vor 8 Wochen 5 Tage
95% Zustimmung
Bis auf die Schwarz/Weiß-Setzung von Kultur vs. Kulturwirtschaft lässt das ganze Interview ja permanent nur nicken bis applaudieren. Aber die Sinnhaftigkeit von Kulturwirtschaft als Ergänzung (!) eines sonst fast nur an Mäzenentum und Zuschüssen (und damit von Kommune, Staat, Politik, Sponsoren abhängigen) orientierten Kunst- und Kulturbegriffs ist natürlich nicht so einfach von der Hand zu weisen. Und ein bisschen Nachfrage- bzw. Publikums- und Produkt-Orientiertheit bedeutet ja noch lange nicht Anpassung an pure Marktlogik. Insofern sehe ich an dem Punkt auch ebenjene von Sandra Dichtl orientierte "Heimchen"-Mentalität am Werke: Erst Selbstausbeutung bis an den Rand der Schmerzgrenze der Schrebergarten-Mentalität, dann rübermachen in den vermeintlich sicheren Hafen der Subventionierungen oder halt Kunst Kunst sein lassen und doch einfach für werweißwen mal arbeiten gehen und das eigene Kulturprojekt als Hobby weiterführen - wobei dieser "Privatismus" natürlich auch durch manche (nicht nur) Kunstvereine unterstützt wird. Jetzt könnte man noch sagen, dass die auch durch die Kulturhauptstadt sozusagen in die Köpfe implementierte Grenzerweiterung des durchschnittlichen Kulturhorizontes Ruhr diese Subventionierungsabhängigkeit auch nicht gelöst, sondern bei manchen nur auf die Ebene Land, Bund oder EU verschoben hat. Oder wäre das schon Jammern auf hohem Niveau? Dank an C.C., Nachdenken anschiebender Beitrag!
vor 17 Wochen 15 Stunden
Prima.
Wiederauftauchen eines Kern- und Dauer-Themas. Ein gut ausgewogenes Interview, finde ich, das u.a. noch einmal deutlich macht, dass das Potenzial zur Eigenständigkeit eher weiter geweckt werden muss - wie im erweiterten Begriff von "Emanzipation" - anstatt zu sehr einer Re-Industrialisierung und den damit verbundenen Abhängigkeitsverhältnissen das Wort zu reden - wie es gerne auch mal vom Schreibtisch mancher Feuilletonisten aus passiert. Dass genau auf amerikanisches "Helfen" und nicht auf etwas wie "Grundsicherung" verwiesen wird, finde ich bemerkenswert. Dass auch Horst Opaschewski nicht explizit etwas zu den m.E. immer noch zu weit verbreiteten "Ganz oder gar nicht"-Arbeitszeitmodellen sagt, finde ich verständlich. Das Problem einer einseitig auf Konsum und die Arbeit dafür ausgerichteten Wachstumsgesellschaft ist aber noch lange nicht gelöst, nur weil jetzt etwas mehr "Informations- und Dienstleistungsgesellschaft" ist. So lange der Staat zu sehr Arbeitergeber und -nehmer belohnt, in deren Verhältnis die Selbständigkeit täglich an der Stechuhr abgegeben wird und die Lohnsteuerkarte identisch mit z.B. Versicherungsschutz ist, kommt man keinen entscheidenden Schritt weiter. Dennoch scheint auch mir wichtig, Selbständigkeit zu fördern, schon früh und auch gegen aktuelle bzw. spät-industrialistische Humankapital-Bedürfnisse, und halt ebenso Solidarität. Das ist durch bürokratische Strukturen nicht zu ersetzen, nie. Wie gesagt: Freut mich, versöhnlicher und positiver Abschluss des Symposiums als LAB-Thema.
vor 17 Wochen 5 Tage
themen überhaupt
erst einmal nervt mich eher, dass an der ruhr so viele über diese lokalzeitung reden/schreiben/lesen und nicht über das, was und warum es in mali und umgebung passiert. insofern ist mir die wr zunächst so schnuppe als wenn in bochum ein opelwerk umfällt: ein leichter anfall von nostalgie, aber die zukunft könnte ja besser sein. dann aber: es wird nicht nur "schneller und oberflächlicher gelesen", sondern alle lesen und gucken immer mehr trash, witzchen via social media, "guckt mal was ich gekauft habe"-reality tv individueller ADS-sender, "ist das bild von meiner katze nicht schön?"-eskapismus-heimatfilmersatz-berückungen. und das tun die leute nicht weil zeitungen spezialprobleme haben, sondern weil sie so auf die welt und die eigenen technologischen möglichkeiten reagieren. wenn die, die überhaupt lesen und nicht nur liken, sich mit detaildiskussionen über die probleme von springer und waz unterhalten, dann wird die welt (s.o.) auch nicht besser., finde ich.
