
Wir holen uns die Stadt zurück!
Die Urban-Exploration-Szene erobert heimlich die Freiräume der Industriekultur
"Es gehört niemandem, also nehmen wir es uns!" Verlassene Industriegebäude, leer stehende Villen, Stollen und Bunker üben auf junge Leute mit Forscherdrang eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Verboten! Gefährlich! Und merkwürdig romantisch.
Niemand möchte seinen Namen preisgeben. „Es ist ja nicht so, dass ich dir nicht vertraue, aber... Internet... Polizei... du weißt...“
Wissen wir wirklich?
Wer sich auf die Suche begibt, nach „Urbex“ oder „Lost Places“, der weiß schon einmal mehr, über Burgen, Ruinen und alte Zechengelände und die jungen Männer, die sich mit Kameras und Taschenlampen auf den Weg machen, um die Orte für sich zu erkunden.

Es gibt viele Internetseiten, die unendliche Bilderstrecken aus dem Inneren der Industrieleichen zeigen, doch die Angst ist groß. „Urbex“, also „Urban Exploration“ ist schon in seiner Grundidee illegal. „Jeder ist schon einmal kontrolliert worden“, berichtet Thomas. „Wenn man es schlau macht, freundlich bleibt, kommt man noch mal davon, aber trotzdem, stell dir vor, dein Name steht für immer in einem Artikel, in dem es um Hausfriedensbruch geht.“
Er macht schließlich nur Fotos
Das Ruhrgebiet zieht seit Jahren die längsten Besucherströme der Urbex-Szene an, zu groß ist die Begeisterung für stillgelegte Zechengelände, alte Militärstützpunkte und Überreste der Kriegsschäden.

Luisa findet man an lauen Sommerabenden auf den alten Zechengeländen in Essen, hier trifft sie sich mit Freunden und Bekannten, sie machen ein Lagerfeuer und suchen nach Spuren der Vergangenheit. Auch für Thomas ist die Atmosphäre einer seit Jahren leer stehenden Fabrik immer wieder überwältigend: „Die Ruhe, wo früher ein unglaublicher Krach geherrscht haben muss. Die Kälte, wo es früher doch so unglaublich heiß gewesen sein muss. Das ist einfach unglaublich. Da geht direkt das Kopfkino an.“
Romantiker, Künstler und Hexen
Neben Romantikern wie Luisa und Künstlern wie Thomas gibt es noch eine dritte Gruppe im Kreise der „Urbexer“: Die Geistersucher und die schwarzen Magier auf der Suche nach Schatten, dem Tor zur Hölle 
Ein Traum der beiden wäre, eine Villa zu finden, die noch niemand betreten hat, seitdem sie verlassen wurde. Ein „Lost Place“ ganz für sich allein. Doch die Chance ist nicht besonders groß: Auch unter „Urbexern“ ist die Konkurrenz groß, auf der Suche nach der besten Location, der gruseligsten Geschichte und dem besten Bild.
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