Komponieren mit Pritt-Stift und Schere: Johannes Gramm

Mit Pritt-Stift und Schere basteln. So zeichnet Johannes Gramm das Bild seiner Arbeitsweise und so komponiert der Essener Künstler seine Collagen. Johannes Gramm nennt seine Bilder Remixe.

„Wie ein DJ pflege und erweitere ich mein Archiv an Samples – an Bildsamples”, erklärt Johannes Gramm, „bestehend aus Fotos, Scans, Zeichnungen, Malereien.” Daraus produziert er wie ein Musiker seine digitalen Sampler, aus denen schließlich endmontiert im Fotobearbeitungsprogramm Printausdrucke entstehen. Immer im Format 60 mal 60 Zentimeter. Und die sind begehrt. Zum Beispiel von renommierten Museen oder der Emschergenossenschaft – sogar an Hans W. Geißendörfers Wand hängt eines seiner Bilder.

 

Johannes Gramm verbindet Techniken und Sparten

Was an den Bildern des studierten Literaturwissenschaftlers, Malers und Grafikers fesselt: Johannes Gramm legt sich in ihnen nicht fest, sondern kombiniert genreübergreifend, verbindet unterschiedliche Techniken und Sparten, die er während seiner Tätigkeiten, zum Beispiel als Bühnenbilder oder als Dozent für Zeichnen und Bühnenbild, erfahren hat. Über seine Arbeiten sagt Johannes Gramm: „Ich will damit nichts Inhaltliches aussagen, sondern die Aufgabe von Bildern ist doch, etwas zu zeigen. Etwas, von dem man wissen will, wie es aussieht.”

 

„Verdienen kann man als Finanzbeamter, aber nicht als Künstler”

Seit Johannes Gramm fünf Jahre alt war, malt und fotografiert er. Mit 21 Jahren begann er sein Studium an der Uni Essen bei Laszlo Lakner. Und schon seit 1991 arbeitet Johannes Gramm als freischaffender Maler. „Als freischaffender Künstler kann man nie planen”, erklärt Johannes Gramm. „Die meisten Künstler leben von Professuren, von Kursen. Gut und regelmäßig verdienen kann man als Finanzbeamter, aber nicht als Künstler.”

Aber Johannes Gramm liebt dieses Leben: „Ich habe ein schönes Leben”, sagt er. Sieben Tage die Woche verbringt der Essener in seinem Atelier im Essener Kunsthaus. Aber mit seinem selbst auferlegtem Zwang, hinauszugehen, zieht es ihn bald Richtung Niederlande, wird seine Bilder in Ausstellungen in Vlissingen und sogar in London zeigen. Als seine Lieblingsstadt hat er Antwerpen auserkoren. „Meine Stadt sollte so sein wie ich – am Morgen”, meint Johannes Gramm, „strubbelig und aus dem Mund riechen.”

 

Serie AbetteriMal Prügelknabe, mal Knastbruder – die Serie Abetteri

Auch Johannes Gramms Bildmotive sind wie er: In seiner Serie Abetteri  sampelt Johannes Gramm seinen eigenen mit fremden Körpern und Körperteilen. Das Ergebnis dieser Kompositionen: mal erscheint er als Prügelknabe, mal als Knastbruder, mal tätowiert und gepierct, mal langhaarig und südländisch, mal blond und nerdig.

Die Fotoporträts sind mal erschreckend – wie die Metamorphose seines Armes zu einem fremden Armstumpf – mal irritierend wie das Morphing seines Männerkörpers mit Frauenbrüsten. Doch eines sind seine Kompositionen sicher: sehenswert. Ein zweiter langer Blick lohnt sich. Denn Johannes Gramm zeichnet die Charaktere mit Sinn fürs Detail. So gut, dass man zu erkennen glaubt, eine echte Kopie seiner Porträts selbst schon gesehen zu haben. Abetteri bietet sie, die zweite Chance für den ersten Eindruck.

 

Fotos: Sandra Anni Lang/Johannes Gramm

Sa, 21.01.2012 0

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04.12.2009

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