Ein riesiges ehemaliges Zechengelände in Dinslaken soll zum lebendigen Stadtteil werden. Wohnquartier, Freizeitort, Heimat kreativer Köpfe, Debattenort – die Pläne sind anspruchsvoll und reichen weit in die Zukunft.

Stahlkolosse wirken wie Skulpturen (c) PEH.
Das Gelände der ehemaligen Zeche Lohberg in Dinslaken ist gigantisch. Es umfasst neben der Fläche der schwerindustriellen Produktion mit ihren Fördertürmen, Lagerhallen und wie Heavy-Metal-Skulpturen wirkenden Großmaschinen und Stahlkolossen auch aufgeschüttete, mittlerweile bewachsene Abraumhalden, Klärteiche und kleine Wäldchen. Andere Flächen wirken wie eine Mondlandschaft und man bezweifelt, dass hier jemals wieder etwas wachsen kann.
Zur Straßenfront hin sind die typischen Verwaltungs- und Zechengebäude aus der Gründerzeit erhalten, das einzige, was die Dinslakener in Jahrzehnten vom Lohberg-Gelände zu Gesicht bekamen. Der große Rest war, wie andernorts, tabu – eine Art Sperrbezirk für die Zivilbevölkerung. Ende 2005 wurde die Zeche Lohberg stillgelegt. Seit 2007 wird das Zechengelände bis auf einen Teil der historischen Bausubstanz abgebrochen. Etwas Neues soll hier entstehen. Das Ziel ist die völlige Neuentwicklung der Fläche: In einem kreativen Prozess zwischen Denkmalschutz und Umgestaltung soll hier ein ganz neues Stadtquartier entstehen – eine der zentralen städtebaulichen Herausforderungen für die Stadt Dinslaken.
Die Künstler sind schon da

Künstlerische Intervention in der Maschinenhalle (c) PEH.
Das Kreativ.Quartier Lohberg oder kurz KQL soll zugleich Anziehungspunkt und Ausdrucksfläche für Kreative, aber auch ein Wohnquartier und Freizeitort für alle Dinslakener werden. Ersteres hat sich bereits entwickelt, denn einige Kreative haben sich in und um die ehemalige Lohn- und Lichthalle der Zeche einquartiert. Darunter die Künstlerinnen Walburga Schild-Griesbeck und Gabriele Sowa, die im Video zu Wort kommen. Mit der neuen Veranstaltungsreihe „Debattenort“ wird das KQL überdies zum Podium für den Meinungsaustausch von Experten und Bürgern. Die Planer und Entwickler wollen von anderen, vergleichbaren Akteuren und deren Projekten lernen. Nach der Auftaktveranstaltung Landschaft im vergangenen November fand am 26.01. der "Debattenort" mit dem Thema Architektur statt.

Zukunft: Sichtbar auch von ganz oben (c) PEH.
Künstler und Kreative sollen hier erste Impulse setzen und das alte Zechengelände mit neuer Bedeutung aufladen. Überregionale Bedeutung könnte Lohberg künftig als Schnittpunkt mehrerer Fernradwege zwischen dem Ruhrgebiet und Holland bekommen, an Gastronomie und eine entsprechende Freizeitinfrastruktur ist bereits gedacht. Lokal, so Projektleiterin Ruth Reuters, Stadt Dinslaken, ist an neue Wohnquartiere gedacht. Man träumt von moderner Architektur, von einem lebendigen Standort.
Das Kreativ.Quartier Lohberg bedeutet eine Chance, nicht nur für Dinslaken. Es kann ein Leuchtturmprojekt für die ganze Region werden. Die entscheidenden Weichen hierfür werden 2012 und 2013 gestellt.
Text: Siegersbusch/PEH.