5 Jahre jazzplayseurope

Gefeiert wurde in Brüssel: eine paneuropäische Jazz-Idee

jazzplayseurope ist ein verrücktes Experiment: Es schickt eine Anzahl Jazzmusiker, die sich nicht kennen, auf eine Tour durch mehrere europäische Länder. Mal hören, was dabei herauskommt! Die Idee ist so verwegen, dass ihr 5-jähriges Jubiläum einer kleinen Sensation gleichkommt. Zum Geburtstag trafen sich alle Mitwirkenden auf einer Bühne in Brüssel und jammten los. LABKULTUR war dabei.

Jazz ist spontan, Jazz ist flexibel? Jazz ist auch starr und dickköpfig und unbelehrbar. Unbeirrbar. Mit dem Kopf durch die Wand. Wie viel Eigensinn, wie viel Beharrlichkeit gehört dazu, einen Flohzirkus quer durch Europa zu bugsieren? Wie viele schlaflose Nächte – Nächte voller Sorge, ob alles klappt, ob die Fördergelder jemals eintreffen, aber auch Nächte voller Jazz in irgendeinem Club in good ol’ Europe, in denen an Schlaf niemand denken mag?

 

Breath taking madness

Nadin Deventer, die Initiatorin und das Gesicht von jazzwerkruhr und jazzplayseurope, kann heute auf ereignisreiche 5 Jahre zurückblicken – dieses bemerkenswerte Jubiläum against all odds ist aller Ehren wert. Klein, aber durchaus vermessen fing es im Jahr vor der Kulturhauptstadt an: Als Künstlerwerkstatt, als „laboratory“ erarbeiteten zunächst 7 viel versprechende Musiker aus 5 Ländern ein spannendes Programm im Dortmunder Jazzclub domicil. Der Wahnsinn wurde nicht geringer: Im Herbst 2011 tourten 7 Musiker aus 7 Ländern innerhalb eines Monats durch 7 EU-Länder. Das Finale, der 24 hour run, fand in Breslau statt und wurde von polnischen Medien zum wichtigsten Jazz-Ereignis des Jahres und zum breath taking event gekürt.

Ende Januar brachte jazzplayseurope alles noch einmal in seiner ganzen Schönheit unter einen Hut und an einen Ort: Unglaubliche 550 Menschen wurden im Brüsseler Kinopalast Flagey Zeuge eines Konzerts, das alle Mitwirkenden aus drei Jahren jazzplayseurope in wechselnden Formationen auf die Bühne brachte – die Musiker haben noch keinen großen, abendfüllenden Namen, und dennoch feierte das Publikum frenetisch die gemeinsame europäische Idee. Eine verrückte Idee, die ganz groß gedacht wurde und ganz hoch flog – aber nicht abstürzte, weil alle Mitwirkenden an diese Idee glaubten.

Gänsehaut und eine ernste Warnung

Das vorliegende Video entstand in Brüssel und zeigt noch einmal Gänsehautmomente aus 5 Jahren jazzplayseurope: Musiker, die sich vor der Tour fragten, ob die Mitmusiker denn wohl nett sind. Musiker, die von "Tränen in den Augen" sprechen und für die die Umsetzung der Idee "jede Minute und jeder Autobahnkilometer wert" war. Musiker, die zur Erkenntnis gelangen, dass ein Netzwerk "über Grenzen hinweg" not tut: "Wenn wir uns wie Europäer fühlen wollen, müssen wir bei der Kultur anfangen."

Das Video zeigt aber auch eine ernste Initiatorin Nadin Deventer, die warnend postuliert: "Die Hälfte der Organisationen, die jazzplayseurope ausmachen und unterstützen, ist unmittelbar und massiv in ihrer Existenz bedroht!"

 

Text: Peter Erik Hillenbach

Embed Code:

Copy and Paste this text in your HTML Code

Sa, 26.05.2012 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

14.08.2012

Branche

Aktuelle Tweets

RT @DJVde: .@ZappMM-Studie über das gesunkene Vertrauen in die #Medien: http://t.co/XqSLtvNhOr Dagegen hilft nur Aufklärung. http://t.co/W6…
"Is it okay to commit yourself to art every day?" Students of the [ID]factory and their artistic attitudes - on film: http://t.co/aUNggdGevx
Ein Jahr Kunst und Debatte im öffentlichen Raum. Der filmische Rückblick von Labkultur auf Urbane Künste Ruhr 2014: http://t.co/lEzN0lmWHk
"Creating Growth", a new study on creative economy by the EU: http://t.co/rKjZXDLyrH #kreativwirtschaft #creative_hubs #creativeindustries