Das nächste big-hot-shit-thing aus Amerika: Der Art Walk

Essen-Nord wendet Kreativrezept aus Miami an

Die Mischung aus offenen Galerien, Tanz auf den Bordstein und Straßenparty hat schon so manches totgesagte Industrieviertel im Land jenseits des großen Teiches wiederbelebt, jetzt kommt das Erfolgsrezept nach Essen-Nord.

 

Die Mechanismen aus verarmten Bezirken, die für die kreative Szene attraktiv werden, sind weltweit die Gleichen.

Was als Atelier im Künstlerviertel vermietet wird, ist weder in Berlin, noch in Paris oder New York für diejenigen mit dem Dispo vereinbar, die mehrere Stunden am Tag zwischen Leinwänden, Skulpturen oder Gitarren verbringen.

Doch für Vollzeit-Artists ist es auch abseits der Szenebezirke kaum rentabel, jeden Tag mehrere Stunden auf potenzielle Kunden zu warten, die in Bilder, Musik oder Worte investieren möchten.

Diese Abhängigkeit von wankelmütigem Kaufverhalten und Mietpreisen inspirierte schon vor Jahren eine Künstlerinitiative in Miami zu einem besonderem Event:

 

Ein Wochenende bringt mehr als zwei Monate zu warten

Anstatt die Kreativen dazu verdammen, Stunde um Stunde auf Kunden zu warten, veranstaltet man einmal im Monat einen großen Art-Walk. Ein Wochenende lang öffnen die Künstler ihre Pforten, kochen und machen Musik, vor einem begeisterten, vielköpfigen Publikum. Und während sich die Massen durch die Straßen und Industriehallen schieben, verdienen die Künstler durch verkaufte Werke meist mehr, als wartend und hoffend in zwei Monaten.

 

Essen-Nord versteht sich mit seinem Unperfekthaus, dem

MeGeKu und dem Atelierprojekt an der Schützenbahn seit langem als Kreativquartier – im September bekommt es seinen ersten Art Walk. Zwischen Nachbarschaftsfest und Kunstmesse soll hier ein ganz eigenes Markenzeichen des Viertels entstehen:

 

„In Miami sind die Art Walks die wichtigsten Anziehungspunkte für Touristen und Einheimische“ erklärt Reinhard Wiesemann, Initiator des Unperfekthauses und Stein des Anstoßes vieler Essener Projekte. „Warum soll sich so etwas nicht auch hier verwirklichen lassen?“

 

Organisation und Hoffnungen

Noch werden Künstler gesucht, die sich mit offenen Ateliers und Verkaufsständen beteiligen. Auch logistisch kommt einiges auf die Troika Kulturbüro, Essener Wirtschaftsförderung und Unperfekthaus zu.

Was tun bei Regen? Wer kocht? Wer organisiert die sanitären Anlagen?

Eine der Organisatorinnen, Susanne Kampling vom UPH erklärt die Widrigkeiten und Erwartungen:

„Es kann immer alles schief gehen, aber wir hoffen einfach, eine Grundlage zu legen, für viele tolle, ähnliche Veranstaltungen, die das Viertel in Essen und Umgebung bekannt machen, die zeigen, dass wir hier nicht verwahrlosen, sondern kreative Lösungen finden!“

 

Essen-Nord macht genau wie Miami, London und New York die Erfahrung, dass hunderte Maler die noch so wunderbare Bilder malen können, noch kein Kreativviertel schaffen. Die Gentrifizierung produziert sich in diesem Fall immer selbst: Auch in Miami sind die Mieten im ersten Art-Walk-Quartier nicht mehr zu bezahlen.

Umso schöner ist es, dass sich die Szene nicht unterkriegen lässt, sondern ihren eigenen Hype schafft, anstatt auf den Ansturm der Miethaie und Kunstsammler zu warten.

Am 7.-9. September 2012 ist es soweit: Art Walk in Essen. LABKULTUR bleibt dran! 

 

So, 08.07.2012 1

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Kommentare

Vielleicht kann man sich die

Vielleicht kann man sich die Kundschaft, die Kunst kauft, gleich backen. Verkauf ohne Kunden sollte doch hier im Revier viele kennen.

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02.03.2012

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