(c) Max Braun Flickr

Warum Kollaboration?

Weil sie zur neuen Grundbedingung von Innovationsökologien avanciert

Teilen erscheint in Zeiten der wirtschaftlichen Krise, knapper Ressourcen, der verkürzten Halbwertzeit von Wissen sowie der Unklarheit über den nächsten Trend auf den ersten Blick nicht angesagt. Wer gibt schon gerne ab, wenn er Sorge trägt, wie das Defizit wieder aufzufüllen sein könnte?

Die gegenwärtige Krise in Europa gibt Anlass, vertraut gewordene Maximen ökonomischen und sozialen Handelns zu überdenken. Gerade wenn Gewinnmaximierung fraglich wird, Exklusivität von Wissen und Information keinen Wettbewerbsvorteil mehr verschafft, wenn die Komplexität von ökologischen und gesellschaftlichen Problemen nicht mehr mit Hilfe selektiver und technokratischer Expertenlösungen bewerkstelligt werden kann, dann macht Kollaboration Sinn!

 

Die Popkultur hat uns das Teilen vorgemacht

Ob im Bezug auf die Wohnung, den Arbeitsort, das eigene Fachwissen oder Auto, nahezu alle Lebensbereiche erreicht der Trend zum Tauschen. Diese konkreten Praxisformen nicht nur reformbereiter Hipster haben wenig mit neuromantischen Visionen zu tun. Sie sind konkrete Exit-Optionen nach der schattigen Ära des Neoliberalismus. Die Kulturtechniken des Sharings umfassen weite Bereiche von Gütern, Räumen, Prozessen, (Arbeit-)Technologien und Infrastrukturen. Sie aktualisieren und transformieren alte Vorstellungen vom ewigen Besitz, dauerhaft gültigen Technologien und hochpreisigen Investitionen in Räume, Geräte und andere für Arbeitsprozesse wichtige Ressourcen. Als Kulturtechnik des Pop ist das Teilen von musikalischen, textlichen und sprachlichen Artefakten genuin für einen großen Teil unserer gegenwärtigen Kultur verantwortlich. Blickt man zurück, so sind diese sozialen Innovationen, Praktiken des Teilens und Tauschens also und das damit verbundene Neuerfindungen von Kultur immer auch Reaktion auf globale Krisen. Als Reaktion auf die Moderne der 1910er und 1920er Jahre bildeten sich Reformbewegungen: von naturverbundenen Wandergruppen bis hin zu künstlerisch und gestaltenden Experimentiergruppen abseits der unübersichtlichen Großstadt. In den 1960er und 1970er Jahren formierten sich Community-Bewegungen gegen ökologische und politische Krisen und bildeten den argumentativen Boden für die Ökologiebewegung der 1980er Jahre aus.

 

Teilen macht monetär Sinn, das haben die alten Kader noch nicht kapiert

Nun ist es wiederum mehrheitlich eine jüngere Generation in technik- und kreativaffinen Milieus, die sich aufmacht, eine Machbarkeitsbehauptung zu betreiben: dass Teilen nicht nur das Gute und Schöne bedient, ehrenwert und moralisch erhebend ist, sondern dass es monetär Sinn macht, sozialen Mehrwert bietet und darüber hinaus auch noch gesellschaftlich en vogue ist. 

Während die alten Kader der etablierten Funktionssysteme Bankenwelt, Politik und Großhandel um Steuersätze, Schuldentilgung und Kreditrettungsschirme feilschen, hat sich eine wachsende „sharing community“  auf den Weg gemacht, den Besitzstandswahrern ein alternatives Modell vorzuführen.

 

Mein Auto ist dein Auto ist unser Auto

Diese innovativen Kollaborationsformen finden nicht nur in bekannten Bereichen von Ökologie, Ernährung oder Softwareentwicklung und sogar der Automobilität statt. Bei Local Motors aus Detroit arbeitet eine virtuelle Gruppe an Autoentwicklungen, welche durch crowdfounding zu realen Fahrzeugen werden. Man kollaboriert beim Prototyping von zukunftsfähigen Autos und teilt das Wissen im Zuge der Bewertung anderer Ideen. Auf Tamyca teilen die User ganz konkret ihre eigenen Autos in der direkten Nachbarschaft. Insgesamt wächst die Gruppe von Menschen, die lieber Autos teilen als sie zu besitzen, sodass auch BMW und Daimler mit car2go und drivenow darauf setzen, ihre Modelle nicht nur zum Kauf, sondern auch zur flexiblen Miete anzubieten.

Kollaboration avanciert zu einer Grundbedingung von Innovationsökologien. Teilen als Ausdruck selbstbestimmter gesellschaftlicher Praxis bedroht nicht die erworbenen Wissen, Güter und Infrastrukturen, es optimiert sie und schafft soziale Mehrwerte zwischen Menschen mit ähnlichen Zielen und Einstellungen. In diesen Communities wird relativ unideologisch und praxisnah nach alternativen Formen der Wissensproduktion gesucht. Die Suche nach Lösungswegen aus der gegenwärtigen Krise ist also schon in vollem Gange. Bleibt eigentlich nur zu fragen: Was hält uns überhaupt noch auf dem alten Weg?

 


Foto (Teaser): Max Braun (Flickr)

Foto (im Text 1): mikecogh (Flickr)
 
Foto (im Text 2):  Daniel Seiffert, Betahaus
 
 
Autoren: Prof. Dr. Bastian Lange und Dipl.-Soz. Malte Bergmann (www.Multiplicities.de Berlin)
Fri, 24.02.2012 0

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09.02.2012

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Metropole Ruhr
These days, more than 5 million inhabitants do experience the transformation of their post- industrial Ruhr area in the western part of Germany to an exciting European „place to be“, a budding metropolis in a post-Capital of Culture 2010 identification process with its industrial culture as part of a collective memory being a characteristic feature – and an orchestrated mass event.

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