
Freiraum 2010: DGB-Haus bleibt versperrt - Dieter Gorny sucht weiter den Schlüssel
- Serie: Kreativ.Quartier.Ruhr, Kunst
Dass es der Essener Initiative Freiraum 2010 an sich schon große Probleme bereitet, überhaupt einen Raum für eine Pressekonferenz zu organisieren, spricht Bände für die missliche Lage des Künstlerkollektivs.
Drei Monate nach der temporären Besetzung des DGB-Hauses an der Schützenbahn und des infolge von Verhandlungsangeboten freiwilligen Verlassens nach wenigen Tagen, stehen die nach eigenen Angaben knapp 25-köpfige Kerngruppe und ihre zirka 200 Gesinnungsgenossen weiter ohne Räumlichkeiten da.
Nachdem Verhandlungen zwischen dem für das Gewerkschaftshaus zuständigen DGB-Immobilienverwalter VTG und ecce-Direktor Dieter Gorny (Foto) als Vermittler mit der Zeit nur neue Hürden (Stichwort: Brandschutzmaßnahmen) offenbarten und die Erfolgsaussichten auf eine Einigung über die Nutzung durch die Freiraum-Aktivisten in immer weitere Ferne zu rücken scheint, sehen sich die Künstler nun aufgefordert ihre dem Diplomatiewillen geschuldete Zurückhaltung aufzugeben.
Seite an Seite informieren Gorny und Freiraum-Sprecher Joscha Hendricksen im Forum für Kunst und Architektur über den Stand der Dinge. „Es steht deshalb leer, weil die erforderlichen Baumaßnahmen in die Millionen gehen“, referiert RUHR.2010-Frontkämpfer Gorny zunächst noch einmal den Sachverhalt, warum denn das von Freiraum 2010 hinsichtlich Standort (Innenstadt) und Größe (220qm) als perfekte Immobilie auserkorene Gebäude weder von seinem Besitzer noch von potentiellen Mietern genutzt wird.
Dass allerdings selbst das Erdgeschoss, welches einstmals ein VERDI-Café beherbergte, sei es kurz- oder langfristig nicht als Zwischennutzungsobjekt zur Verfügung gestellt wird, ist – so lassen es die Zwischentöne durchklingen – weniger eine Frage des Geldes.
Denn, wer wie RUHR.2010 für viele Millionen ein U umbauen kann, vermag auch anderswo ein paar Brandschutztüren als Instandsetzungskosten für ein Kulturprojekt zu deklarieren. Vielmehr sei die VTG generell nicht an einer Kooperation interessiert.
Bedauerlich, dass kein Gewerkschaftsabgesandter an diesem Tag mit am Tisch sitzt. Getreu der Devise: Man spielt nicht mit den Schmuddelkindern, man verhandelt nicht mit ihnen und man lässt sie schon gar nicht an ihrem Eigentum herumdoktern.
Dieter Gorny glaubt zwar weiter daran, für die Essener Künstler ein dauerhaftes Zuhause finden zu können, gibt sich aber skeptisch, dass es mit einer neuerlichen und dann längerfristigen Nutzung des DGB-Hauses noch etwas wird:
„Wir haben einen, der sich wirklich dauernd bewegt, das war mein Eindruck von Freiraum, und wir haben einen, der völlig zurecht eine ganz statische Haltung eingeht und sagt: „Das sind meine Bedingungen.“ Das ist rechtmäßig okay, aber dann nichts, wo man wirklich etwas in Gang setzen braucht. Deshalb ist das jetzt der Punkt, wo man gemeinsam mit der Öffentlichkeit darüber reden muss.“
Für den RUHR.2010-Direktor gilt es, das Kunst- und Kulturverständnis im Ruhrgebiet generell in neue Bahnen zu lenken: „Wir brauchen einfach mehr Offenheit. Nicht nur auf Seiten derjenigen, die Kunst machen wollen, sondern auf Seiten der Leute, die sowieso leerstehende Gebäude hier haben. (…)
Gerade unter dem Aspekt Kulturhauptstadt sind das [freie Künstlergruppen; Anm. d. A.] auch kulturelle Bewegungen, die keinem egal sein sollten, zumal erstmal kein wirtschaftlicher Verlust damit verbunden ist. Selbst wenn einer damit verbunden wäre, das sind kulturelle Investitionen, die sich allemal lohnen.“
Besonders die Abwägung von wirtschaftlichen Kosten/Nutzen-Faktoren geht dem Kreativen ohne kommerziellen Hintergedanken gegen den Strich. Hendricksen (Foto): „Wenn es kein Interesse an Inhalten gibt, sondern nur an der Frage, ob wir das Bild verkauft kriegen, dann brauch ich kein Bild mehr zu malen.“
An Aufgabe denken die Freiraum-Aktivisten jedoch noch nicht: „Für uns bleibt es wichtig, dass wir in Bewegung bleiben. Wir werden uns weiter dieses Kunsthaus irgendwie erarbeiten. Durch Aktionen!“ Eine Kunst-Demonstration ist derzeit in Planung.
Fotos: Michael Blatt
Motiv (Textbild2): Gabriel Heimler
Beiträge zu Freiraum 2010 im LAB:
Drei Monate nach der temporären Besetzung des DGB-Hauses an der Schützenbahn und des infolge von Verhandlungsangeboten freiwilligen Verlassens nach wenigen Tagen, stehen die nach eigenen Angaben knapp 25-köpfige Kerngruppe und ihre zirka 200 Gesinnungsgenossen weiter ohne Räumlichkeiten da.

