Wir kennen das fabelhafte Google Art Project und bewundern das Frankfurter Städel Museum für seinen interaktiven Internetauftritt. Auch das Rijksmuseum so richtig offen für die digitale Welt. Denn die Amsterdamer Kunstinstitution von Weltrang geht gleich den entscheidenden Schritt weiter: Seit dem Kings Of Code Hack Battle auf der Amsterdamer Konferenz The Next Web (TNW) 2012 bietet das Museum 100.000 Objekte online als Freeware. Jetzt kann jeder damit digital etwas bauen, weiterverarbeiten, neu machen und remixen. So entstand u.a. eine App, die beim Klicken auf die Bilder zeitgenössische Musik aus der Entstehungszeit der Gemälde abspielt.

Lizzy Jongma | Datamanager Rijksmuseum
Lizzy Jongma bekleidet den Posten des Datamanagers am Rijksmuseum Amsterdam. Sie weiß, dass die breite, offene und freie Verfügung des riesigen Fundus aus digitalisierten Hochkarätern im Internet zum Erfolg führt: „Leute hören deswegen nicht auf in das Museum zu kommen.“ Im Gegenteil interessieren sich Kreative und gerade Digital Natives neu für die atemberaubende Kunst des Goldenen Zeitalters, die damals seinen so wichtigen Beitrag zur Gründung der Niederlande tat. Was liegt da näher, als nach dem Remix oder in der Designerpause ´mal eben vor den echten Ölschinken zu treten, in dessen Lieblingsdetail man sich gerade eben noch so richtig reingezoomt hatte?

Details aus Ölgemälden der Sammlung
Man kann diese Strategie nur umarmen und willkommen heißen. Sie ist ein weiterer wichtiger Schritt für die OPEN und SHARISM Bewegung und hoffen, dass viele Museen der Welt diesem grandiosen Beispiel folgen werden. Es ist auch ein Beleg dafür, dass kulturelles Erbe und digitale Revolution keine Feinde sein müssen, sondern dass es durch sie bereichert werden kann. Übrigens sind Urheberrechtsfragen in diesem Fall leichter gelöst, denn die Werke, die im Rijksmuseum hängen sind alle aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Ansprüche der Urheber bei Rechteabtretungen sind also schon alle längst abgegolten.
Text: Boris Alexander Knop