
been out Vol.1 - Interview mit Myriam Thyes
Zürich Video Tags
Über 200 Künstler bewarben sich beim "been out, vol. 1" Wettbewerb. Eine der Teilnehmerinnen ist Myriam Theys mit ihrer Arbeit "Zürich Video Tags". 2010LAB Autor Marc Neumeister befragte die studierte Malerin und Videokünstlerin aus Düsseldorf zum Thema Kunst. Die sechs Gewinner präsentieren ihre Arbeiten gerade in der Ausstellung der Ständigen Vertretung vom 3. - 10. Dezember in Dortmund.

Kunst hatte und hat in jeder Epoche und Gesellschaft mehrere Funktionen. Was Kunst ist, wird immer wieder neu definiert. Ebenso, was GUTE Kunst ist. Mich persönlich interessiert an zeitgenössischer Kunst vor allem, ob und wie sie unser Denken in Bildern und Symbolen aktivieren und erweitern kann. Bildliches Denken verbindet Empfindung und Intellekt, Persönliches und Gesellschaftliches, Analyse und Fantasie, Sprache und Nicht-Aussprechbares.
Welche Rolle spielt Kunst in unserer Gesellschaft?
Zwar wünsche ich mir, dass Kunst zu gesellschaftlichen Prozessen und zwischenmenschlicher Verständigung beiträgt. Aber ich habe keine Ahnung, ob dies tatsächlich geschieht - oder ob mögliche Wirkungen von Kunst überdeckt werden von denen der Massenmedien, Wirtschaft, Technik, Politik, ...
Wird der Künstler heutzutage mehr als Beruf akzeptiert als vor fünf Jahren?
Solche statistische, sozial-wissenschaftliche Fragen kann ich nicht beantworten.
Ist digital art als Avantgarde Art akzeptiert?
Zwei problematische Begriffe: "digital art" und "avantgarde art". Bevor man Ihre Frage beantworten kann, muss man diese Begriffe definieren. Ich definiere "digital art" sehr weit: Alle Kunst, die zu ihrer Entstehung unbedingt einen Computer braucht, ist digital (wenn auch evt. nicht NUR digital). Dazu gehören z.B. auch Skulpturen von Jeff Koons. Der Begriff "Avantgarde" kommt aus der Kriegs-Strategie - ich verwende ihn nie im Zusammenhang mit Kunst. Auch der Begriff "Fortschritt" macht in der Kunst wenig Sinn. So unterschiedlich digital entstandene Kunstwerke aussehen können, so verschieden ist auch ihre Bekanntheit und Akzeptanz. Netz-Kunst z.B. ist wenig bekannt in der "konventionellen" Kunstszene und noch weniger in der Gesellschaft insgesamt. Interaktive Kunst ist beim Museums-Publikum sehr beliebt, da sie oft zum Spiel einlädt. Dass es solche Kunst vor 50 Jahren noch nicht gegeben hat, ist wohl den Meisten hierzulande bekannt.
Dass Videos, Filme und Animationen heute meist digital produziert werden, ist so selbstverständlich und verbreitet, dass niemand mehr dabei an "Vorhut" denkt - es sei denn, die allerneuste Technik wird erstmals verwendet (z.B. von James Cameron). Malerei, Zeichnung und Bildhauerei sind immer noch die beliebtesten Kunstformen; ihre Produzenten, Publikum und Sammler würden sich verbitten, diese Disziplinen als "rückschrittlich" gegenüber digital entstandener Kunst zu sehen. Was auf Medienkunst-Festivals gezeigt wird, wird von Kunsthistoriker/innen und Museumsleuten leider immer noch weitgehend ignoriert, obwohl gerade hier oft zu finden ist, was Sie evt. als "Avantgarde" bezeichnen würden: Experimentelle, konzeptuelle und gesellschaftlich orientierte Kunst, die sich nicht für den Kunstmarkt interessiert.
Warum haben Sie bei „been out, vol 1.“ mitgemacht?
Weil mich (auch partizipative) Kunst im öffentlichen Raum interessiert, und weil ich ein bestimmtes Projekt gerne hier realisieren würde.
Myriam Thyes Beitrag "Zürich Video Tags"
Weitere Einreichungen in unserer Galerie "been out, vol. 1"
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