Vom Stein der Montanindustrie und dem Stolz auf Buntheit

Lebensqualität im Ruhrgebiet: ein Symposium in Essen

Wer etwas über Lebensqualität im Ruhrgebiet erfahren wollte, musste sich am 12. und 13. Mai nur in Dortmund aufhalten und miterleben, was der BVB mit der Stadt macht, wie er ihr den Kopf verdreht und sie in Champagnerlaune versetzt. Anderswo veranstaltet man zum selben Thema lieber Experten-Tagungen wie zuletzt im Frühjahr in Essen.

 

"Lebensqualität im Ruhrgebiet: Bedingungen, Faktoren, Potenziale" war eine Veranstaltung in der Essener Philharmonie betitelt, zu der Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI), Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) und Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs) eingeladen hatten.

Zu untersuchen war, inwieweit sich die Lebensqualität im Ruhrgebiet nach den entsprechenden Impulsen der Kulturhauptstadt 2010 in den Bereichen Klima/Umwelt, Arbeit, Landschaft und Kultur entwickelt hat.

 

Der 111. Radweg-Kilometer

Für Prof. Rainer Danielczyk (ILS) besteht Lebensqualität in der Vielfalt der Wahlmöglichkeiten; beruflich, in der Freizeit und kulturell. Es reiche nicht, etwa das Wellnessangebot zu verbessern oder den 111. Radweg-Kilometer zu feiern: "Das ist toll, aber Standard. Das machen andere auch."

Stattdessen sei das industriekulturelle Erbe des Ruhrgebiets und dessen neue, interessante Nutzung eine Besonderheit und ein Standortvorteil, den es auszubauen gelte. Jürgen Fischer-Pass (Regionalverband Ruhr) sieht in einem mutigen Theaterprogramm eine Steigerungsmöglichkeit der Lebensqualität: "Es reicht nicht aus, dass abends der Lappen hochgeht", vielmehr müsse man sich – wie es etwa Kay Voges am Theater Dortmund vormache – trauen, das Theater in die sozialen Brennpunkte der Stadt zu bringen

 

Schnelles Umschalten vom Stadt- zum Naturerleben

Der Stadtplaner Jan Polivka (TU Dortmund) liebt besonders die "Brüche" in den urbanen Räumen des Ruhrgebiets, die ihm ein schnelles Umswitchen vom Stadt- zum Naturerleben ermöglichten. Das sei eine Besonderheit des Ruhrgebiets und gefalle nicht nur ihm als Bewohner, sondern auch auswärtigen Besuchern.

Seit der "Stein der Montanindustrie" nicht mehr auf den Schultern der Ruhrgebietler laste, böten sich ihnen weitere solcher neuen Möglichkeiten. Jürgen Fischer-Pass führt in diesem Zusammenhang das grandiose Projekt der Emscher-Renaturierung an: "Aus verwundeten Landschaften aus der Zeit der Schwerindustrie macht man lebenswerte Landschaften."

 

Bunt macht attraktiv

Für Ulrich Burmeister (Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr NRW) sind es vor allem die Chancen für alle, die eine Steigerung der Lebensqualität mit sich bringen: "Chancen für alle, die hier geboren wurden und gerne bleiben würden – und Chancen für die, die von außen dazu kommen."

Man solle stolz auf seine Buntheit sein, schließlich seien die weltweit als attraktiv anerkannten Metropolen und Regionen nicht zuletzt wegen ihrer Migrantenzahl und gelungener Integration so geworden. Burmeister: "Das Ruhrgebiet sollte selbstbewusster mit seiner Buntheit umgehen und sie nicht als Problem sehen."

 

Text: Peter Erik Hillenbach

 

 

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So, 27.05.2012 0

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29.11.2009

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