Netzwerke zur Vereinfachung (c) luc.viatour Flickr

Fortschritt gestalten (2): Akteure besser vernetzen

Vom Vorteil strategischer Partnerschaften für Kultur und Wirtschaft in einer digital vernetzten Gesellschaft

Ein eigenes Web-Portal für alle elf Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft: Damit könnte die vertikale Vernetzung kreativer Milieus durchbrochen und könnten horizontale Verknüpfungspunkte mit neuen Technologien der Netzwerkbildung hergestellt werden.

Diesen Vorschlag macht Agnes Leder, die sich mit dem folgenden Text an dem Call "Fortschritt gestalten" für eine Teilnahme an einem Workshop mit dem Städteforscher Charles Landry bewarb. Der Workshop wird im Rahmen des Forum d'Avignon Ruhr am 8./.9. März 2012 durchgeführt.

 

Das Zeitalter der Industrialisierung ist längst vorüber. Die Welt ist ein globaler Spielplatz geworden und Information und Wissen besteigen den Sattel. Krisen rütteln die Wirtschaft und die Finanzwelt auf und selbst in der arabischen Welt ist der Paradigmenwechsel angekommen. Die Transformation ist überall spürbar, jedoch in Deutschland erst sehr spät angekommen. In den USA erkannte u.a. Richard Florida schon sehr früh, dass die sogenannte kreative Klasse den Motor des 21. Jahrhundert entscheidend antreiben kann. Was ist aber aus dem Land der einstigen Erfinder, Ingenieure und Denker „Made in Germany“ geworden? Was brauchen Städte um den Fortschritt mit zu gestalten?

 

Digitale Infrastruktur: ausbaufähig

Dieser Essay beschreibt einen Ansatz, der sich mit einem sektorenübergreifenden digitalen Netzwerk für die Kultur- und Kreativwirtschaft beschäftigt. Denn das physische Netzwerk, die Infrastruktur sowie Transportmittel sind gerade in Deutschland genügend vorhanden. Die nicht-physische, digitale Infrastruktur ist jedoch noch ausbaufähig. Durch die Demokratisierung der Produktionsmittel für künstlerisch-kreative Aktivitäten steigt die Anzahl neuer Medienformen und damit kultureller Ausdrucksmöglichkeiten. Traditionelle Kulturproduktionen werden erweitert durch amorphe Verbindung und komplexere Möglichkeiten  verschiedenster Medien und Inhalte. Durch die steigende Anzahl kultureller Produktionen und Dienstleistungen steigt auch die Anzahl der verschiedenen Akteure in der Kultur- und Kreativwirtschaft und es entsteht ein erhöhter Informations- und Austauschbedarf.

 

Ein Portal für die elf Teilbranchen

Der konkrete Ansatz der Idee ist die Bildung eines sozialen, digitalen Netzwerkes, besser ausgedrückt, eines „Web Portals“. Ähnlich wie bei Facebook oder Xing soll die Möglichkeit geben, einzelne Profile einzurichten. Das Netzwerk soll sich nicht an die gesamte Bevölkerung richten, sondern an die verschiedenen Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft mit den 11 Teilbranchen. Jeder „User“ kann dabei angeben, was er macht, wer beteiligt ist, wo der Sitz ist und ganz wichtig, womit gearbeitet wird. Angeboten werden dann z.B. Instrumente, Dienstleistungen, usw. verbunden mit einer Postleitzahlensuche. So könnte man Produkte und Dienstleistungen mit genauen detaillierten Angaben über eine Plattform finden. Damit würde man ein Netzwerk bilden, in dem verschiedene Milieus aus der Kultur- und Kreativwirtschaft neue soziokulturelle Nähe finden. Es könnten sich neue Arbeitsgemeinschaften bilden und ein Wissensaustausch statt finden. Durch diese Infrastruktur könnte es zu der Bildung von Experten-Clustern kommen und es würden Synergie-Effekte genutzt werden können, in dem neue Verknüpfungspunkte und neue Informations- und Kommunikationskanäle geschaffen werden. Weitere Vorteile wäre mehr Flexibilität, Effizienz und ein größerer Facettenreichtum durch mehr Austausch und Zusammenarbeit. Beschaffungswege würden kürzer werden und Lagerhaltungskosten ökonomisiert.

 

Dem Brain-Drain entgegenwirken

Hierbei soll die bisher oft vertikale Vernetzung kreativer Milieus durchbrochen und horizontale Verknüpfungspunkte mit neuen Technologien der Netzwerkbildung hergestellt werden. Die integrative Nutzung neuer Technologien ist ein Muss, um einen geeigneten Handlungsrahmen für die Gestaltung des Transformationsprozesses zu schaffen. Damit könnte man einen zukunftsorientierten partnerschaftlichen Anstoß geben, der die Vernetzung und Entwicklung von Kultur, Kreativität und Wirtschaft langfristig und nachhaltig fördert und dem Brain-Drain der kreativen Klasse entgegenzuwirken, um neue innovative Prozesse in den Weg zu leiten.

 

                                                                                                                   Autorin: Agnes Leder. Sie studiert Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg

 


Foto (Aufmacher): luc.viatour (Flickr)

 

Fortschritt gestalten (1): Arabisches Kulturerbe erhalten

Mi, 22.02.2012 0

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29.11.2009

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