins auf die Spitze getrieben, und genau mit dieser ästethischen Komponente gesellschaftlicher Abgrenzung geht der Bochumer Fotograf und Kommunikationsdesigner Sascha Kreklau in seiner Ausstellung ObdachIch ins Gericht, die mit einer Vernissage am 5. Oktober 2010 um 13 Uhr in der Beratungsstelle des Gemeindehauses Christuskirche am Bochumer Westring eröffnet wird.

Überraschend fröhliche Gesichter

Kreklau porträtierte dazu 30 obdachlose Frauen und Männer, ungeschminkt, ungestylt, vor unifarbenen Hintergründen. Die vom wohnungslosen Leben auf der Straße gezeichneten Gesichter seiner Protagonisten zeigen beinahe durchweg Lächeln. Dort, wo man angesichts dramatischer Lebensumstände hängende Mundwinkel, pure Tristesse und gebärdete Perspektivlosigkeit vermuten würde, werden Menschen sichtbar, die ganz und gar nicht würdelos erscheinen.

Es sind solche Momentaufnahmen wie die von Sascha Kreklau, die durch ihre innere Dialektik das Verhältnis von Schein und Sein in unserer hyperästhetisierten iPhone-Welt dechiffrieren. Wer bin ich eigentlich und was sagt mein Erscheinungsbild tatsächlich über meinen Charakter und über meinen Wert in unserer Gesellschaft aus?

ObdachIch ist eine Bilderserie, deren gesellschaftspolitische Ausdruckskraft plakativ und feinsinnig zugleich ist.



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Sa, 02.10.2010 0

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10.12.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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