Wim Wenders und 3D
Nominiert für den Oscar der Kategorie "Dokumentarfilm"
- Serie: Medienkunst
Mit seinem neuen Film Pina erweist sich Wim Wenders immer noch als neugieriger und innovativer Filmemacher, für den technische Neuerung keine Gefahr, sondern lediglich neue Möglichkeiten für die Filmerzählung bedeuten. Doch Wenders weiß: „Das, was damit möglich ist, haben wir nur angekratzt“. Wir stecken noch in den Kinderschuhen einer erneuten Kinorevolution.
Avatar – dieses Mammutprojekt von James Cameron, dieser 237 Millionen Dollar schwere Blockbuster, war und ist nicht nur selbst ein riesiger finanzieller Erfolg. Seine Filmkosten spielte der Oscar-Abräumer am US-Startwochenende fast komplett wieder ein und seine Gesamteinnahmen liegen weltweit bei fast 3 Milliarden Dollar.
Doch nicht nur die Filmbranche profitiert vom losgetretenen Boom sondern vor allem die Hersteller für entsprechende Abspielmedien. Auch in dieser Hinsicht steht die flächendeckende Einführung von 3D-fähigen Kinos in der Tradition von Ton- und Farbfilm.
Wenders mit Bundeskanzlerin Merkel, Bundespräsident Wulf und Gattin bei der Premiere von Pina auf der Berlinale
Abseits von Hollywood
Wenders ist jedoch der erste etablierte Autorenfilmregisseur, der diese Technik auch abseits des Hollywoodkinos genutzt hat, um die neuen Möglichkeiten für den Tanz- und Dokumentarfilm aufzuzeigen. Schon während den Dreharbeiten zu Pina haben sich die technischen Vorraussetzungen zum Dreh rapide verändert, wo man zu Beginn noch mit „schwerem Gerät“ vorgehen musste, reichten am Ende zwei Fotokameras.
Der Filmemacher ist sich sicher, dass es nicht mehr lange dauert, bis Hobbyfilmer und unabhängige Filmemacher ihre ersten 3D-Filme einem größeren Publikum präsentieren. Wenders: „Und diese könnten die neue Technik viel sinnvoller nutzen als die Blockbuster.“
Dreharbeiten
Aufnahme: hui, Wiedergabe: naja
Doch auch Wenders sieht sich momentan auch noch zwei wirtschaftlichen Faktoren konfrontiert: Die Standard-Projektoren der Kinos spielen die 3D-Filme immer noch lediglich mit 24 Bildern pro Sekunde ab, auch wenn es schon längst möglich ist, die Filme in gleicher HD-Qualität zu drehen wie ihre 2D-Brüder. Doch die Lobby fehlt, um die Qualitätssteigerung auch in der Projektion zu ermöglichen.
Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass sich die 3D-Abspieltechnik auch in Deutschland momentan noch überwiegend in der Hand der Multiplexkinos befindet. Die meisten Programmkinos können sich die teuren Projektoren nicht leisten. Umso schwerer hat es ein Film wie Pina, der hauptsächlich das Arthousekino-Publikum anspricht, in ärmeren Ländern Europas, wo er in den Großkinos gegen die üblichen Blockbuster keine Chance haben wird.
Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass die 2D-Version von Pina zwei Wochen nach Filmstart anlaufen wird, und in den kleineren Kinos sicher sein Publikum finden wird. Ob diese Version dann noch dem ursprünglichen Geist und der gemeinsamen Idee Rechnung tragen kann, ist jedoch fraglich. Schließlich betont Wenders immer wieder, dass die Nutzung der 3D-Technik der essentielle Bestandteil gewesen sei.
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