Museum Ostwall wird im Dortmunder U zum Ort der Begegnung von Kunst und Leben

Das Museum als Kraftwerk. Diese Leitidee ist in aller Munde, seitdem das Museum Ostwall in das Dortmunder U verlegt wurde. Professor Kurt Wettengl, Direktor des Museums Ostwall, ist überzeugt von diesem Grundsatz und verwirklicht ihn in Konzepten und konkreten Planungen. Was aber steckt  in diesem Begriff?

In der Gegenwart ist es das Wissen, dass der traditionelle Kunstbegriff schon lange nicht mehr greift. Künstlerische Grenzen sind aufgelöst, Kunst findet wieder verstärkt im öffentlichen Raum statt. Junge Akteure treten auf den Plan - gern auch Szene oder Subkultur genannt - und fordern immer wieder neue Blickwinkel und Auseinandersetzungen ein.

Das Museum selbst hat sich gewandelt hin zur aktiven Teilhabe: anfassen, be-greifen mit allen Sinne, mitmachen, mitbestimmen. Prof. Kurt Wettengl greift diese lebendigen Tendenzen auf und will am neuen Ort Überlieferung, Produktivität und Teilhabe breiten Raum geben.

Alexander Dorner

In der Vergangenheit war es Alexander Dorner, der als erster die Erkenntnis umsetzte, dass das Museum ein Ort der Begegnung von Kunst und Leben ist.  Er lieferte allen nachfolgenden Generationen entscheidende Impulse in Wort und Tat - auch noch als die Nationalsozialisten die Macht auch in seiner Stadt übernommen hatten.

1925 übernahm er die Position des Leiters des Landesmuseums Hannover und verwirklichte seine Pläne, aus dem Haus einen lebendigen Ort zu machen. Er wusste, dass die Gegenwart der Weimarer Republik nicht mehr mit den Idealen der Romantik vereinbar war. Menschen lebten unter schwierigen Bedingungen in einer komplexen und schnelllebigen Gesellschaft. Die klassische Kunst aber bot keine Wiedererkennung des Lebens - und so auch keine Antworten.

Distanzen brechen

Es war seine Leistung, die Distanz zwischen Kunst und Leben zu verkleinern. Er zeigte Werke der Gegenwart, die die Befindlichkeiten der Menschen spiegelte und Wiedererkennungsmerkmale boten. Durch sie wurde der Diskurs zu kulturellen, gesellschaftlichen und existenziellen Erfahrungen ermöglicht. Werke aus vergangenen Epochen dienten der Erkenntnis der kollektiven Vergangenheit mit Ausblicken in die Zukunft.

Gleichzeitig öffnete er der modernen Avantgarde die Türen und lud sie zur Zusammenarbeit ein. Es war insbesondere die abstrakte Avantgarde, die dem Museumsbetrieb skeptisch gegenüber stand. Die Einrichtung des Abstrakten Kabinetts war sichtbares Zeichen des Abschieds von traditionellen Kunstauffassungen. Dieser experimentelle Raum zog internationale Aufmerksamkeit auf sich. Den Besuchern bot er die Möglichkeit, direkt an der aktuellen Wirklichkeit teilzunehmen und Teil von ihr zu sein. Eine völlig neue Erfahrung. Es war die Entstehung des Museums als Kraftwerk.


Ähnliche Beiträge
 

Di, 02.11.2010 1

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Kommentare

finde ich gut.epq

finde ich gut.epq

Über den Autor

29.11.2009

Letzte Kommentare des Autors

vor 10 Wochen 3 Tage
Das Schwarze Brett
vor 11 Wochen 1 Tag
Untitled (Glade)
vor 25 Wochen 5 Tage
vor 41 Wochen 6 Tage

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

[URBAN] What IS #cultural policy? #creative city study shows: In #UK it never became manifest. http://t.co/ImeDS7YC #LABKULTUR
[URBAN] Die neuen Arbeiten des #BRIDGES Fotoprojekt #Emscher Zukunft wurden vorgestellt http://t.co/oBgtP6vb #LABKULTUR
[NET] #Infographic: Does Social Media Marketing Really Work? http://t.co/sY4JG8v1 /RT @schwarzesgold
[QUEST] #Obama vs #Romney: Manufacturg vs Investment? The #Creative Choice for USA? http://t.co/WaW1BgT0 /RT @Bernd_Fesel