The Making Of/Dortmund
Klangschürfen/New Sounds – 02
- Serie: Ruhr Music
Klangschürfen stellt neue und viel versprechende Musik aus der Ruhr-Region vor. Dieses Mal mit The Making Of aus Dortmund, die nun ihre erste EP vorstellen. Aufnahmen, Vertrieb, Management, Video – alles machen die vier Anfangs-/Mittzwanziger im Alleingang. Haben die traditionellen Wege im Musikgeschäft ausgedient?

Stil: Indiepop/Wave
Mitglieder: Maurice Margraf – Gesang/Gitarre, Julian Loewe– Bass, Hauke Hackstein – Schlagzeug, Marcel Wojcik – Keyboard
Gegründet: Seit 2009 unter diesem Namen aktiv
Veröffentlichungen: Love Lost (EP, 2011)
Ihr habt vor einiger Zeit das Video zu eurem Song Scraps Of Poetry im Netz veröffentlicht. Braucht eine Band heutzutage überhaupt noch ein dazugehöriges Album?
Maurice: Der Song gehört ja zur EP.
Hauke: Ich weiß nicht, ob das heute noch so wichtig ist, bestimmt nicht unbedingt. Ganz viele britische Bands machen nur noch Songs, die dann zwar irgendwann auf irgendwelchen Vinylsingles veröffentlicht werden, und zwei Jahre später kommt dann irgendwann ein Album. Aber ich glaube so ein klassischer Veröffentlichungsrahmen ist nicht mehr so wichtig. Uns ist der jedoch schon wichtig, wir wollen den gerne bewahren, ohne da jetzt drüber geredet zu haben.
Im Februar habt ihr die EP in Berlin aufgenommen. Zu dem Zeitpunkt wusstet ihr noch nicht, in welchem Rahmen ihr sie veröffentlichen werdet. Wie groß war die finanzielle Anstrengung?
Hauke: Klar, du trittst als Band erstmal in Vorleistung und wir konnten nicht davon ausgehen, dass das Geld wieder reinkommt. Was dabei herauskommt, ist im besten Fall etwas Aufmerksamkeit und ein paar Facebookfreunde. Ein paar verkaufte CDs auf dem Konzert.
Wie veröffentlicht ihr die EP nun?
Julian: Wir planen einen digitalen Release, den wir selbst machen. Physisch vertreiben wir auch selbst. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, nicht unsere Labelkontakte zu nutzen,, sondern auf eigene Faust selbst zu entscheiden, wie wir unsere Musik weitergeben. Ich glaube, das ist für den Charakter einer EP auch sympathisch.
Euer Sound ist alles andere als typisch Ruhrgebiet, hier stehen meistens Metal und vielleicht auch derber Punk musikalisch Pate. Habt ihr trotzdem das Gefühl, dass ihr als Band aus Dortmund wahrgenommen werdet oder ist es den meisten total egal, wo ihr herkommt?
Hauke: Klar, unser Musikstil mag nicht für das Ruhrgebiet stehen. Wir klingen vielleicht nicht „erdig“ und „bodenständig“. In Großbritannien kommt solche Musik jedoch aus genau solchen Ecken, Manchester oder bestimmte Ecken Londons, die aussehen wie hier die Nordstadt. Wir haben aber eigentlich die Hoffnung, dass es egal ist, ob wir aus Wanne-Eikel oder dem Wedding kommen.
Ihr habt vom Video bis zur EP nun alles selbst gemacht. Braucht eine Band heute denn überhaupt noch ein Label?
Maurice: Man kann schon sehr viel selbst machen heute, es gibt ja nicht wenige Zwei-Mann-Unternehmen, kleine Labels, die sich nur für die eigene Band gründen. Große Vorschüsse gibt’s sowieso nicht mehr, im Zeitalter des digitalen Aufnehmens kann auch Max Mustermann eine gut klingende Platte zu Hause aufnehmen, und es fällt den Leuten nicht auf. Ein Label ist nicht zwingend notwendig, aber wenn man davon leben will, ist es nach wie vor essentiell.
Hauke: Für eine gewisse Aufmerksamkeit ist es schon wichtig. Ohne großen Vertrieb, ohne entsprechende Booking-Agentur stehst du eben nicht in den Läden, spielst nicht in den entsprechenden Clubs, da ist man schon limitiert. Und die Frage ist halt auch, ob man das alles als Musiker leisten kann, als Künstler. Alles organisieren, über alles nachdenken, hier noch was machen, da noch mit wem sprechen und dann noch auf die Bühne gehen. Vielleicht braucht man nicht unbedingt ein Label, vielleicht reicht jemand, der Ahnung hat und nicht hinterher auf der Bühne steht.
Julian: Ich glaube auch, dass die gefestigte Struktur der Labels etwas brüchig geworden ist. Früher hat ein Label einen Newcomer an diverse Zeitschriften und Redakteure empfohlen, dann kam das positive Feedback und dann hat man erst mit dem Aufbau der Zielgruppe angefangen. Heute hat man eben die Möglichkeit, dass sich eine Band durchs Internet präsentieren kann, auch wenn da natürlich viele in diesem Wirrwarr untergehen. Es wird sich angehört, im besten Falle wird es geteilt. Es ist zuerst wichtig, was die Leute davon halten bevor ein A&R, ein Label da rangeht.
Das erfordert viel Engagement…
Hauke: In jedem Fall. Engegement, langer Atem. Man ist ein bisschen auch sein eigener Promotyp, der nicht immer nur darüber nachdenken darf wie er einen guten Song schreibt, sondern auch, wie er es hin
bekommt, dass die Leute ihn auch hören. Sei es ein Video oder ein Gewinnspiel…
Was würdet ihr gerne über das vergangene Jahr sagen, wenn wir uns in zwölf Monaten erneut sprechen würden?
Julian: Dass hoffentlich einige Leute mehr das zu hören bekommen, was wir in Berlin aufgenommen haben. Dass wir viel herumkommen sind, dass wir mit der Band die Möglichkeit haben, im Bully herumzufahren und zu spielen.
Hauke: Schön wäre es, wenn wir dann sagen könnten, dass wir dann wieder etwas Neues gemacht haben und aufgrund der vergangenen 12 Monate hören das dreimal so viele wie jetzt gerade und kommen zu unseren Konzerten.
Maurice: Ich würde mich auf den kreativen Aufnahmeprozess freuen. Ich mag die Studioarbeit total gerne. Ich würde gerne weiter mit den Jungs am Sound arbeiten und in zwölf Monaten mit einer richtig geilen Platte hier sitzen.
Am Donnerstag, den 13.10.2011 stellt die Band ihre EP in der Dortmunder Hafenliebe vor. Tourdaten und mehr auf der Facebook-Seite von The Making Of.
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