been out Vol.1 - Interview mit Katinka Theis

OUTSIDE THE REAL or trap the architecture

Über 200 Künstler bewarben sich beim "been out, vol. 1" Wettbewerb. Eine der Teilnehmerinnen ist Katinka Theis  mit ihrer Arbeit "OUTSIDE THE REAL or trap the architecture". 2010LAB Autor Marc Neumeister befragte die studierte Bildhauerin und Raumstrategin aus Freiburg zum Thema Kunst. Die sechs Gewinner präsentieren ihre Arbeiten gerade in der Ausstellung der Ständigen Vertretung vom 3. - 10. Dezember in Dortmund.

 

Was ist für Sie Kunst bzw. was ist keine Kunst?

Kunst ist ein autonomes Wesen, dass zum Gegenstand der Reflexion jeglicher an Funktion gebundener gesellschaftlicher Prozesse werden kann. Es fungiert Unabhängig aber nicht Verbindungslos und macht dadurch immer einen Ablauf von Entwicklungen deutlich. Mit der Unabhängigkeit meine ich die Freiheit, welche der künstlerischen Arbeit zugrunde liegt, und der subjektiven Handlung eine objektive Fragestellung gegenüberstellt. Denn die Frage nach der Freiheit stellt sich immer in Relation zu etwas.

 

Damit bin ich bei der Verbindung zu etwas. Ob es innerlich oder Äußerlich ist spielt dabei keine Rolle. Es findet eine Dialektik zwischen etwas Subjektivem und Objektivem statt, ebenso wie zwischen individuellen und kollektiven Entwicklungsprozessen. Dabei kann etwas Neues entstehen.

 

Welche Rolle spielt Kunst in unserer Gesellschaft?

Ich denke das Kunst eine große Rolle in unserer Gesellschaft spielt, denn ohne zweckgebunden Handlungen gäbe es nur wenig Spielraum für Neues. Zudem ist die Kunst ein Spiegel für den jeweiligen Zustand gesellschaftlicher Freiheit. Sie macht Verhältnisse sichtbar. Innerhalb des Werkes ebenso wie durch das Verhältnis des Werkes zu seiner Außenwelt. Durch eine bewusste Positionierung zu bestimmten Themen wie auch durch die Negierung einer bestimmten Zuordnung. Dabei wird ein Bild der Gesellschaft sichtbar und auch kommunizierbar gemacht.

 

Wird der Künstler heutzutage mehr als Beruf akzeptiert als vor fünf Jahren?

Das ist in einem so kurzen Zeitabschnitt schwer zu sagen. Ich denke, das es bei der Akzeptanz des Künstlers als Beruf vor allem darum geht, ob die Menschen es als notwendig empfinden, das an Stellen im gesellschaftlichen Gefüge gearbeitet wird, die vielleicht erst mal nicht sichtbar sind, und sich nicht unmittelbar nach materiellen Werten richten, aber existenziell wichtig für die  Weiterentwicklung der Gesamtheit sind. Dieses Bewusstsein bildet sich sicher auch aus der Denk- und Handlungsweise jedes Einzelnen, der nicht die Kunst zu seinem Beruf gemacht hat.

 

Ist digital art als Avantgarde Art akzeptiert?

Die Arbeit mit den neuen Medien hat in der bildenden Kunst der 90er Jahre sicherlich die Kraft gehabt, die avantgardistische Betrachtungsweise wieder hervor zu holen. Inzwischen hat sich doch wieder das Nebeneinander der künstlerischen Medien eingestellt. Als Avantgarde würde ich am ehesten die Brücken zwischen den Disziplinen betrachten. Mich selbst interessiert an der digital art am meisten die Brücke zum Körper, der sich neben aller virtuellen Realität nach wie vor mit den physischen Gesetzmäßigkeiten auseinander setzen muss. In meiner Arbeit „OUTSIDE THE REAL or the trap of architecture “ versuche ich mittels einer Videoprojektion von Raubtieren in ihren Käfigen einen Zustand sichtbar zu machen, der die Gefangenschaft in unseren Körpern zeigt, wenn die räumlichen Lebensverhältnisse nicht unseren physischen Lebensbedürfnissen entspricht. Diese Arbeit basiert auf der Frage, wie architektonische Räume auf unseren Körper wirken und unsere Verhaltensweise beeinflussen.

 

Warum haben Sie bei „been out, vol 1.“ mitgemacht?

Es hat mich angesprochen, dass „been out, vol 1“ einen aktuellen Blick auf den öffentlichen Raum wirft, und dabei das Verhältnis vom virtuellen und physischen Räumen hinterfragt. Wie sich die Wahrnehmung durch die Informationen globalen Geschehens auf unser Verhalten im Hier und Jetzt auswirkt, und wie mit der Kunst in öffentlichen Räumen wieder Orte der Begegnung geschaffen werden können.

 

 

 

Katinka Theis Beitrag "OUTSIDE THE REAL or trap the architecture"

Weitere Einreichungen in unserer Galerie "been out, vol. 1"

 

 

Thu, 08.12.2011 0

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03.05.2011

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Metropole Ruhr
These days, more than 5 million inhabitants do experience the transformation of their post- industrial Ruhr area in the western part of Germany to an exciting European „place to be“, a budding metropolis in a post-Capital of Culture 2010 identification process with its industrial culture as part of a collective memory being a characteristic feature – and an orchestrated mass event.

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