"Sinfonie der Tausend" - Ruhr.2010 feiert Mahler und sich selbst

Auf den Tag genau 100 Jahre nach der Uraufführung gelang es der Metropole Ruhr in einer wahren Kraftanstrengung, die 8.Sinfonie Gustav Mahlers so aufzuführen, wie der Komponist es vermutlich selber gewollt hatte, ohne dies wirklich explizit schriftlich festzuhalten.
Bei der Uraufführung standen 858 Sänger und 171 Musiker auf der Bühne. Dadurch bekam das Werk Mahlers den Kosenamen:
 

"Sinfonie der Tausend"


Mehr als 1.300 Mitwirkende brachten diese „Sinfonie der Tausend“ nun in einer faszinierenden Form in dem eindrucksvollen Rahmen der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord zum Vortrag. Die musikalische Leistung hatte kein Geringerer als Stardirigent Lorin Maazel übernommen.

Dirigent Lorin Maazel (Foto: Ruhr.2010, Manfred Volmer)

Dirigent Lorin Maazel war auch auf großen Leinwänden in der ausverkauften Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord zu sehen (Foto: RUHR.2010/Manfred Vollmer)


Beteiligt waren praktisch alle philharmonischen Klangkörper der Ruhrregion und 28 Chöre. Abgerundet wurde die Stimmgewalt durch acht Solisten von internationalem Rang.

Mehr als 2.500 Zuschauer verfolgten die –natürlich restlos ausverkaufte- Veranstaltung mit staunenden Blicken. Der Klang in der riesigen Halle war auch in den hinteren Reihen gut, so dass es für alle Zuschauer ein echter Musikgenuss wurde.
 

Bundespräsident Wulff in Duisburg


Zu diesem Höhepunkt des Kulturhauptstadtjahrs war viel Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft nach Duisburg gekommen. An der Spitze: Neu-Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Foto: Ruhr.2010/Manfred Vollmer
 

Ankunft der Ehrengäste im Landschaftspark Duisburg-Nord.(v.l.) Geschäftführer der RUHR.2010 GmbH Fritz Pleitgen, Bundespräsident Christian Wulff und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (Foto: RUHR.2010/Manfred Vollmer)


Auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wurde gesichtet, hielt sich aber dezent im Hintergrund.

Dennoch wurde die Katastrophe der Loveparade wieder emotional in Erinnerung gerufen, als Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen zu Konzertbeginn zu einer Schweigeminute für die Opfer aufrief.

Mit dem ersten Takt der 8.Sinfonie Gustav Mahlers war es dann aber mit der Stille vorbei. Wie man mit Recht bei einer solch gewaltigen Besetzung erwarten darf, gab es ein Klangvolumen zu erleben, bei dem den Zuhörern mehr als einmal ein Schauer über den Rücken lief. Faszinierend war zudem, dass es trotz der Vielzahl an Instrumenten und Stimmen Maestro Maazel gelungen ist, auch die Passagen in piano und pianissimo so zu dosieren, dass selbst feinstes Schwirren der Streicher oder nur gehauchte Töne aus 1.000 Kehlen wahrzunehmen waren. Unglaublich, welcher Klang dadurch in eine alte Industriehalle gezaubert wurde, die natürlich in Sachen Akustik mit keinem modernen Konzertsaal mithalten kann. Bravo!
 

Faszination Chor


Wer hin und wieder das Vergnügen hat, im Aalto-Theater Essen eine Oper zu besuchen, kennt die famosen Chordarbietungen, die Alexander Eberle einstudiert. Dass Eberle auch 28 Chöre zu einer wundervollen Einheit zusammenfügen kann, durfte man zwar erwarten. Dass es aber in solcher Perfektion geschieht, verdient den allergrößten Respekt – sowohl für Alexander Eberle, wie auch jedem einzelnen Chor. Wahrlich eine grandiose Meisterleistung!

