Ruhrpott Romantik
Ein Heimatfilm der etwas anderen Art
Für seine Diplomarbeit hatte sich der mittlerweile freiberufliche Grafik- und Kommunikationsdesigner Sebastian Daniel intensiv wie nie zuvor mit seiner Heimat, dem Ruhrpott, auseinandergesetzt. Der gebürtige Bochumer erklomm die höchsten Punkte der Region und beobachtete über mehrere Monate mit Kamera und Mikrofon eine faszinierende Welt. Mit der "Tilt-Shift Technik", einem Miniatur-Effekt, kreierte Sebastian Daniel die Dokumentation "Ruhrpott Romantik". Im Interview erzählt er, warum er nun mit Vorurteilen über das triste Ruhrgebiet aufräumt.

In erster Linie ist es eine Diplomarbeit, in der ich die Tilt-Shift Technik untersucht habe. Dafür habe mir das Thema Metropole Ruhr ausgesucht. Was ja ein Diskursthema der Zeit ist, besonders seit Ruhr 2010. Im Film habe ich untersucht ob die Metropole Ruhr wirklich eine Metropole ist oder nur ein Ballungsraum.
Was ist Deiner Meinung nach das Ruhrgebiet, eine Metropole oder ein Ballungsraum?
Es ist ein Ballungsraum, ganz klar! Wir haben ja kein Zentrum - auch wenn Essen gerne das Zentrum wäre, aber wir haben keinen gemeinsamen Oberbürgermeister. Politisch gesehen wird’s ja auch nie eine Metropole. Das ist ja eigentlich nur eine Marketingbezeichnung der Werbeagenturen der Metropole Ruhr.
Warum hast Du den Titel Ruhrpott Romantik gewählt?
Als Überschrift hab ich die Ruhrpott Romantik genommen weil die Liebe zur Heimat auch zu dem Thema passt. Ich selbst komme aus Bochum und die Leute Identifizieren sich ja auch mit dem Ruhrgebiet seit Ruhr2010. Wir haben den Strukturwandel, wir haben die gemeinsame Vergangenheit hier und die Liebe zur Heimat.

Es sind die Klischees, das wir immer noch den Charme einer ostdeutschen Plattenbausiedlung besitzen. Also Zechentürme, Schlote, alles ist grau und voller Beton, keine Wälder. Es gibt zwar immer noch diese alten Zechentürme aber mittlerweile sind die begrünt und Kinder lassen ihre Drachen dort steigen.
Du sagst auch, dass du mit diesen Vorurteilen aufräumen möchtest?
In meinem Film spiele mit diesen Klischees. Ein Beispiel: zu sehen ist eine Betonsiedlung in der Innenstadt Dortmunds, ein Balkon von oben gefilmt, der ein riesiges Kühlaggregat an der Seite besitzt. Der Besitzer hat sich eine grüne Oase mit tausenden von Pflanzen auf diesen Balkon gebaut.
Von wem hast Du dich zur Fake Tiltshift inspirieren lassen?
2008 hat der australische Fotograf Keith Loutit die Tiltshift entwickelt. Er hat Sydney aus großer Höhe mit einem sogenannten Tilt-Shift Objektiv abgefilmt, das aus der Architekturfotografie stammt. Durch diesen Blickwinkel erschien die Welt ganz klein. Und mit dieser Technik erzeugte er ein Hochglanzbild. Ich wollte das aufbrechen und andere Wege gehen.

Erstens wollte ich testen, ob der Effekt auch mit einfachen 8 Megapixelkamera erzielt wird. Den Effekt habe ich mittels Videosoftware imitiert und ich finde, mein Weg ist authentischer und kritischer vor allen Dingen weil, ich die schöne Scheinwelt aufgebrochen habe. Bei mir ist nicht alles so sauber und fein wie in Sydney, sondern man sieht auch Schmutz. Man sieht auch gerade auf der akustischen Ebene den Lärm den ich widerspiegle. Also ich hab ausschließlich original Soundaufnahmen gemacht und die zu einem Soundtrack komponiert und das mit der Tilt-Shift Technik verbunden. Gerade auf der akustischen Ebene sah ich Defizite, weil die klassischen Tilt-Shift Filme einfach nur mit kommerzieller Musik untermalt werden. Der Filmschnitt wird auch nicht an den Sound angepasst, sondern es wurden ganz schlicht Bilder der Stadt gezeigt.
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