Bild: Jan-Michael Richter

"Das sind eindeutig Plagiate!"

Comic-Künstler Jamiri reagiert auf Andreas Heinzes Ausstellung in Oberhausen / Update: 10.7.2012

Was für eine nervige Geschichte. LABKULTUR schrieb letzte Woche über den Comic-Zeichner Andreas Heinze, der aktuell eine kleine Ausstellung in Oberhausen hat. Offenbar plagiiert er in seiner Arbeit jedoch den ungleich bekannteren Essener Comic-Künstler Jamiri, heißt es.

Das stand in dieser Deutlichkeit nicht im Artikel, wurde aber gleichwohl thematisiert. Nachdem Essener Jamiri-Fans auf diesen Umstand aufmerksam gemacht hatten und die LABKULTUR-Autorin offensichtlich nicht angemessen reagierte, veröffentlichte Ruhrbarone-Autor Georg Kontekakis heute Morgen einen seiner typischen Artikel, in denen er nichts unterlässt, nebenbei auch LABKULTUR eine zu verpassen. Und unserer Autorin erst recht; wie man sich als Journalist Kolleginnen gegenüber zu benehmen hat, stand wohl nicht ganz oben auf Kontekakis' heutiger to do-Liste.

Doch zurück zum eigentlichen Thema; wir wollen

Bild: Jan Michael Richter
Bild: Jan Michael Richter
ja nicht den gleichen Fehler machen und Nebenkriegsschauplätze eröffnen. Nachdem nun also der Ruhrbarone-Beitrag erschienen war und zuvor schon der bekannte Illustrator Helge Jepsen seinen Unmut über das „dreisteste Plagiat, das ich je sah“ via Facebook geäußert hatte, nachdem sich augenscheinlich auch flugs eine missgünstige Gegenseite auf Facebook formiert hatte, die alles andere als Jamiri-freundlich argumentiert, wurde es Zeit für ein Telefonat mit Jamiri.

 

Jamiri beginnt damit, dass er nach Oberhausen fuhr, um sich die Arbeiten von Andreas Heinze anzusehen. „Ich konnte es kaum glauben“, sagt Jamiri dazu. Sind die Exponate von Heinze denn nun ein Plagiat? „Ja“, sagt Jamiri, „das sind eindeutig Plagiate. Ich habe Anrufe von meinen Verlegern bekommen, die mir etwas vom Einverständnistatbestand erzählt haben. Ein Wort, das ich noch nicht kannte. Ich sei gezwungen, darauf zu reagieren! Ich kenne den Heinze nicht, ich will dem nix, aber seit drei Tagen mache ich nichts anderes als mich gezwungenermaßen damit auseinander zu setzen.“

Jamiri beschreibt seine erste Reaktion mit „fassungslos“: „Da habe ich nun also einen eigenen Epigonen, dachte ich mir. Immerhin ist das ja auch eine Form der Würdigung meines Werkes.“ Als „Guttenberg in putzig“ ordnet Jamiri das Thema allerdings nicht allzu hoch ein; er wäre froh, wenn die Sache schnell erledigt wäre.

Andreas Heinze
Andreas Heinze
Zur Argumentation seiner Kritiker, mit dem entsprechenden technischen Equipment würde halt jeder Zeichner zu ähnlichen Resultaten kommen, Jamiri habe kein Copyright auf diese Art der Comic-Produktion, und überhaupt sei Jamiri ein reicher, einflussreicher Sack, der immer nur den armen Teufel gebe, sagt der Essener Künstler: „Ruhm und Reichtum kriegst Du einfach nicht voneinander losgekettet. Bekannt bin ich durchaus, aber das schlägt sich nicht in Reichtum nieder. Wichtiger ist mir die technische Argumentation: Es gibt 1000 Künstler, die wie ich fotobasiert arbeiten, aber deren Arbeiten sehen alle komplett unterschiedlich aus.“ Schlimmer noch sei das Plagiat des Storytellings: „Wenn Heinze Superhelden-Geschichten erzählen würde, wäre mir das egal. Aber er nimmt meine Tableaus, meine Figuren, meine Themen. Und das nenne ich Plagiat.“

LABKULTUR wird den umstrittenen Artikel von letzter Woche nicht offline stellen, was Jamiri im Gespräch mit mir als „der Deeskalation sehr zuträglich“ und wünschenswert bezeichnete, aber an exponierter Stelle im beanstandeten Artikel auf DIESE Stellungnahme hier von Jamiri verlinken. Wir bemühen uns zusätzlich um eine Stellungnahme von Andreas Heinze.

 

Update 10. Juli 2012. Am frühen Abend erreichte uns folgende Pressemitteilung:

 

 

PRESSE-MITTEILUNG
 

Andreas Heinze und Jan-Michael Richter haben sich kennen gelernt und die Affäre um die Ausstellung "Oberhausen und der Rest der Welt" in einem persönlichen Gespräch beigelegt.

Andreas Heinze erklärt, seine zukünftigen Arbeiten so zu gestalten, dass keine Verwechslungsgefahr mehr zu den Jamiri-Comics besteht.

Die auf der Ausstellung gezeigten Exponate werden in ihrer aktuellen Form keiner weiteren Veröffentlichung zugeführt.

Andreas Heinze und Jan-Michael Richter verzichten auf eine juristische Auseinandersetzung.

Andreas Heinze und Jan-Michael Richter werden die Angelegenheit mit sofortiger Wirkung nicht mehr öffentlich kommentieren.

 

Oberhausen / Essen, den 10.07.2012

 

Andreas Heinze

Jan-Michael Richter

 
Andreas Heinze möchte dieser Mitteilung folgende Illustration beifügen:
 
 
Di, 10.07.2012 1

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Kommentare

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Nunja, das die Ruhrbarone auf alles losgehen, was ihnen in ihren Augen den ersten Platz im Ruhrgebiet streitig machen kann ist ja hinlänglich bekannt, genauso wie die Tatsache, dass sie schwer andere Meinungen, ob richtig oder nicht, aktzeptieren können.

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13.12.2009

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