Elisabeth Stark-Reding - Die starke Expressionistin

Elisabeth Stark-Reding arbeitete schon in vielen Ländern, wie Dänemark, Schweden, Israel oder Südafrika. Aber sie kehrt regelmäßig in ihre Heimat zurück.

Sie ist eine renommierte Künstlerin, Kosmopolitin und eine engagierte Kämpferin gegen Vorurteile. Sie zeigt  immer wieder ihre Bilder und macht neugierig auf ihre Gedanken. Martina Gödecke-Behnke sprach mit ihr.

Mit welchen Themen setzen Sie sich auseinander?

"Zeit- und Sozialkritik sind die großen Themen, die mich beschäftigen. Etwa das Thema Alter, vor dem viele Menschen Angst haben. Ich möchte diese Ängste und damit verbundene Tabus und Vorurteile aufbrechen. Aber auch das Thema Schönheit ist spannend - trifft der Begriff wirklich die Gestalt der Menschen oder handelt es sich nur um ein Dogma? Und natürlich möchte ich in Farben schwelgen."

Was treibt Sie darüber hinaus an?

"Destruktivität empört mich immer wieder. Destruktivität im Umgang miteinander - aber auch Destruktivität im Umgang mit der Umwelt. Gegen alles, was zerstört, möchte ich angehen durch Information und Aufklärung. Manchmal schaffe ich es mit meinen Bildern, dass Menschen aufmerksam werden - dann ist ein Ziel erreicht."

Wie schätzen Sie Ihr Leben im Ruhrgebiet ein?

"Ich bin ein Kind aus dem Ruhrgebiet, hier geboren und aufgewachsen - und ich lebe gern hier. Ich liebe die Menschen dieser Region, sie sind offen und direkt. Sie spiegeln den Schmelztiegel der Nation wider und sind überwiegend tolerant. Ich bin zwar schon viel herum gekommen und habe viele Kulturen und Mentalitäten kennen gelernt - aber hier ist mein vertrautes Zuhause.
Aber richtig ist auch, dass in anderen Städten - Paris oder Berlin etwa - die ökonomische Situation besser wäre. Dort gibt es mehr Galerien und vielfältigere Angebote, um auf sich aufmerksam zu machen. Hier muss man kämpfen. Aber so lange ich noch Anerkennung als Künstlerin finde, bleibe ich. Fehlende Anerkennung wäre allerdings ein Grund, die Frage nach dem Lebensmittelpunkt noch einmal zu überdenken."

Welche Visionen haben Sie?

"Bildende Kunst hat zur Zeit einen geringen Stellenwert. Mein Wunsch ist, dass auch sie wieder selbstverständlicher von wichtigen Institutionen wahrgenommen und gefördert wird. Oft genug fühlt man sich wie ein Bittsteller - und oft genug müssen bildende Künstler andere Berufe ausüben, um zu überleben. In Krisenzeiten verschärft sich die finanzielle Situation noch mehr.
Darüber hinaus setze ich mich seit mehr als 30 Jahren für die Zahlung von Ausstellungshonoraren ein. Noch müssen bildende Künstler bei Ausstellungen in Vorkasse treten: sie zahlen die Bilderrahmen, oft genug übernehmen sie die Einladungen und die Gestaltung der Vernissagen. Schriftsteller hingegen erhalten Honorare für ihre Lesungen - für die bildenden Künstler fehlt ein entsprechendes Modell."

'Mauern' von Elisabeth Stark Reding

Das Bild 'Mauern' ist ein fast quadratisches Format. Es wird aufgegliedert in die Farben Ultramarinblau und Orange, die klar abgegrenzt nebeneinander stehen. Trotzdem werden diese Farben nicht als gegeneinander gestellt erlebt.

Das Orange enthält Gelbtöne, Lichter, die den gesamten Hintergrund erhellen. Vor diesem Himmel-Sonne-Eindruck sieht man sehr reduziert das Motiv einer geschlossenen Mauer, die am unteren Bildrand gezeigt wird.

Sie eröffnet die Assoziation einer Stadtmauer, hinter der sich Menschen bewegen. Mauern können aber auch verschließen und ausgrenzen. In diesem Bild aber nimmt das Trennende nur einen kleinen Raum ein. Es wird überragend dominiert von der Einheit Himmel-Licht, aber auch von den beiden Farbblöcken links und rechts, die miteinander korrespondieren.

Man sieht das Pariser Blau, das durch fast weiße Nuancierungen, Lichteinfälle, Hoffnung und Optimismus ausstrahlt. Trennendes und Ausgrenzendes hat kein Gewicht angesichts der Aufeinanderbezogenheit - zu sehen in medialer Tiefe und Harmonie.

Brüder Ungleich

Auch in diesem Bild werden Ultramarin und Orange klar nebeneinander gestellt - das Orange wieder lichthaft aufgelöst. Zusammen zeigt sich die bekannte Bildharmonie.

Sehr lebendig sind die Farben 'davor' aufgetragen. Vom tiefsten Blau wandert man über kaskadenartige Farbauflösungen zu schmenhafter Nuancierung hin zu stark gebrochenen Farbskalierungen. Dieses Blau zeigt viele Facetten, höchste Individualität und Eigenleben.

Zwei 'Farbblöcke'. die sich gegenüber stehen und doch am unteren Bildrand miteinander verbunden werden. Jeder ist er selbst, und das ist auch gut so.

Das Gemeinsame ist das, was die beiden erleben - in diesem Fall den gleichen Hintergrund. Es ist eine klare Metapher für menschlichen Umgang miteinander. Diese Metapher findet man in vielen Arbeiten von Elisabeth Stark-Reding, immer wieder ganz eigen interpretiert.


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So, 30.01.2011 0

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04.12.2009

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