Lichtkunstzentrum Unna: Licht am Ende des Kellers

Jubiläumsausstellung bis 7. April 2013: Licht Linien | (un)wirklich – Light Lines | (un)real

„Ich bin froh, dass die Leute vor zehn Jahren Visionen gehabt haben, als die Frage aufkam: Was machen wir mit dem Keller?“ John Jaspers, seit März 2012 Direktor des Zentrums für Internationale Lichtkunst in Unna, ist glücklich über die Schätze unter seinen Füßen. Gär-, Eis- und Lagerkeller der ehemaligen Lindenbrauerei beherbergen Lichtkunstwerke von Weltgeltung: „Die Rembrandts der Lichtkunst“, nennt sie Jaspers.

Seit der Mann mit Wohnsitz Amsterdam seinen Dienst antrat, hat er eine Menge aufzuräumen gehabt. Das Zentrum wurde in Unna und der Region kaum wahrgenommen, und wie überall muss man mit kleinen Budgets auskommen. John Jaspers nahm’s als Herausforderung, wuselte und wirbelte und bekam es hin, dass Ende Oktober die Jubiläumsausstellung zum Zehnjährigen mit einigem Medienecho eröffnet werden konnte.

Alle Kunstwerke aus dem Bestand wurden zuvor generalüberholt, darunter auch die berühmte Fibonacci-Zahlenfolge des Arte-Povera-Künstlers Mario Merz, die den Schornstein der ehemaligen Lindenbrauerei zu einem weithin leuchtenden Denk-Mal macht. Zu den leuchtenden Namen, mit denen das Lichtkunstzentrum Unna international punkten kann, gehören James Turrell, Olafur Eliasson, Rebecca Horn, Mischa Kuball, Christina Kubisch und François Morellet – Namen, die man in Unna nur zögernd wahrnimmt, die die kleine Stadt östlich von Dortmund aber auf der Weltkunstkarte verorten.

 

Unna ist weltbekannt – nur nicht in Unna

„Unna ist in den Niederlanden sehr bekannt“, schmunzelte der Niederländer Jaspers vor der Eröffnung der Jubiläumsshow. „80% aller Holländer kennen Unna aus der Sendung mit der Maus und aus Planet Wissen.“ Drei sehr große, auf die Räume in Unna konzipierte Installationen von Ernesto Klar, von Li Hui, von Wolfgang Bittner, Lyndsey Housden, Yoko Seyama und Jeroen Uyttendaele sowie eine kleinere Arbeit von Stephan Reusse, die zusammen die Ausstellung Licht Linien | (un)wirklich – Light Lines | (un)real ausmachen, werden den Bekanntheitsgrad des Lichtkunstzentrums auch in der eigenen Stadt steigern.

Nicht nur will John Jaspers aus dem Lichtkunstzentrum ein internationales Kompetenzzentrum für Licht und Lichtkunst machen – ein Symposiumsprogramm u.a. mit Mischa Kuball macht parallel zur Ausstellung den Anfang mit Diskussionen zu Themen wie „Licht & Politik“, „Licht & Religion“. In der Stadt selbst bezieht Jaspers Kinder aus Unna mit ein. Es gibt ein Bildungsprogramm für Kinder, und Kinder werden im Februar selbst gebastelte Lampen zeigen – über 700 waren schon im Oktober angemeldet, da reicht der Platz der Kulturen schon nicht mehr aus. Unnas Licht soll auch in Unna leuchten! Es gibt eine Kooperation mit der FH Dortmund und Urbane Künste Ruhr. 50 Studierende des Fachbereichs Design an der FH Dortmund haben Konzepte zu Lichtkunst im städtischen Raum entwickelt, die neue technische und künstlerische Wege gehen. Eine Experten-Jury wählte fünf Projekte aus den 20 Wettbewerbsbeiträgen aus, die vom 1. bis 17. März im Stadtraum von Unna zu sehen sind. Parallel dazu werden alle Beiträge in der Ausstellung LICHTGESTALTEN präsentiert.

 

Lichtkunst an der Schwelle zur Digitalisierung

Auch ein Deutscher Lichtkunstpreis ist angedacht, junge Künstler werden stärker beachtet. John Jaspers sieht die Lichtkunst an der Schwelle zur Digitalisierung, zum Beispiel gibt es mittlerweile papierdünne Folien, die leuchten. Spektakulär und technisch auf der Höhe sind auch die vier aktuell ausgestellten Werke. Stephan Reusse zeigt erstmals einen beweglichen Laser: Ein Tänzer von Pina Bausch, Dominique Mercy, diente ihm da als Vorlage. Von Li Hui, dessen plakative Arbeit „Amber“ (Bernstein),  ein gespenstisches Skelett im Rennwagen, bereits länger als Leihgabe des Ministry of Art zu sehen ist, stammt die neue Arbeit „V“. Sie setzt sich aus den Elementen Laser, Rauch und Spiegel zusammen – sicher stehe das V auch für Victory, meinte Li Hui im Oktober, aber es sei eben auch ein häufiger chinesischer Buchstabe. Für diese Arbeit wird übrigens Nebel benötigt, da müssen extra die Brandmelder ausgeschaltet werden – bisher verhinderten amtliche Anforderungen wie diese, dass individuelle Besucher eingelassen werden konnten. Jaspers will das langsam ändern.

 

Staub und Klang im Eiskeller

„Land Scapes“ ist eine Gemeinschaftsarbeit von vier Lichtkünstlern, eine raumfüllende und begehbare Installation, die das Zusammenspiel von Bild, Klang und Raum untersucht: Auf einen Wald aus tausenden weißen Gummibändern wird eine abstrakte Landschaft projiziert. Ernesto Klar schließlich kommt mit seiner Arbeit „Convergenze Parallele“ dem Untertitel der Jubiläumsausstellung am nächsten: Bei ihm verschwimmt die Grenze zwischen real und irreal, wenn in der Luft schwebende Staubkörnchen auf eine Lichtprojektion treffen und mit einer speziellen Software akustisch übersetzt werden.

 

Text: Peter Erik Hillenbach

 

 

Jubiläumsausstellung im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna:

Licht Linien | Light Lines (bis 7.4.13)

Öffnungszeiten und Preise siehe hier.

 

Die Ausstellung LICHTGESTALTEN eröffnet am 1. März im Zentrum für Internationale Lichtkunst und Stadtraum Unna– Diskussionsveranstaltung REFLEXIONS zum Thema Lichtkunst im Stadtraum am 2. März

Eine Veranstaltung der Fachhochschule Dortmund in Kooperation mit dem Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna und Urbane Künste Ruhr

 

 

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Fr, 22.02.2013 0

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29.11.2009

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