Freiheit oder Gängelung - Wem nützen Urheberrecht & Copyright?

Endlich Emotionen! Die Debatte kommt ins Rollen

Die Urheberrechts-Debatte teilt sich wohl in eine Zeit vor und nach dem Sven Regener Rant. Denn jetzt, nachdem der Sänger und Autor richtig Emotionen reingebracht hat, geht es los. Eine Flut von aufgeregten, nun zunehmend ruhigeren Beiträge auf Blogs und in den "alten" Medien folgten.

Zum Urheberrecht oder Copyright oder - das klingt schwerwiegender - „geistigen Eigentum“ hat jeder eine Meinung. Genau wie zum Wetter. Und die einen sagen eben, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Das sind Piraten und Free-Copyright Freunde, die den Urhebern nahe legen, sich „neue Vermarktungswege“ zu überlegen. Die anderen benennen klar das Wetter, in dem sie stehen: Regen. Das sind die Autoren, Musiker, Fotografen, die Film- und Musikindustrie.

 

Sind Filesharer das Greenpeace der Musikindustrie?

Schon der Begriff Industrie unterstellt allerdings, dass hier kleine Robin Hoods und Freigeister gegen böse Machthaber kämpfen und der Kampf (=Filesharing etc.) irgendwie heroisch sei. Mit dem schlaffen Argument begehen auch jedes Jahr Tausende Versicherungsbetrug: Den Glastisch selbst kaputt gemacht, dann die Versicherung eines Freundes zahlen lassen. Denn: DIE haben‘s ja, DENEN schadet’s nicht.

Am Ende sind aber die Künstler die Leidtragenden. Einige mögen andere Wege gefunden haben, an Geld zu kommen mit ihrer Musik oder ihren Filmen und drängen trotzdem auf eine Überarbeitung des in Teilen bizarren Urheberrechts - Überarbeitung, nicht Abschaffung!

 

Post-Regener-Rant Debatten

In den vergangenen Wochen seit dem Regener-Rant ist immer wieder zu hören, „die Industrie“ müsse doch endlich anerkennen, dass sie den Trend verpennt (richtig) und dass die Wirklichkeit sich geändert hat. Deshalb müssten die Gesetze an die neue Realität angepasst werden

(falsch). Die Gesetze stammen zwar vielfach aus der prä-digitalen Ära und sind unzureichend. Dies jedoch als Anlass oder gar Argument zu benutzen, das Copyright für "private Zwecke" (PDF Piraten) frei zu geben, ist ebenso bizarr, wie die Gesetze zu ändern, weil viele Deutsche viele Milliarden am Finanzamt vorbei in die Schweiz schaffen. „Lasst sie doch, akzeptiert die veränderte Wirklichkeit!“, sagt da jedenfalls keiner.

 

Was ist Bezahlung?

Zu behaupten, geistiges Eigentum sei ein irreführender Begriff, weil künstlerischer Output doch ein „Kulturwert“ sei und dem Land / den Konsumenten nicht „vorenthalten“ werden dürfe, ist ebenfalls abstrus. Kein Drehbuchautor, Musiker, Fotograf oder Regisseur will der Welt seine Werke vorenthalten, sondern nur, dass sie honoriert werden. Und das bedeutet in den allermeisten Fällen: Bezahlung und nicht  Millionen File-Shares.

Was genau eine angemessene Bezahlung ist, das wird wie in allen anderen Branchen ausgehandelt - von Produzenten und Verlegern der kulturellen Güter, und nicht von den Usern und Konsumenten! Eine Freigabe des Copyrights, ein Sturz der Industrie und nachfolgend ein System künstlerischer Einzelkämpfer, die sich via Netz und Social-Media und allerlei Micro Payments vermarkten und bezahlen lassen - ist die immer gleiche Antwort der Befürworter. Aber was für ein System wird da entstehen?

 

Was wir diskutieren (sollten)

Wer hat und wie haben Produzenten und Konsumenten in der Vergangenheit von dem als veraltet geschimpften System profitiert? Wer profitiert heute, wenn ein Tatort Drehbuchautor seine 25.000

bekommen hat, damit aber sämtliche Rechte abgegolten sind? Alle? Produzent, Auftraggeber oder Konsument? Wer profitiert, wenn der Musiker seine fünfzigtausend Euro bekommen hat von Universal, dann aber eine Millionen Alben verkauft? Alle? Wer profitiert, wenn ein Benjamin Lebert für seinen nächsten Roman einen Vorschuss von einigen Hunderttausend bekommt, das Buch später wie Blei in den Regalen liegt? Alle? Wer profitiert, wenn ein Autor mit dem dritten Buch groß rauskommt, weil ein Verleger an ihn geglaubt hat? Alle? Wer profitiert, wenn eine Plattenfirma eine Band auf Tour schickt und sie beweisen können, ob sie’s bringen? Ist der "Guerilla-Weg" von „Wir sind Helden“ wirklich für all die Musiker da draußen denkbar und praktikabel? Und was machen eigentlich die Fotografen? Was machen die Autoren, falls irgendwann alle nur noch eBook lesen, ein digitales Dokument also, das man auch schnell im Netz sharen und laden kann? Wer profitiert?

.... TEIL 2 folgt.

Mi, 11.04.2012 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

25.03.2010

Letzte Kommentare des Autors

vor 3 Wochen 15 Stunden
vor 1 Jahr 48 Wochen
vor 2 Jahre 17 Wochen

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

Das Interview: #CacophonySociety Gründer @Burning Man & #Zombiewalks http://t.co/N97OOMTl8O http://t.co/QxBwXAAQsK @ARTEcreative
Sind Public-Private-Partnerships gut für #Kultur? In Zeiten der Schuldenbremsen? Serie @DKultur ab 23.12. http://t.co/Xy1NMJlYUh
Kritik für #Kultur Politik Düsseldorf: Freie Szene & Verwaltung sollten gleichwertig sein! http://t.co/YaID6crhxo @MonopolMagazin
Sonntag in #Bochum: Zum Intern. Kurzfilmtag zeigt das Frauenfilmfestival "Der kleine Nazi" von P. Lüschow - http://t.co/Igbo0tH9OC