Einfach mal die Schnauze halten - Die Berichterstattung zur Loveparade-Tragödie

Entsetzen, Erschütterung, Trauer, Wut, Unverständnis über die Tragödie, die sich gestern auf der Loveparade in Duisburg abgespielt hat. Jeder hat dazu seine persönliche Meinung und natürlich das Recht diese mitzuteilen. Aber einige "Berichterstatter", bzw. "Würdenträger" sollten zumindest in der Öffentlichkeit einfach mal die Schnauze halten.

Das fängt am Samstag kurz nach dem Unglück mit der Berichterstattung auf Eins Live an: Der Partyradiosender und seine Moderatoren sind nicht überraschend mit der Situation überfordert. Menschen an den Empfangsgeräten wird gegen 18.15 Uhr allen Ernstens erzählt, man möge sich keine Sorgen um Freunde machen, die sich auf der Loveparade aufhalten, das Unglück habe sich vor dem Gelände ereignet...

Weiter geht es im WDR-Fernsehen: 19 Uhr - Aktuelle Stunde. DJ und Eins Live-Moderator Mike Litt moderiert sichtlich schockiert vom Gelände am Alten Güterbahnhof und erklärt, dass um ihn herum keine Schnapsleichen zu sehen seien...

Im gleichen Sender gibt die ins Studio geeilte WDR-Videoreporterin Petra Vennebusch zu Protokoll, dass sie ihre Kamera hätte ausschalten müssen, nachdem sie von wütenden Loveparade-Teilnahmer dazu gedrängt worden sei. Sie hätte ihr eigenes Leben schützen müssen...

Im Blog der Ruhrbarone berichtet Thomas Meiser um 19:50 Uhr live vor Ort (mit Hilfe von Kollege Stefan Schroeder) aus dem von ihnen sogenannten "Pressegetto" und instrumentalisiert das tragische Ereignis im weiteren Verlauf fern der Realsitution zur persönlichen Stimmungsmache...

Am Sonntagvormittag berichtet N-TV in einer Sondersendung über das Geschehen und beendet sein Feature mit einer von Piano-Klängen untermalten Best-Of-Katastrophenbilder-Collage...

In diesem Moment läuft die offizielle Pressekonferenz zum Unglück im Duisburger Rathaus. Oberbürgermeister Adolf Sauerland macht "von Amtswegen" Politík in eigener Sache...

So, 25.07.2010 2

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Kommentare

Ein guter Rat, auf den leider zu wenige gehört haben

Neben der Desinformation war auch an vielen Stellen eine deutliche sprachliche Überforderung zu merken.

Wenn ich lese, dass die Ruhrbarone die Vorfälle als "Scheiße" bezeichnen oder eine EinsLive-Reporterin ins Mikro plappert, dass das Geschehene "total krass" ist, dreht sich mir der Magen um.

Dann ist Schweigen wirklich Gold - und Reden weit entfernt von Silber.

Schnauze halten oder werden Köpfe rollen?

Was ich heute morgen schon wieder dazu im Radio gehört habe, verursacht einen Würgereiz - haben die Verantwortlichen bewusst das Risiko in Kauf genommen? Auf Biegen und Brechen musste im Kulturhauptstadtjahr die Loveparade veranstaltet werden?
Was wird noch alles ans Licht kommen?
Die Pressekonferenz am Sonntag mittag war genauso wie man sich das vorstellt: Leere Worthülsen, die Fragen der Journalisten werden nicht beantwortet, alles bleibt schwammig, betretene Gesichter.

Ist Herr Sauerland sicher, dass er nicht zurücktreten muss?

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