Still-Leben made in Marxloh - 100 Bräute flanieren über die A40
- Serie: Kreative Klasse Ruhr, Kunst
Der Medienbunker in Marxloh schickte 100 Bräute auf die A40 und verwandelte das Kulturhauptstadtprojekt Still-Leben - Ruhrschnellweg zur romantischsten Flaniermeile Deutschlands. Die Imagekampagne geht auf das Konto des Medien-Bunker Marxlos zurück, die versuchen aus dem Stadtteil eine Marke zu machen.
Die Aktion „100 Bräute für Marxloh“ reiht sich ein in die mittlerweile bundesweit berühmt gewordene Imagekampagne „Made in Marxloh“, die ihren Beginn während der Eröffnung der DITIB-Moschee im Herbst 2008 feierte. Seitdem erfreut sich das Kollektiv aus Medienmachern, Stadtplanern, Soziologen und Künstlern einer zunehmenden Bekanntheit über die Stadtteil- und bundesgrenzen hinaus.
Die Idee zu „100 Bräute für Marxloh“ lag wegen der hohen Dichte an Brautgeschäften auf der Weselerstraße in Marxloh auf der Hand - Kilometer langes Weiß in Tüll, Strass und Glitzer.
Die romantischste Straße Deutschlands ist auch ein Anziehungspunkt für die Nachbarländer. Denn die Kundschaft kommt nicht nur aus dem gesamten Ruhrgebiet, sondern auch aus Benelux, Frankreich und London.

Ist Marxloh ein Integrationsmärchen inklusive Wirtschaftswunder?
Das Geschäft mit denHochzeitskleidern ruft eine Kettenreaktion aus Friseuren, Geschenkartikeln und Restaurants hervor. Allerdings werden in Marxloh überwiegend Türken eingekleidet. „Die Deutschen mögen's biederer“, erklärt der Brautladenbetreiber Tercan Küccük. Genügend echte Bräute aus Marxloh zu finden, stellte sich jedoch als äußerst schwierig dar. Denn die meisten Türkinnen möchten nur ein einziges Mal ein Brautkleid tragen, nämlich zu ihrer Hochzeit. So kam es, dass zu "Still-Leben" nicht nur Türkinnen, sondern auch Deutsche „eine Braut für Marxloh" darstellten.

Marxloh war verrufen bis junge Migranten eine Marke daraus machten.
Immer wieder sind im Ruhrgebiet Schilder mit der Aufschrift „Made in Marxloh“ zu sehen, die wie eine Kreuzung aus Baustellenschild und dem deutschen Gütesiegel aussehen. Die Identifizierung mit ihrer Stadt fällt Migranten der zweiten und dritten Generation oftmals leichter, als mit einem der möglichen Länder. "Sich nur für Deutschland oder nur für das andere Heimatland zu entscheiden fühlt sich nicht vollkommen an", sagt eine der Bräute. Durch Projekte wie den Medienbunker könnte die Integration also einen neuen, zwanglosen Weg finden. Der Bochumer Dramarturg Thomas Lang sagt, der Medienbunker habe dafür gesorgt, dass Marxloh zum spannendsten Biotop des Ruhrgebiets wurde. Auf der A40 haben die 100 Bräuten für Marxloh noch mal die nötige Aufmerksam erhalten, um das zu beweisen.
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