Ruhrmusik zu Episode 03 / Japanische Kampfhörspiele - Verpackt In Plastik (Live)

Keine Kultur ohne Musik; Kein Ruhrgebiet ohne Ruhrmusik mit nationalem Rang und Prominenz. Ruhrmusik lädt ein zum Entdecken des Ungehörten: „Verpackt in Plastik“ ist eine bitterböse Abrechnung mit der Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Wäre das Stück nicht bereits auf dem 2003-erschienenem JaKa-Album „Fertigmensch“ vertreten gewesen, man würde es glatt inspiriert vom gerade in den Kinos gelaufenen Dokumentarfilm „Plastic Planet“ von Werner Boote halten.
Gleichzeitig ist der Link zu David Lynchs postmoderner Pionier-Serie „Twin Peaks“ nicht zu übersehen, in der die Leiche der jungen Laura Palmer in der ersten Folge im Fluss treibend, „wrapped in plastic“ gefunden wird.
Der Tod, das Bedrohliche, das Gewaltsame, aber auch Unerklärliche schwingt also auch auf dieser Ebene mit, und so kann das Stück ebenfalls als eine moderne Variation „klassischer“ Heavy-Metal-Themen oder klassischer Endzeit-Metropolis-Mythen verstanden werden.

Komplott der fernöstlichen Kampfhörspiel-Industrie

In der Metalszene wird die Band, die sich nach der Verschwörungstheorie eines Freundes benannte, dessen „Die drei ???“-Hörspielkassetten von seinem Kassettenrekorder japanischen Fabrikats „gefressen“ wurden, demnach er einen Komplott der fernöstlichen Kampfhörspiel-Industrie vermutete, mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Die Wahl der Sprache, die avantgardistische Cut-Up-Technik, die sich durch die Texte, die Musik und das Artwork der Band zieht (alles entspringt den Ideen von Bandkopf und Schlagzeuger Christof Kather) werden von vielen „klassischen“ Metalfans als Affront verstanden.

Dafür würdigte Chefredakteur Max Dax im Popkulturorgan Spex Kathers Lyrik: Er greife „auf sprachliches Treibgut zurück, dass er in der Werbung, an Wursttheken und in Zeitschriften findet. Er dekliniert digitale Umgangssprache aus Twittermeldungen und SMS-Kürzeln.“

Im heftigen - von Punk, Thrash- und Deathmetal durchsetzten - Grindcore der Band aus Essen mag diese Ebene für den unbedarften Zuhörer untergehen. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, ausnahmsweise einmal Untertitel hinzuzufügen, um dem „Gesamtkunstwerk“ JaKa Rechnung tragen zu können. Viel Spaß!

Ruhrmusik 03: Japanische Kampfhörspiele - „Verpackt In Plastik“ (live im Turock, Essen). Begleitend zur Episodenreihe „Das Ruhrgebiet - aufgenommen und abgemischt“ gibt es hier zu jeder Episode ein Musikstück komplett.

Kamera: Jhonny Kartabany, Adrian Draschoff, Dominik Boymanns
Schnitt: Dominik Boymanns
Untertitel: Jörg Stiepermann
Dank an bunch.tv

Weitere Beiträge von Das Ruhrgebiet - aufgenommen und abgemischt:

Video

Blog

Channel

So, 02.05.2010 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

05.01.2010

Letzte Kommentare des Autors

vor 1 Jahr 17 Wochen
vor 1 Jahr 18 Wochen

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

[NET] #Infographic: Does Social Media Marketing Really Work? http://t.co/sY4JG8v1 /RT @schwarzesgold
[QUEST] #Obama vs #Romney: Manufacturg vs Investment? The #Creative Choice for USA? http://t.co/WaW1BgT0 /RT @Bernd_Fesel
[LOCAL] Kreativ werden im @MuseumOstwall - Kunstkurs @dortmunder_u ab 31. Mai http://t.co/Wa3FIpFf #Ruhrgebiet /via @lokalkompass_de
[ART] 18th #Istanbul Theater Festival: Freedom - Questioning | LABKULTUR.TV http://t.co/eSzieqY0 #LABKULTUR