Dman fliegt ums U – im Biene-Maja-Kostüm

Lassen sich Blogs auf die Bühne bringen? Ja, sicher!

„Das Besondere am Ruhrgebiet ist die Architektur, die ehemalige Industrie – und die Menschen sind ein bisschen derb, aber mit seelischem Humor gesegnet.“ Rolf Dennemann bringt auf den Punkt, worüber andere lange Abhandlungen schreiben. Den Rest verpackt er in abseitige Geschichten, die er gern öffentlich vorliest. Wie zuletzt „Kann man von Rosinenbrot Albträume bekommen?“, eine Lese-Performance im Dortmunder Depot.

 

Die Frage, ob Roboter von elektrischen Schafen träumen, ist hinreichend geklärt worden. Ob man von Rosinenbrot Albträume bekommt, ist jedoch eine vergleichsweise aktuelle Frage, die wohl niemand besser beantworten kann als der Dortmunder Autor und Theaterregisseur Rolf Dennemann. Er denkt in schrägen Bildern und inszeniert seine Performances an skurrilen Orten – und wenn er sich selbst als Lesender präsentiert, darf der geneigte Dman-Follower auch hier mehr erwarten als bloßes Ablesen von umzuschlagenden Seiten.

 

Blogs On Stage

Nein, es muss schon eine richtige Lese-Performance sein, mit Livemusik und Videoeinspielungen, Dennemann selbst im harten Spotlight und die Bühne ansonsten dunkel wie der Grund des Phoenixsees, da wo der Stöpsel ist. Es gab Performances von Dennemann, da kam noch die olfaktorische Komponente frisch zubereiteter Bratkartoffeln hinzu; die fehlt jedoch heute, auch wenn Rosinenbrot mitunter himmlisch duften kann.

Dennemann liest seine eigenen Blogbeiträge, die er für das Portal LABKULTUR.TV verfasst hat – genau, dieses Kultur- und Kreativgedöns-Portal, das Sie gerade angeklickt haben. Dmans Texte gehören zum LAB und haben es von Anfang an mitgeprägt: Alltagsbeobachtungen, das Große im Kleinen, Lebensbetrachtungen im Wartezimmer des Lebens, Flaniergänge über Nordstadt-Boulevards. Da schweift einer wie Dman schon mal ab, wenn er so vor sich hin flaniert, und imaginiert „sanfte asiatische Kampfsportgruppen“, die Dortmunder Neonazis auf dem Friedensplatz verprügeln.

 

Küchenzerstörungsorgien

So etwas kann nicht bloß abgelesen werden. „Der geschriebene Text wird in eine Form gebracht, die man sprechen kann. Ein Entertainment-Faktor kommt hinzu, der nicht zu verachten ist“, hat Dennemann erkannt, und so ergänzen sanfte, assoziative Akkordeon-Improvisationen von Ralf Kaupenjohann das Gelesene; man ist hautnah dabei, wenn Dman im Biene-Maja-Kostüm ums Dortmunder U fliegt oder für die Abrissgebäude zu Füßen des U eigene Performances ersinnt, die als „Küchenzerstörungsorgie“ enden.

Text: Peter Erik Hillenbach

 

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Mo, 16.04.2012 0

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29.11.2009

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