Schöne neue Stadt - Künstler entwickeln alternative Formen des Wirtschaftens

„Es geht um eine Wertschätzung und Anerkennung dessen, was da ist"

Entlang der Rheinischen Straße erstreckt sich das Unionviertel. Einige leerstehende Geschäfte und Wohnungen, die ein oder andere Brachfläche, an mancher Stelle etwas heruntergekommen, friedliches Miteinander von Migrantengruppen, Senioren und Studenten und eine Kreativ- und Kulturwirtschaftszene. Kurz: ein Viertel mit viel Potential meinen Experten. Bohème Précaire und Urbane Künste Ruhr wollen dieses nun ausschöpfen und das am besten sozialverträglich.

 

Unter dem Namen „Schöne neue Stadt“ will das Projekt die Stadt „bewirtschaften“. Was zunächst nach Ackerbau klingt, ist das Vorhaben, künstlerische Konzepte für alternative Formen des Wirtschaftens zu entwickeln, ausgehend vom spezifischen Ort und seinen Ressourcen. Das bedeutet: Die Künstler untersuchen, welches Verständnis von Ökonomie in den offiziellen Plänen für das Viertel zu Tage tritt, und setzen sich mit der Frage auseinander, inwieweit diese Pläne den Bedürfnissen der Bewohner entsprechen. Daraufhin entwickeln sie Konzepte für künstlerische Arbeiten, die modellhafte Diskussionen in Gang setzen - anwendbar auch auf andere Städte im Ruhrgebiet und Regionen mit ähnlichen Voraussetzungen.

 

Ein einwöchiger Workshop vor Ort legte den Grundstein des Projekts. Dazu luden der Verein Bohème Précaire und Urbane Künste Ruhr sechs internationale Künstler aus den Bereichen bildende und performative Kunst sowie Design ein. Die Künstler, die sich alle durch Erfahrungen mit ortsspezifischen Arbeiten auszeichnen, trafen sich mit lokalen Akteuren aus Wirtschaft, Stadtplanung, Kreativwirtschaft und Politik. Auf der Agenda standen Begehungen, Diskussionsrunden und eine Fahrradtour mit dem Bezirksbürgermeister Innenstadt West, Friedrich Fuß.

 

„Je nach dem mit wem man durch ein Viertel läuft, ist es ein ganz anderes Netz von Beziehungen und Aktivitäten, die über dieser gebauten Struktur liegen und das wollten wir eben sichtbar machen für unsere Künstler“, so Wilma Renfordt von Bohème Précaire. Fabian Saavedra-Lara, Bohème Précaire ergänzt: „Es geht um eine Wertschätzung dessen was da ist, auch um eine Anerkennung dessen was da ist, was es für Interessen gibt, was es für Anliegen in den Vierteln gibt, auch was es für emotionale Geschichten gibt.“

 

Durch den Austausch von Künstlern und Lokalakteuren wurden die vielfältigen Interdependenzen der gegenwärtigen Stadtentwicklung deutlich. Claudia Eipeldauer aus Österreich, Mitglied der Künstlergruppe Wochenklausur stellt fest: „Ich habe das Gefühl, jetzt viel mehr Einblick zu haben und sehe die Stadt ganz anders, nicht mehr nur dieses Klischee Stahl, Kohle, Bier, sondern dass es eine vielfältige Stadt ist, die viel zu bieten hat und jetzt vielleicht in einem Umbruch ist.“

 

Es ist geplant, die erarbeiteten Ansätze in Installationen, Performances und Interventionen vor Ort im Sommer 2014 im Unionviertel umzusetzen. So könnten Künstlerinnen und Künstler etwa die Brache neben dem Dortmunder U, leer stehende Ladenlokale, frei gewählte Orte im Stadtraum oder aber auch Teile des U "bewirtschaften".

 

Text: Leoni Gessert

 

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Fr, 02.08.2013 0

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29.11.2009

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