
"Etwas eigenes dagegenhalten" - Interview mit Ruben Jonas Schnell (ByteFM), Teil II
- Series: INTERVIEWS, ByteFM

Nach dem Kulturhauptstadtjahr seid Ihr nun wieder zurück in Hamburg und sendet aus dem Medienbunker an der Feldstraße (großes Foto). Wie hat sich die Außenwahrnehmung des Ruhrgebiets geändert? Ist es jetzt mehr "Metropole"?
Ruben Jonas Schnell: Ich glaube, dass die Vergleicherei grundsätzlich ein Griff ins Klo ist. Irgendwo habe ich mal im Zusammenhang mit der „Metropole Ruhr“ ein Bild von Manhattan gesehen, wo es in etwa hieß: „Wir haben mehr Leute als Manhattan.“ Das ist der falsche Ansatz, denn man kann natürlich nicht mit Manhattan konkurrieren wollen. Das muss ja auch gar nicht sein – Manhattan und Berlin gibt es doch schon. Das Ruhrgebiet ist eine Region, die ein eigenes Gesicht hat. Ich nehme das auch nicht als City wahr und insofern finde ich „Ruhrgebiet“ als Begriff viel besser als „Metropole Ruhr“.
Mit der Identitätsfindung tut man sich derzeit schwer im Ruhrgebiet …

Hat das Kulturhauptstadtjahr zu dieser Identitätsfindung etwas beigetragen?
Es war – und ist hoffentlich noch – eine Chance, etwas eigenes zu etablieren. Dafür wäre ByteFM ein idealer Player, der die Ruhrgebiets-Städte und das Land vernetzt. Das können wir aber wie gesagt nicht alleine, da müsste man auf uns zukommen. Es könnte aber auch ein anderer Player sein, der in mehreren Regionen agiert und sie vernetzt.
Du lebst schon lange in einer kulturellen Großstadt. Was ist Deiner Meinung nach notwendig, damit sich eine Stadt zu einem attraktiven Ort für junge, engagierte Leute entwickelt?
Die Stadt Hamburg hat selbst das Problem, dass Berlin einfach übermächtig erscheint. Ich glaube, der wirklich wichtige Weg ist die Unterstützung und das Laissez-faire gegenüber der Subkultur. Je aktiver und agiler die wirkliche Undergroundszene ist, desto attraktiver ist die Stadt für kulturell ambitionierte junge Leute. Wenn es etwa einen guten Technoclub gibt, wie damals die Rote Liebe in Essen, dann ist das überregional interessant. Das zieht ein bestimmtes Klientel, wie es auch etwa beim Berghain in Berlin der Fall ist. Aber das muss glaubwürdig sein.
Wie kann man so eine Entwicklung fördern?

Wie ist Deine Prognose für's Ruhrgebiet?
Da gibt es Hoffnung. Das ist auch eine Generationsfrage: Mittlerweile werden viele Behörden von Leuten zwischen 30 und 40 geleitet, die – hoffentlich – auch schon mal mit Punk in Berührung gekommen sind. Die haben eher ein Gespür für solche Entwicklungen.
Die Kohleregion wird aber nicht als identitätsstiftendes Merkmal wahrgenommen, sondern man versucht krampfhaft, etwas anderes, neues zu sein …
Dabei findet man von außen gerade das total sexy. Das ist etwas eigenes, das ist geil. Diese Arbeitermentalität gibt es eigentlich nicht mehr, aber die Kultur ist toll, das müsste man vor sich hertragen und mit der Kultur von heute verbinden. Wer nach Berlin will, geht sowieso dorthin – wenn man als Region bestehen will, muss man etwas eigenes dagegenhalten.
Foto Aufmacher + 1: ByteFM
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