Dieter Gorny - Foto: Michael Blatt
Seite an Seite informieren Gorny und Freiraum-Sprecher Joscha Hendricksen im Forum für Kunst und Architektur über den Stand der Dinge. „Es steht deshalb leer, weil die erforderlichen Baumaßnahmen in die Millionen gehen“, referiert RUHR.2010-Frontkämpfer Gorny zunächst noch einmal den Sachverhalt, warum denn das von Freiraum 2010 hinsichtlich Standort (Innenstadt) und Größe (220qm) als perfekte Immobilie auserkorene Gebäude weder von seinem Besitzer noch von potentiellen Mietern genutzt wird.
Dass allerdings selbst das Erdgeschoss, welches einstmals ein VERDI-Café beherbergte, sei es kurz- oder langfristig nicht als Zwischennutzungsobjekt zur Verfügung gestellt wird, ist – so lassen es die Zwischentöne durchklingen – weniger eine Frage des Geldes.
Denn, wer wie RUHR.2010 für viele Millionen ein U umbauen kann, vermag auch anderswo ein paar Brandschutztüren als Instandsetzungskosten für ein Kulturprojekt zu deklarieren. Vielmehr sei die VTG generell nicht an einer Kooperation interessiert.

Motiv: Gabriel Heimler
Dieter Gorny glaubt zwar weiter daran, für die Essener Künstler ein dauerhaftes Zuhause finden zu können, gibt sich aber skeptisch, dass es mit einer neuerlichen und dann längerfristigen Nutzung des DGB-Hauses noch etwas wird:
„Wir haben einen, der sich wirklich dauernd bewegt, das war mein Eindruck von Freiraum, und wir haben einen, der völlig zurecht eine ganz statische Haltung eingeht und sagt: „Das sind meine Bedingungen.“ Das ist rechtmäßig okay, aber dann nichts, wo man wirklich etwas in Gang setzen braucht. Deshalb ist das jetzt der Punkt, wo man gemeinsam mit der Öffentlichkeit darüber reden muss.“
Für den RUHR.2010-Direktor gilt es, das Kunst- und Kulturverständnis im Ruhrgebiet generell in neue Bahnen zu lenken: „Wir brauchen einfach mehr Offenheit. Nicht nur auf Seiten derjenigen, die Kunst machen wollen, sondern auf Seiten der Leute, die sowieso leerstehende Gebäude hier haben. (…)
Gerade unter dem Aspekt Kulturhauptstadt sind das [freie Künstlergruppen; Anm. d. A.] auch kulturelle Bewegungen, die keinem egal sein sollten, zumal erstmal kein wirtschaftlicher Verlust damit verbunden ist. Selbst wenn einer damit verbunden wäre, das sind kulturelle Investitionen, die sich allemal lohnen.“

Joscha Hendricksen - Foto: Michael Blatt
An Aufgabe denken die Freiraum-Aktivisten jedoch noch nicht: „Für uns bleibt es wichtig, dass wir in Bewegung bleiben. Wir werden uns weiter dieses Kunsthaus irgendwie erarbeiten. Durch Aktionen!“ Eine Kunst-Demonstration ist derzeit in Planung.
Fotos: Michael Blatt
Motiv (Textbild2): Gabriel Heimler
Beiträge zu Freiraum 2010 im LAB:
Ähnliche Beiträge:
Di, 19.10.2010
0
Kommentar hinzufügen
Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets




























