jazzwerkruhr - Ein one-woman-Betrieb gegen Strukturdefizite

Prof. Peter Herborn
Prof. Peter Herborn
Die größte aller Klagen, die über den Jazz im Ruhrgebiet geführt werden (auf Platz 2 rangiert die nicht ausreichende materielle Unterstützung durch die Kommunen), ist die über die mangelnde Vernetzung der Szene. Fast ein jeder, der im Jazzatlas sich äußert, tut das in diesem Sinne.

Von Prof. Peter Herborn, dem Leiter des Jazzlehrgangs an der Folkwang Hoschule für Musik in Essen, bis zum eindeutigen „Marktführer“ auf dem Sektor der kontinuierlichen Jazzangebote, Waldo Riedl vom Domicil Dortmund. Oder hören wir Dr. Robert von Zahn vom Landesmusikrat NRW in Düsseldorf, der skeptisch ist, „ob die Organisationsbildung der Jazzmusiker als Gesprächspartner für Land und Kommunen nach 2010 gelingen kann“ und nichts weniger als einen „Mentalitätswandel“ für nötig hält.

 

jazzwerkruhr: one-woman-Betrieb gegen Strukturdefizite

Nadine Deventer
Nadine Deventer
Dabei existiert eine Organisation seit 2002, die genau dies im Schilde führt, nämlich „durch die regionale Vernetzung sollen regionalspezifische Strukturdefizite bearbeitet, bereits vorhandene Strukturen gestärkt und kreative Potentiale für die Region nachhaltig gesichert werden“, wie es in einem ihrer Papiere heisst.
Mag sein, dass diese Art Gremiensprache nicht überall durchdringt. Zudem ist diese Organisation klein, im Grunde ein one-woman-Betrieb (Nadin Deventer, seit Januar 2007), ganz sicher wird sie die Herkules-Aufgabe mit der vorhandenen Ausstattung nicht stemmen. Freilich kann man nicht behaupten, dass sie nicht gehört würde, in Dortmund, Bochum, Hagen, Gelsenkirchen und Essen sitzen Kooperationspartner. Das Kulturbüro der Uni Bochum, BoSKop, hat ihr 2008 einen Stand auf der Plattform des deutschen Jazz spendiert, auf der jazzahead in Bremen.


Die Arbeit besser machen, als die Vorgänger

Banner jazzwerkruhr
Banner jazzwerkruhr


Die Rede ist vom jazzwerkruhr, gegründet 2002 in direkter Nachfolge zu der vom Land NRW unterstützten Reihe „swingbeats - Jazz Podium Ruhr 1999/2000“. Der damaligen Förderung nach dem „Gießkannenprinzip“, „von Moers bis Hamm“, kann Michael Batt im nachhinein wenig Nachhaltiges abgewinnen. jazzwerkruhr kommt nur auf einen Bruchteil des damaligen Etats, nämlich knapp 40.000 Euro (2008), die im wesentlichen vom Land NRW und am Rande von den Städten Essen und Dortmund stammen; wovon auch noch das äußerst bescheidene Jahressalär von Nadin Deventer bestritten wird, die für „Projektentwicklung, Organisation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ verantwortlich zeichnet und ihr Büro in den Räumen des Domicil in Dortmund hat.

domicil in dortmund - Foto: Kurt Rade
domicil in dortmund - Foto: Kurt Rade

Die Intentionen von jazzwerkruhr streben also nicht mehr in die Fläche, sondern auf einen bestimmten Personenkreis, auf die Jazzmusiker; der Schwerpunkt liegt auf der „Qualifizierung“ sowie auf der „öffentlichen Präsentation des künstlerischen Potentials...der Region.“ jazzwerkruhr hatte eingangs zwei Trägervereine, nämlich die Jazzmusiker-Organisationen aus Essen (JOE) und Dortmund (pro Jazz e.V.), 2007 hat sich in dieser Funktion BoSKop aus Bochum angeschlossen.


Förderangebote des jazzwerkruhr

Die Künstlerische Leitung obliegt einem 10köpfigen Kuratorium, dem neben Kulturfunktionären auch Musiker angehören, und dessen Zusammensetzung zumindest in dieser Hinsicht mehr von Selbsthilfe als von unabhängiger Jury-Arbeit zu sprechen scheint. Dieses Gremium entscheidet über die Auswahl aus einer jährlichen, öffentlichen Ausschreibung, zu deren Prämien - in der Tat sehr bescheidene - Zuschüsse zu CD-Produktionen zählen. jazzwerkruhr übernimmt anschließend an zwei von fünf Orten die Produktionskosten der entsprechenden Präsentationskonzerte für die ausgewählten Ensembles. Den drei Gewinnern ist somit etwas vergönnt, was es nur in diesem Rahmen gibt: eine kleine Tournee durchs Ruhrgebiet; sie treten in Dortmund, Essen, Bochum, Hagen und Gelsenkirchen auf, sowie im Dezember 2009 erstmals in der Philharmonie Essen, ein nicht unbeträchtlicher Imagegewinn.

Essener Philharmonie Ansicht innen - Foto: Frank Vinken/TuP
Essener Philharmonie Ansicht innen - Foto: Frank Vinken/TuP

europaweite Vernetzung mit jazzplayseurope

Inzwischen spielt jazzwerkruhr auch die europäische Karte; es entstanden Kontakte zu Jazzmusikerorganisationen in Holland, Belgien, Frankreich, Polen und Österreich. Eine vorbereitende Konferenz im Dezember 2007 gipfelte in einem Konzert des französischen Jazzstars Nguyen Le mit Teilnehmern aus einem Workshop in Essen und Dortmund.
Dank einer Anschubfinanzierung durch Ruhr 2010 hat sich unter dem Motto www.jazzplayseurope.eu inzwischen ein regelrechter Austausch daraus entwickelt, in Form von Konzerten in Dortmund, Brüssel, Wroclaw und Amsterdam. Die einladenden Initiativen übernehmen die (höchst überschaubare) Gagen, die entsendenden Initiativen zahlen die Reisekosten. Im Oktober 2009 wird sich die Vernetzung auf einen Punkt konzentrieren; dann bilden zwölf Musiker ein gemeinsames Ensemble in Dortmund, delegiert von den sechs beteiligten Musiker-Organisationen.

 

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Michael Rüsenberg - Foto: Kurt Rade
Michael Rüsenberg - Foto: Kurt Rade

Autor des Jazzatlas Ruhr ist Michael Rüsenberg, der   seinen WDR-3-Report über Jazzstädte in NRW in der betreffenden Region wesentlich vertieft und erweitert hat. In über 20 Beiträgen  - lokal, regional, überregional - fächert er die Landschaft auf, mit über zwei Dutzend Gesprächspartnern, die in diesem Multi-Media-Projekt ausführlich zu hören sind.




Foto Nachweis: Kurt Rade ( www.kurt-rade.de), Ruhr Tourismus GmbH, Klaus Lindemann, Markus van Offern, Frank Vinken, Stefan Grohmann, Josip Djakovic, Benjamin Lütkemeyer, Isabel Dreesbach, Konstantin Kern, Georg Schreiber, Tourismus & Marketing Oberhausen GmbH, Messe Essen GmbH, Michael Heine, Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Daniel Junker, Marc Hartstein, Zentrum für Internationale Lichtkuns e.V. Unna, Werner J. Hannappel


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Mi, 08.12.2010 0

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17.02.2010

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