
Interkultur: Wechselwirkungen sind die neuen Substanzen
Die Tagung „Interkultur in Theorie und Praxis“ am Essener KWI
Die „Multikultur“ betont(e) die Differenzen zwischen kulturellen Substanzen, der Interkultur geht es vor allem um Prozesse und Interaktion. Das Kulturwissenschaftliche Institut in Essen versuchte an zwei Tagen eine Begriffsschärfung, um lokalen wie globalen interkulturellen Austauschprozessen besser gerecht werden zu können.
Zur Geschichte interkultureller Prozesse

Prof. em. Dr. Hans-Georg Soeffner, neben Dr. Thea D. Boldt Leiter der Veranstaltung, sieht in diesen Ausführungen noch zu stark eine Betonung einer eigentlichen Substanz von Kulturen. Er attestiert zwar der spezifisch deutschen Geschichte kulturübergreifender Theorien eine Fixierung auf Probleme von Sprachen und Übersetzungen (à la „kann man die Sprache, kennt man die Kultur“), widerspricht aber ebenso deutlich der Ansicht eines japanischen Kollegen und seiner Sichtweise „Sprache ist übersetzbar, Kultur nicht.“ Stattdessen betont Soeffner das Prozesshafte in der Interaktion zwischen Kulturen wie innerhalb von Kulturen selbst. Durch mehr Miteinander ergibt sich – hier mit Müller d’accord – mehr Gemeinsamkeit. Dies müsse eben nicht zu „Differenzvernichtung“ führen und „Leitkulturfragen“ hervorheben. Soeffner selbst bringt diese Sichtweise sogar zu der Erkenntnis, die Theorie des Eurozentrismus fuße in einer christlichen Schuldorientiertheit. Spannende Thesen also von zwei Herren in den Siebzigern.
Kultur der Kooperation statt Kampf um den Nordpol

Die „Kultur der Kooperation“ steht im Zentrum von Leggewies Überlegungen, also die Betonung dessen, „was an Kooperation Kultur ist“. Dies gilt nicht nur für staatliche und ökonomische Kräfte, sondern ebenso für NGOs und andere interkulturelle Projekte. Vereinfacht dargestellt: Je mehr Austausch und kontinuierliche Kooperation stattfindet, desto weniger braucht es eine gemeinsame Ideologie, eine „Weltpolizei“ oder gar einen Angriff aus dem All oder ähnliche Apokalyptik, um all die verschiedenen Menschengruppierungen zumindest großteils unter einen Hut zu bekommen. Dann darf auch die eine Gruppe „Hut“, die andere „Menschenrechte“ oder „Dach der UNO“ und die nächste „Gott“ dazu sagen. Ist das neu? Bringt man diesen Ansatz zurück von Fragen weltpolitischer Relevanz zum alltäglichen Miteinander, bleibt festzuhalten: Differenzen nicht überbetonen, kontinuierlich kooperieren, bei allem Repräsentationsdrang empathiefähig bleiben. Regeln, gegen die die Hype- und Skandalindustrie mittlerweile millisekündlich verstößt. Aber dann muss man auch an diese vielleicht umso kreolischer herangehen. Oder japanischer, indischer, islamischer,… Interkulturelle Kompetenz nämlich ist heutzutage wichtiger denn je, Isolationismus und Monokultur führen mehr denn je nur auf die finsteren Pfade.
Buchtipp zum Neudenken von Territorialansprüchen und anderen:
Silke Helfrich und Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.)
COMMONS - Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat
April 2012, 524 S., kart., 24,80 Euro
ISBN 978-3-8376-2036-8
Transcript Verlag Bielefeld
Download des Buches auf www.boell.de/commons
"Kultur der Kooperation" - Symposium im Rahmen der Ruhrtriennale:
22. bis 24.08.2012, Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum
Großes Bild: Apollo 15 auf dem Mond.
Diese Datei ist gemeinfrei (public domain), da sie von der NASA erstellt worden ist. Die NASA-Urheberrechtsrichtlinie besagt, dass „NASA-Material nicht durch Urheberrecht geschützt ist, wenn es nicht anders angegeben ist“. (NASA-Urheberrechtsrichtlinie-Seite oder JPL Image Use Policy).
Schwarzweiß-Bild: Treffen von Siedlern und Maori bei "Hawke's Bay", Neuseeland.
Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Dies gilt für die Europäische Union, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Unteres Bild: Treffen am Atom-Eiskreuzer "Sibir" nahe des Nordpols.
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| Namensnennung: RIA Novosti archive, image #505370 / V. Chistiakov / CC-BY-SA 3.0 | ||
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