Die Indikatoren von Istanbul

Perşembe Pazarı - ein Viertel mit Geschichte

“Es ist keine Überraschung, dass Künstler – die immer verlässliche Indikatoren dafür sind, wenn es darum geht, dass ein Viertel anfängt, sich zu verändern den Vorstoß anführen.“ Das ist ein Zitat aus einem aktuelleren kurzen Stück des Videojournalisten Gabriel Leigh über die Gentrifizierung des Gewerbeviertels Karaköy in Istanbul. Die in Istanbul lebende LAB-Autorin und Künstlerin Anne Weshinskey, eine US-amerikanische Artistin, kommentiert die Situation aus ihrer Sicht.

In dem Stück beschreibt Leigh das Künstlerareal Caravansarai als “eine Wohnung und Studios, in denen zirkusartige Performance-Stunden gegeben werden.” Abgesehen von der Tatsache, dass das semantisch keinen Sinn ergibt, stimmt die Aussage nicht. Caravansarai ist eine kreative Produktionsstätte und ein Treffpunkt, wo zwei Kollektive ihren Platz gefunden haben. Und um dem Gentrifizierungsargument noch etwas hinzuzufügen – wir sind auch noch Ausländer.

 

Das Viertel hat sich sehr verändert

Man sollte uns nicht mit den Kräften verwechseln, die verantwortlich für eine Gentrifizierung sind (Firmen, die Regierung) wir sind nur die unglückseligen Indikatoren. Ich sage ‘wir’, weil ich die eine Hälfte der Caravansarai darstelle. Wir sind vor zwei Jahren in die Perşembe Pazarı-Gegend von Karaköy gezogen – nach einer langen Zeit der Schwärmerei für diesen Teil der Stadt. Karaköy war voller Stahlseile, Rohre, Winsche, Geräte und Gummistoppern und hatte mich fasziniert, seit ich das erste Mal vor neun Jahren dort umher geschlendert war. Damals war ich ein Drahtseil-Artist, und die Leichtigkeit, mit der ich dort Materialien finden konnte, mit denen man einen ganzen Zirkus errichten konnte, versetzte mich in Erregung. Seit 30 Jahren oder länger hatte das Viertel so existiert, aber jetzt ist davon nicht mehr viel übrig.

 

 

Passing Patterns of Perşembe Pazarı

Als einen Tribut und ein anerkennendes Nicken an die sich verändernde Gegend haben wir begonnen, sie auf unkonventionelle Art zu dokumentieren: Als wir einzogen, luden wir Künstler dazu ein, die mehr als 1000 Jahre alte Geschichte dieses Hafenviertels als Inspirationsquelle zu nehmen und Werke zu schaffen, die Teil des Geländes werden sollten. Meine Partnerin Julie Upmeyer konzentrierte sich mit ihrer persönlichen visuellen Arbeit auf die Beschilderung von Perşembe Pazarı. Und jetzt fügen wir, getreu unserer Gedenkmission, noch ein Choreographieprojekt hinzu, das ein Schlaglicht auf die bereits existierende Bewegung von Menschen, Gütern und Fahrzeugen in der Gegend werfen wird – die sich verändernden Muster von Perşembe Pazarı (Passing Patterns of Perşembe Pazarı PPPP).

Wir lieben Karaköy und Perşembe Pazarı noch immer, fühlen uns aber winzig im Vergleich zu den größeren kulturellen Institutionen, die rund um uns herum eröffnet werden: SALT Galata, finanziert von, nun ja, einer Bank, hat üppige Mittel, um jedwedes Projekt, dass ihnen in den Sinn kommt, auszuführen, während wir darum kämpfen, unsere Unabhängigkeit als Künstler zu bewahren und gleichzeitig unsere Projekte finanziert zu bekommen.

 

Große Institutionen sind die tatsächlichen Gentrifizierer von Karaköy

PPPP hat keine finanzielle Unterstützung außer dem, was wir von anderen Leuten bekommen, die das Viertel, unsere Ideen oder Istanbul generell interessant finden. Besonders jene unterstützen uns, die die Arbeit von individuellen Künstlern und Menschen aufrecht erhalten wollen im Gegensatz zu großen Institutionen, die die wirklichen Gentrifizierer von Karaköy sind.

The Passing Patterns of Perşembe Pazarı kann auf Kickstarter.com angeschaut werden – man kann das Projekt entweder finanziell oder ideell durch entsprechende positive Erwähnung in Social-Media-Posts unterstützen.

Mon, 26.12.2011 0

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08.03.2011

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Istanbul
Bridge between Europe and Asia, cosmopolitan frontier post between the two worlds, integrative cultural melting pot: „No other city on this planet is more inspiring than Istanbul“, the parties responsible for the twin capital of culture of Ruhr2010 claim confidently. Who wants to contradict that verdict?

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