
Prallgefüllte Waffenkammer: Freiraum2010-Ausstellung ist eröffnet und wird verlängert
- Series: Kunst
„Für die anstehenden Krisen sollten wir uns mit Kunst bewaffnen“ lautet ein Schlachtruf der Essener Künstlergruppe Freiraum2010. Wer am Samstag deren Vernissage in der ehemaligen Lukaskirche besuchte, stieß denn auch sogleich auf eine prallgefüllte Waffenkammer.
Mehr als 50 freie Künstler präsentierten erstmals öffentlich ihr riesiges Arsenal an Malerei, Skulpturentechnik bis hin zu experimentellen Klangbauten. Kleinster gemeinsamer Nenner in den vormals „heiligen" Hallen ist keine Epoche, keine Schule, kein Konzept, sondern Freundschaft und Sympathie, wie Joscha Hendricksen (Foto) bei seiner Eröffnungsrede festhielt und von einer „neuen gesellschaftlichen Wirklichkeit“ sprach.
Das mag mitunter kitschig und träumerisch klingen, ist es tendenziell wohl auch, aber für einen kurzen Zeitraum haben engagierte Menschen einen Ort zur Entfaltung gefunden und ihn für sich bestmöglich nutzbar gemacht. Ohne Budget, ohne Heizung, ohne Zukunft, doch ausgestattet mit einer gehörigen Portion Aktivismus.
Den spürt der Besucher, wenn er durch die Räume strömt. Es sind nicht einzelne Objekte, die begeistern, sondern das große Ganze. Dem persönlichen Maßstab des „Das würde ich mir in meiner Wohnung aufhängen/ausstellen wollen“ werden nur wenige Werke gerecht, doch wenn jemand irgendwo ein Bett hinein stellen würde, wäre es gemütlich genug, um sich an diesem chaotisch anmutenden Orte gut behütet zu fühlen.
Neben dem geballten Lob von mehr als 500 Gästen, die sicherlich zum großen Teil nicht wirklich zum Stammpublikum des Ausstellungsbesucherestablishment gehören, gab es für die Freiraum-Gruppe vor allem eine freudige Nachricht von Ute Trapp als Vertreterin der Eigentümergesellschaft VEWO GmbH. Denn nicht wie ursprünglich vorgesehen bis Ende März sondern mindestens bis Mitte/Ende April darf die Initiative in der Kirche bleiben.
Einen bleibenden Eindruck wird das Gesamtkunstwerk bei seiner Eröffnung im besten Fall bei den ebenfalls anwesenden Johannes Brackmann, Vorsitzender des Essener Kulturbeirats und Leiter des Kulturzentrum Grend, sowie bei Gerd Dubiel vom örtlichen Jugendamt hinterlassen haben, denn viele Fürsprecher wusste die eigenwillige Gruppe bis dato innerhalb städtischer Gremien nicht zu verzeichnen. Dabei hat sie spätestens jetzt den Beweis erbracht, wie viel unentfaltetes Potential von Behördenseite zu Unrecht ignoriert wird. Nicht nur in Essen, sondern im gesamten Ruhrgebiet…
Die Ausstellung „Freiraum zeigt – zeigt Freiraum" ist in den kommenden Wochen donnerstags, samstags (jeweils von 18-22h) und sonntags von 16-22h zu besichtigen. Lohnt sich!
Fotos: Michael Blatt
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