vor 24 Wochen 4 Tage
Teppichfransen
Jau, alles richtig. :) Ich hab natürlich nur DCBs Rede an genannter anderer Stelle gehört und störe mich sehr daran, dass klügere und bedachtere Leute eben nicht auf den Podien sitzen, sondern dass alles immer so Talkshow-Gesetzen folgt, incl. Produktpräsentation und als würde gleich noch ne Telefonnummer eingeblendet und Prozente. Na, und für das Genre ist der Typ dann wohl doch richtig, die anderen Beteiligten machen sich aber etwas gemein damit. - Das "Teile und herrsche"-Prinzip allerdings, nach dem Separatisten immer den Vorherrschenden nutzen - es sei denn z.B. die Freistaaten in D machten mal Ernst - ist m.E. aber auch EU-intern nicht zu unterschätzen. Aber das ist ja schon fast wieder Gesellschaftspolitik....
vor 24 Wochen 5 Tage
Wenn's mir zu etatistisch wird,...
... dann ist in Bezug auf Europa oft DCB in der Nähe. M.E. besetzt der vor allem gerne das Thema (in seiner Selbstwahrnehmung). Ich werfe aber der Medienmacht des Herren hier noch einen weiteren Artikel wattebauschmäßig entgegen, weil ich die Positionen DCBs für recht verachtenswert halte - den "Weg mit dem Nationalstaat" hab ich auch auf Papier verwahrt: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/staatenbund-oder-bundesstaat-heiliges-roemisches-europa-11957028.html Da hab ich bei der Lektüre erstmal geschluckt, und das ist sicher auch vom Autor beabsichtigt, dass sich da die Augen weiten. Aber dann dachte ich: Moment, das beschreibt eher einen Ist-Zustand und meint, dass der gar nicht so schlecht ist in vielerlei Hinsicht. (Die zu diskutieren wären.) Wenn aber DCB in einer Phase, in der Deutschland wie noch nie als Hegemon in Europa dasteht, auch noch mehr Zentralismus fordert, dann ist er m.E. nicht nur "ehemals links", sondern rechtspopulistisch. Ich sag mal: Ich hätte dem kein Podium gegeben, in Essen nicht und vor einiger Zeit bei dem Soziologenkongress in Bochum auch nicht. Solchen Typen diskursiv auf europäischer Ebene mehr entgegenzusetzen ist wichtiger für diese etwas größere Halbinsel hier als jeder einzelne seiner von Schleim triefenden Vorschläge.
vor 31 Wochen 5 Tage
... und ich moppa den Autoren
... und ich moppa den Autoren an... Beim Titel "Übersteigerte Realität" hätte ich aber auch wachsamer sein müssen. ;)
vor 31 Wochen 5 Tage
Gebetsteppich ist ausgerollt
Hallo! ich las auf dem Profil gerade "Bochum Landes-Frauen-Klinik" als Geburtsort, insofern... Und mir geht es auch nicht um irgendwelche ruhrgebietsinternen Städtevergleiche, bewahre! Aber::: "Mekka"? In welchem Vergleichsrahmen? Hoffentlich ist die Hype-Maschine gut geölt und die Crew hat ihre Magnetsohlen an... Ist das untere Foto aus Bochum? Beatlesfan-artige Hysterie komme ich gerne mal gucken. Dass es sowas noch gibt! (Muss aber leider morgen in Mülheim Platten verkaufen.)
vor 32 Wochen 2 Tage
"Geringqualifizierte" als Zukunft der Region?
Die WAZ zumindest propagiert schonmal "mehr Jobs für Geringqualifizierte": http://www.derwesten.de/staedte/essen/stadt-essen-braucht-mehr-jobs-fuer-geringqualifizierte-id7170619.html
vor 35 Wochen 1 Tag
Update / Blick nach Frankreich
Da sich ja nicht nur die Frage stellt, was nach der nächsten Bundestagswahl mit der von Teilen der SPD angedachten Rentenversicherungspflicht für Selbständige wird, sondern auch wie es die neue Regierung in Frankreich mit ähnlichen Themen hält, hier etwas dazu (speziell im letzten Absatz): http://taz.de/Kulturpolitik-Frankreich/!101819/ Sarkozys Paläste sind also nicht mehr unsichtbare Zukunft, sondern eingestürzte Luftschlösser. Aber die Kreativschaffenden bleiben unterstützt wie im Artikel einmal mehr beschrieben. Wie wär's mal mit nem Interview mit Aurélie Filippetti? :)
vor 38 Wochen 1 Tag
Luft
Ich finde nicht, dass durch den Satz von Damian (den Nachnamen weiß ich nicht) "die Luft herausgenommen wird". Im Gegenteil. Selbst bei der ärgsten Vorführung z.B. bei Reality TV sind doch das Umfeld und die Beteiligten selbst immer irgendwie stolz. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, könnte man meinen, gerade einer Mutter.
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