Veggie Street Day - Dortmund wird lecker

Der Veggie Street Day in Dortmund ist zwar erst am 14. August. Doch eine Entscheidung des Stadtrats, sowie deren journalistische Kommentierung, lässt es sinnvoll erscheinen, bereits jetzt auf das genannte Datum hinzuweisen. So bleibt einigen Herrschaften nämlich unter Umständen kaum mehr die Möglichkeit, als Entschuldigung für ihr Nicht-Erscheinen, den seit einem halben Jahr geplanten Sommerurlaub oder anderweitige, höchst wichtige Termine vorzuschieben.

Ihr ewig Gestrigen, es ist an der Zeit, sich mal ein Bild davon zu machen, was denn bei Vegetariern und Veganern tatsächlich auf den Teller kommt, anstatt sich - unter dem Deckmantel einer Glosse - in Polemik zu flüchten oder an die Aussagen eines Restaurantleiters zu klammern. Scheuklappen hoch und Mund auf!

Seit 2006 geht der VSD in Dortmund dahin, wo es wehtut. Mitten in die Innenstadt. Auf dem Platz vor der Reinoldikirche tummeln sich alljährlich zahlreiche Info- und Essenstände, begleitet von einem kulturellen Bühnenprogramm. Kuchen, Eis, Pizza, Chili sin Carne und selbst die heiß geliebte Currywurst gehören u.a. zum kulinarischen Angebot. Vorausgesetzt man stellt sich nicht von vorneherein quer und pocht auf Gewohnheitsverhalten und die Krone der Schöpfung/Evolutionsgeschichte.

2010LAB-Autor Peter Erik Hillenbach hat hier im Blog bereits ausführlich die Entscheidung des am 18. Januar von seinem Amt zurückgetretenen OB Ullrich Sierau, keinen fleischfreien Tag in kommunalen Kantinen und Restaurants einführen zu wollen, thematisiert und gleichzeitig auf den darauf folgenden Kommentar von Westfalen Rundschau-Autor Klaus Brandt hingewiesen.

Nun meldet sich in dieser Angelegenheit auch der Verein Die Tierfreunde e.V., Mitveranstalter des Veggie Street Day, unter der Überschrift „Dortmund verpasst den Anschluss“ zu Wort und sieht das Ziel, Vorzeigestadt in Sachen Klimaschutz zu werden, in weite Ferne gerückt:

"Die Wissenschaft ist sich einig: Tierische Nahrungsmittel im Allgemeinen und Fleisch im Besonderen sind Klimakiller Nummer 1, sie verschärfen zudem durch die Verfütterung von riesigen Mengen Getreide und Soja den Welthunger, sie sind verantwortlich für eine Vielzahl von Zivilisationskrankheiten und sie sind ethisch umstritten wie nie zuvor. Gerade die jungen Generationen wachsen mit einem neuen Verhältnis zur Nahrung auf, bei dem die Fleischesser immer mehr ‚out’ sind. Die Medien nehmen sich dieser Themen an, selbst politische Stimmen setzen sich für weniger Fleischkonsum ein.
Aber nur eine Stadt kann die erste Stadt Deutschlands werden, die offiziell einen vegetarischen Tag einführt, wie es uns die belgische Stadt Gent vorgemacht hat. Dortmund ist es nicht. Denn Dortmund wird zusehen, wie eine andere Stadt Deutschland Wegweiser wird, von sich reden macht, positiv im ganzen Land das Interesse auf sich zieht. Klimaschutzbremser wie Dortmunds ehemaliger OB Ullrich Sierau, die den alten Zöpfen hinterher hängen, sind entweder zu naiv einfache Sachverhalte zu verstehen oder stellen andere Interessen vor Klimaschutz und Moral. Einer ‚Klimastadt’ wird Dortmund jedenfalls mit der Ablehnung eines vegetarischen Tags nicht gerecht.
"

Mahlzeit!

Fotos: Jürgen Foß

So, 24.01.2010 2

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Kommentare

Ich freu mich schon wieder

Ich freu mich schon wieder drauf, letztes Jahr war es ein Gaumenschmaus!

Na also, wird doch langsam

Na also, wird doch langsam was. Könnte was Gutes draus entstehen. Den Veggie Street Day hatte ich tatsächlich vergessen. Im letzten Jahr war es recht spaßig zu beobachten, wie der gemeine Dortmunder einen Riesenbogen um die Stände machte. Als wären die Veggies alles Aussätzige. Die Kommentare der Passanten waren zum Teil ohne Worte, das war Nachkriegssprech hoch zehn!

Möglicherweise hat die Leute verschreckt, dass beim VSD Vegetarismus so augenfällig mit Punk/Emo gekoppelt wurde. Na ja, aber sich dafür den Anstrich eines zähnebleckenden US-Girls oder Sportlerschwiegersohns zu geben, bringt's ja auch nicht.

Zu kritisieren hatte ich höchstens (ähnlich wie beim Ox-Kochbuch), dass das kulinarische Niveau (noch) nicht top ist. Die Gerichte sind mir noch zu WG-mäßig und studentisch, das gibt es alles auch in richtig ambitioniert. Schade, dass das "Vegetaria" längst an den Chiemsee gezogen ist: die konnten das! Aber das kann dieses Jahr alles wieder anders sein, ich bin gespannt. Danke für den Hinweis!

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05.01.2010

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