
Teppichdesigner Jan Kath
Umgedrehte Globalisierung
Der Bochumer Teppich-Designer Jan Kath trifft derzeit den richtigen Farbton: Die vielfach ausgezeichneten Unikate werden von Prominenten wie Bruce Willis oder Anthony Kiedis ebenso geschätzt wie von renommierten Innenarchitekten oder der Fachpresse. In Berlin hat Kath nun seinen Flagshipstore eröffnet.

Sicherlich hat Jan Kath schon davon gehört, dass es sinnlos sei, Holz in den Wald zu tragen. Genauso gut könne man Fahrräder nach China exportieren, weiß der Volksmund. Sogar in Russland spricht man von einem besonders umständlichen Unterfangen, wenn man mit einem Samowar in die Stadt Tula fährt. Dass nun Teppiche den Weg vom Ruhrgebiet in den Orient gehen erscheint ähnlich absurd. Was muss also dran sein an diesem Kath, dass diese Transaktion bei ihm funktioniert?
Zum einen sind seine Entwürfe einzigartig. Einmal im Jahr schließt sich Kath mit einem Designer-Kollegen in einem Berliner Hotel ein und entwirft die Muster für die Jahreskollektion. Inspiriert von Computerspiel-Ästhetik, Industriearchitektur, den Strukturen elektronischer Musik und traditionellen Mustern entsteht Neues. Wie ein Remixer dekonstruiert Kath die Hits und Stilmittel vergangener Teppichmoden, um sie neu zusammenzusetzen. So entstehen schwarz-weiße Perser, minimalistische Sarimuster und mysteriös wirkende Used-Looks. Seine Materialien wie Wolle, Nessel und Seide sind hochgradig organisch, doch ohne die Freudlosigkeit, die vielen Öko-Produkten anhaften.

Kaths (Wand-)Teppiche hängen und liegen in den Häusern solch illustrer Zeitgenossen wie Bruce Willis, Anthony Kiedis, der arabischen Königsfamilie, in Rupert Murdochs New Yorker Penthouse, den Privatsuiten des Four Seasons in Kairo und den Showrooms großer Modelabel in Paris. Dass auch einige Bösewichte unter seinen Kunden sind, spricht nicht gegen die Teppiche – aber wahrscheinlich würde Kath seine Kundenkartei nach den jüngsten Ereignissen ein wenig frisieren.
Doch auch ökonomisch ist Kath ein Innovator: Als erster westlicher Unternehmer exportiert er Teppiche in den Nahen Osten. Damit dreht Kath die Vorzeichen der gängigen globalen Handelsströme um – ein Coup, der eine Vorgeschichte besitzt: Als Sohn eines Teppichhändlers erhielt der Bochumer schon früh ein Gespür für die sensiblen Geschäfte zwischen Ost und West, Dritter und Erster Welt und Produzenten und Vermarktung. Aus dieser Erfahrung weiß er auch: Die Produktion der Teppiche muss von den besten Fair-Trade-Knüpfern in Marokko, Thailand und Nepal übernommen werden.
Neben seinem 1000-qm-großen Bochumer Showroom hat Kath nun seinen ersten Flagshipstore in Berlin eröffnet.
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