
Angesagte Kastanienallee in Prenzlauer Berg
Sie hat einen schillernden Ruf und verbindet sich mit lebendiger, toleranter Urbanität: die Kastanienallee in Berlin. Sie gilt als Flaniermeile, als historisches Pflaster, als Boulevard. Hier finden sich kreative Menschen, Jobsuchende Schauspieler und Touristen in großer Zahl. Dabei ist sie lediglich eine Wohngegend mit Läden und einem recht engen Verkehrsweg dazwischen.
Und es ist die älteste Straße in Prenzlauer Berg - das lebendige Kreativquartier hat sich hier entwickelt und ist gewachsen und nicht aus der Retorte entstanden.
1826 ließ Wilhelm Griebenow eine Schneise durch seine Äcker schlagen, die als Fuhrweg diente. Links und rechts davon wurden Rosskastanien angepflanzt. Auf dem Weg wurde ein Biergarten für die Fuhrleute gebaut, den es heute noch gibt. Der 'Prater' ist jetzt ein Nebentheater der Volksbühne. 'Fahrrad Linke', gegründet 1912, existiert auch noch.
Große Lebensqualität
Ansonsten gibt es Laden an Laden, die von kreativen Menschen angemietet wurden. Vor allem noch unbekannte Designer präsentieren ihre Kollektionen und Schuhe. Dazu gibt es Kunstzubehör, Galerien, Buchläden, Kneipen und Lokale. Architekten und Werbeagenturen haben hier ihre Büros.
Die Anwohner fühlen sich wohl in der Kastanienallee. Hier werden Wohnen und Arbeiten, Privatheit und Öffentlichkeit problemlos miteinander verbunden. Es ist normal, Meetings in Cafés abzuhalten. Die Nachbarschaften sind gewachsen, man kennt sich mit Namen. Zuzügler werden akzeptiert..
Kreative Zusammenarbeit
Typisch für das Miteinander ist die Zusammenarbeit in Projektgruppen, die das Überleben sichern. So haben sich in der Kastanienallee flexible Netzwerke zwischen kleinen Unternehmen und Freelancern etabliert, die die Tagesgeschäfte gemeinsam schaffen - eigene Arbeitsstrukturen sind entstanden.
Natürlich ist die Allee durch ihre hohe urbane Qualität und das Flair der gründerzeitlichen Architektur in den Fokus von Investoren gerückt. Schon nach der Wende wurden die Mieten verdoppelt, einige Anwohner mussten umziehen. Oft wurde der sanierte Bestand in Eigentumswohnungen umgewandelt.
Weitere Aufwertungen könnten das Wohnen wieder verteuern und die Struktur des Quartiers zerstören. Nur die kooperative Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt verhindert diesen Trend.
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Gentrifizierung
Ja es ist richtig. Die Mieten in Köln und Berlin sind um rund 10 Prozent gestiegen. Die Gentrifzierung in den beiden Städten erscheint mir leider schon 'logisch'.
Dennoch ist es notwendig, über alle Quartiere zu schreiben - und Diskussionen zu wünschen. Öffentlichkeit ist sicher ein schwaches, aber das einzige, Instrument, um mit wachem Blick Entwicklungen verfolgen zu können.
Am Ende
Seit mehr als 10 Jahren selbst in dieser sagenhaften Kastanienallee wohnend (heute würde ich hier bestimmt nicht mehr landen & könnte mir auch die Mieten nicht leisten), möchte ich doch klar feststellen: Die Straße ist längst konsequent zu Ende gentrifiziert. Einzelnen Häusern, die von ihren Eigentümern zur Spekulation erworben wurden, mag die Luxussanierung noch bevorstehen. Weitere Aufwertungen, auch der Neubau von Luxuswohnungen, sind in Planung & werden den Kiez weiter verändern. Daß die Investoren dabei in irgendwelche Schranken verwiesen würden, ist nicht erkennbar. & das passiert in Berlin ja auch genauso selten wie im Ruhrgebiet. »Einige Anwohner mußten umziehen« ist eine Beschönigung - es war die Mehrheit. Die allerletzte Stufe der Gentrifizierung bilden dann sogenannte urban villages (eines entsteht hier um die Ecke), die Wohnen wie am Stadtrand von Stuttgart mit dem Gefühl, irgendwie »dabei« zu sein, zu verbinden suchen. Diese Eigenheime sind eine Pervertierung von Urbanität, die entsprechenden Straßenzüge veröden - es bleibt nur die Hoffnung, das Haus am Stadtrand möge bald wieder in Mode kommen
lahmer text, tolle gegend
hab um die ecke ein paar jahre gewohnt. das faszinierende: es machen immer noch neue cafes und läden auf, schicker zwar, aber immerhin. doch die gentrifizierung ist auf dem weg: kneipen haben wegen der kinderflut am "pregnancy Berg" lärmprobleme, investoren verkloppen wohnungen (typische szene vor ein paar wochen: schwarzer van hält vor altbau im der kastanienalle, blockiert strassenbahn, in aller ruhe steigen junge anzugträger aus, einer rattert zahlen runter, die herren machen fotos mit der digkamera von dem haus, die bahn wartet bimmelt, ein paar gehen rein, weiterfahrt).
prater und schwarz/sauer sind institutionen - ohne frage, aber die mieten in der ecke sind eben für den typischen künstlerischen zuzügler nicht mehr zu zahlen, die leute ihm auch zu alt, also geht er neukölln oder kreuzberg. ich mag dieses strasse hasste sie manchmal, aber sie ist die schlagader einer internationalen stadt, man hört kaum noch deutsch, englisch, spanisch, italienisch vor allem. und was berlin ausmacht (ausgemacht haben wird!) ist noch zu sehen.
Was dieser Artikel soll ist mir aber schleierhaft. Den hätte jeder schreiben können, der fünf Minuten im Internet recherchiert
Wo bitte ist eine Bewertung, wo ist eine Einordnung, ein Ausblick, ein Vergleich. Dazu dieses Bezirksamt Deutsch oder Investoren-Katalog-Sprech in diesem Artikel. Das wirkt bizarr auf einer Seite, die sich so modern und frisch geben will. Sinn?
kastanien im feuer
ich habe die kastanienallee vor 5 - 6 Jahren erlebt - bitter traurig, sah es aus, und doch hat es mich damals gejuckt dort hin zu ziehen. Was ist diese unstillbare Zugkraft dieser Straßen nur - against all odds, müsste man sagen. Bishin zur Zerstörung ihres Charmes. Wir drücken den Initiativen die Daumen und loben das Bezirksamt: Mehr davon !