Mustermensch reloaded - Steffen Börgmann & Sarah Könecke im Interview (Teil 2)

Nach der Schließung des Duisburger Kulturzentrums „Fabrik“ gründete sich 2005 Mustermensch e.V., mit dem Ziel in dessen Fußstapfen zu treten. Deutlich sichtbare Spuren in der alternativen Szene hinterließ der Verein vor allem von 2008 bis 2009 mit dem Sozialen Zentrum T5.

Die derzeitigen Querelen in der Stadt rund um Djäzz, Hundertmeister und dergleichen nehmen der Vorsitzende Steffen Börgmann, seine Vorgängerin Sarah Könecke und die gesamte Mustermensch-Gruppe zum Anlass, ihren Traum vom eigenen Kulturhaus ein zweites Mal in Angriff zu nehmen.

(Zu Teil 1)

Wie nah seid ihr an dem Punkt zu sagen, dass der ganze Einsatz irgendwann keinen Sinn mehr macht?

Könecke: Das wollen wir eigentlich vermeiden. Wir stellen uns derzeit intern neu auf. Es gibt diese und jene Schwierigkeiten, in der Stadt Fuß zu fassen, aber wir wollen in diesem Jahr nochmal in die Offensive gehen. Die Stimmung in der Stadt könnte dabei von Nutze sein. Infolge der Ereignisse um das Djäzz ist die Sensibilität für das Thema da.

Steht ihr aktuell im Dialog mit der Stadtverwaltung?


Könecke:
Derzeit nicht, aber es gibt Pläne diesen wieder aufzunehmen. Es gab lange Zeit intensiven Kontakt zum Jugendamt und zum Immobilienmanagement Duisburg. Die wissen, welche Räume zur Verfügung stehen, doch man kommt nur sehr schwer an diese Leute ran.

Börgmann: Bei RUHR.2010 ist wenig Nachhaltiges rumgekommen, weil es sehr Event-fixiert war. Dagegen wollen wir zeigen, dass wir eine nachhaltige Kultur schaffen können. Keine Kultur, die von oben kommt. Das ist unsere Chance, in der Öffentlichkeit anzusetzen.

In einem Gastkommentar im coolibri (02/2011) sprecht ihr von „Hürden, die zur Abwanderung zwingen“. Was sind das konkret für Hürden?

Könecke: Wir haben immer wieder betont, dass wir keine öffentlichen Gelder oder monetäre Unterstützung haben wollen. Einerseits, um unabhängig zu bleiben, andererseits gibt es hier auch gar keine Gelder. Es würde helfen, die bürokratischen Geschichten etwas weiter herunterzuschrauben und zu begreifen, dass da Leute sind, denen man unter die Arme greifen kann indem man ihnen z.B. bei der Raumsuche hilft.

Eben das was wir machen anzuerkennen und zu unterstützen und wenn es Probleme gibt, dann müssen sie gemeinsam, wohlwollend, gelöst werden. Stattdessen kommen immer neue behördliche Weisungen. Sich damit zu beschäftigen, nimmt mehr Zeit in Anspruch als mit dem eigenen Programm.

Der Verein ist nicht kommerziell und erwirtschaftet nicht unter gewinnorientierten Gesichtspunkten, sondern funktioniert ganz anders. Da kann man nicht mit diesen „Hau drauf!“-Methoden kommen. Unser Beitrag für die Leute, die hier leben, wird überhaupt nicht erkannt.

Bleibt da nur noch die Flucht in andere Städte oder ins Privatleben?

Börgmann: Das Ruhrgebiet versteht sich gerne als Metropole, aber man merkt schon, dass es das nicht ist. Denn dafür fehlt es an der nötigen Kultur. Vorhandene Potentiale werden immer wieder ausgebremst. Das sieht man in Duisburg vielleicht am stärksten, aber auch in Essen und Dortmund. Ohne Förderung gehen dann viele nach Hamburg oder Berlin.

Könecke: Die Entwicklung von kulturellen Milieus, wie z.B. in klassischen Uni-Städten, gibt es hier nicht, also auch nicht diese Infrastruktur. Und beim Netzwerken sitzen hier keine Leute in entscheidenden Positionen, die ähnliches in ihrer eigenen Vergangenheit erlebt haben, es schätzen und für unterstützenswert halten.

Börgmann: Es fehlt an einer richtigen Studentenszene, da viele Leute hier nicht wohnen, sondern vom Niederrhein, aus dem Rhein- oder Münsterland anreisen. Wenn man in Duisburg merken will, dass es hier eine Uni gibt, muss man sehr nah an sie heran gehen.

Nach Aufzählung all der zahlreichen Missstände. Wo finden sich unterstützens- und besuchenswerte Orte in Duisburg?

Börgmann: Da lässt sich direkt mit dem Djäzz anfangen. Solange es das noch gibt, ist es der Dreh- und Angelpunkt der Duisburger Kulturszene. Aus einer Studenteninitiative heraus ist der Finkenkrug geboren. Am Dellplatz hast du das Hundertmeister und das Filmforum, beide aber auch in ihrer Existenz bedroht.

Könecke:
Ebenfalls im Dellviertel hat vor einigen Monaten das Goldengrün eröffnet. Ein irrer kleiner Club mit DJs am Wochenende. Sehr außerhalb gelegen ist der Steinbruch, was auch wieder ein Problem ist. Wenn Leute aus anderen Städten am Hauptbahnhof ankommen, kommt das ausgedünnte Nahverkehrssystem ins Spiel.

Es gibt also auf jeden Fall einige nette Läden, die auf einer bestimmten Basis kommerziell arbeiten, aber es ist nicht das Ding, das wir wollen.


Fotos: Mustermensch (Teaser), Michael Blatt (Portraits)

Hier gehts zu Teil 1.

 

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Thu, 03.03.2011 0

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05.01.2010

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