Nilgün Mirze, Istanbul: "Weg mit der altbackenen Kulturbürokratie!"

Ein radikales Umdenken der Kulturbürokratie fordern die Kulturmanager Julien Sigard, Co-Direktor beim Service de la culture der Stadt Brüssel, und Esra Nilgün Mirze, Direktorin für Internationale Beziehungen der Kulturhauptstadt Istanbul 2010. Dringend geboten sei die Anpassung der öffentlichen Förderstrukturen an die kreativen Ideen und Prozesse einer modernen digitalen Gesellschaft. Bisher standen diese unter dem bürokratischen Diktat altbackener Fördermittelvergabe. Bürokratischer Verwaltungsakt und kreativer Prozess müssen in Zukunft zusammen gedacht werden.


Julien SigardEsra Nilgün MIrzeÖffentliche Kunst- und Kulturförderung ist immer noch das Schreckgespenst für viele Künstler und Kreative. Sie wissen, dass ihr Denken und ihre Ideen gesellschaftlichen Nutzen bringen, aber an das Geld zur Realisierung dieser sinnvollen Projekte kommen sie nur nach sehr schwerer und zäher Antragsarbeit heran, die ihnen niemand bezahlt. Sie gehen in der Planung und Projektierung weit in Vorleistung und müssen dann immer noch um die Vergabe der Gelder bangen wie in einem Lottospiel.

Neue Offenheit

Altbackene Bürokratie, Kompetenzängste, Nicht-Wissen, Unkenntnis, Scheu und fehlende Vernetzung zu den Künstlern sind auf Seiten der Kulturbeamten die Faktoren, die viel von dem kreativen Potenzial, das die Zivilgesellschaft bereit stellt, ausblenden und ungenutzt lassen. Ein moderner Staat, der auf Kreativwirtschaft setzt, benötigt heute ein Bürokratiedesign für Kultur. Kreative Prozesse müssen bereits von der ersten Idee an genährt und bis zur Realisierung begleitet und unterstützt werden.

Text: Boris Alexander Knop


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Di, 24.05.2011 0

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