Maestro Lorin Maazel dirigierte gewohnt zurückhaltend, aber stets hochkonzentriert. Die ganz große Geste ist dabei sein Ding bekanntlich nicht. Er führte die Musiker aus den sechs philharmonischen Orchestern eher sehr feingliedrig wie an unsichtbaren Schnüren. Erst als das Finale Furioso seinem Ende zustrebte, öffnete sich der Weltstar am Pult und reckte beide Arme in die Luft.
Gänsehaut pur wird bei den meisten der Zuschauer die körperlich spürbare Reaktion auf ein musikalisches Monument sein, was sich so leicht nicht mehr wiederholen lassen wird. Die Metropole Ruhr hat gezeigt, welche Kraft in ihr steckt – und muss sich damit wahrlich hinter keiner Weltstadt verstecken!

Nach der Veranstaltung wurden Glückwünsche via fliegendem Lichtband an den Himmel gemalt. Der Zeppelin aus Mülheim flog ausdauernd Runden über dem farbig illuminierten Gelände des ehemaligen Stahlwerks, während die Mitwirkenden und geladene Gäste gemeinsam mit Staatsoberhaupt und Landesmutter ein triumphales Ereignis für Ruhr.2010 feierten.
 

Hannelore Kraft brachte es auf den Punkt


Der Bundespräsident war sichtlich begeistert, blieb bei seiner kurzen Rede aber noch relativ sachlich.
Gänzlich aus dem Häuschen war Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Die steckte ihr Redemanuskript einfach weg und freute sich in wenigen Sätzen sehr emotional mit allen Mitwirkenden.
Sie brachte die Stimmung insgesamt prägnant auf den Punkt, als sie beschrieb, was sie auf den großen Leinwänden sah, die in der Halle das Geschehen der Bühne auch für die hinteren Reihen detailliert sichtbar machen sollten: Die Freude und Begeisterung jedes Einzelnen, der Teil dieser Aufführung sein durfte. Der Geist, Musikgeschichte selber mitgestalten zu dürfen, war für viele wohl mindestens so faszinierend, wie das Klangerlebnis für die Zuschauer.

Es wird ein Konzert sein, über das auch in vielen Jahren noch gesprochen wird.
Bravo! Bravissimo!


Mitwirkende:


Manuela Uhl Magna Peccatrix (Sopran I)
Nancy Gustafson Una Poenitentium (Sopran II)
Anna Virovlansky Mater Gloriosa (Sopran III)
Lioba Braun Mulier Samaritana (Alt I)
Kismara Pessatti Maria Aegyptiaca (Alt II)
Thomas Studebaker Doctor Marianus (Tenor)
Dimitri Vargin Pater Ecstaticus (Bariton)
Jan-Hendrik Rootering Pater Profundis (Bass)

Bochumer Symphoniker
Dortmunder Philharmoniker
Duisburger Philharmoniker
Essener Philharmoniker
Neue Philharmonie Westfalen
Philharmonisches Orchester Hagen

Opernchor und Extrachor des Aalto-Theater/Essen
Opernchor und Extrachor des Theater Bielefeld
Opernchor und Extrachor der Oper Dortmund
Opernchor Köln
Extrachor des Musiktheater im Revier/Gelsenkirchen
Philharmonischer Chor Bochum
Philharmonischer Chor Duisburg
Philharmonischer Chor Essen
Philharmonischer Chor Siegen
Städtischer Musikverein Hamm
Städtischer Musikverein zu Düsseldorf
Musikverein der Stadt Bielefeld
Oratorienchor der Stadt Bielefeld
Universitätschor Bielefeld
Kantorei der Auferstehungskirche Essen
Chor der Universität Witten/Herdecke
Projektchor „!SING Sinfonie der Tausend"
Aalto Kinder- und Jugendchor
Knabenchor der Chorakademie Dortmund
Kinderchor der Deutschen Oper am Rhein
und der Duisburger Philharmoniker
Essen-Steeler Kinderchor und Jugendchor
Kinderchor der Auferstehungskirche Essen
Klosterspatzen Liebfrauen Oberhausen-Sterkrade
Kinderchor der Musikschule Iecava (Riga/Lettland)
Kinderchor der Windrather Talschule Velbert Langenberg
 

Titelbild: Dirigent Lorin Maazel mit 1.150 Chorsängern und über 180 Musikern auf der Bühne der Kraftzentrale des Landschaftsparks Duisburg-Nord (Foto: RUHR.2010/Manfred Vollmer)


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Mo, 13.09.2010 0

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06.12.2009

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