
Deutsche Regisseure in Hollywood - Nur Touristen?
- Series: Kunst
Der Klassiker: Erfolgreich in Europa und schon lockt Hollywood! Florian Henckel von Donnersmarck scheint da ins Straucheln gekommen zu sein wo Oliver Hirschbiegel vorerst kapitulierte.
Was haben sie gejubelt! Mit dem Gewinn des Oscars 2007 stand Florian Henckel von Donnersmarck ganz oben. Nach Bayern (2005), Deutschland und Europa (2006) feierte letztendlich auch Hollywood den lockigen zwei-Meter-Mann und seinen perfekten Debütfilm Das Leben der Anderen. Wie aus dem Nichts war der Marktwert des in Köln geborenen Weltenbürgers (weitere Stationen: New York, Berlin, Frankfurt/Main, Brüssel, Sankt Petersburg, Oxford, München und Wien) in ungeahnte Höhen geschnellt, und wer seine Auftritte im Anschluss an die Verleihung verfolgt hat musste kein Branchenkenner oder Psychologe sein um zu ahnen, dass ihm Deutschland und Europa als Bühne in Zukunft viel zu klein sein würden.
Prophetischer Tarantino
Brad Pitt, Arnold Schwarzenegger und Steven Spielberg waren von da an die Hausnummern, denen der Filmemacher seine Besuche abstattete.
Dass er diese Gesellschaft genoss sei ihm gegönnt, dass er sich viel Zeit für die Entscheidung über das Nachfolgeprojekt nahm auch.
Doch nun, wo sein Zweitling, The Tourist mit Angelina Jolie und Johnny Depp, ein Remake des französischen Thrillers Anthony Zimmer (Fluchtpunkt Nizza) von US-Kritikern und deutschen Journalisten einhellig, und teilweise schon mitleidig abgewatscht wird, steht nicht nur Spielbergs ihm gegenüber viel zitierter Satz in der Oscarnacht („Davon wirst du dich nicht mehr erholen“) im Raum. Auch Quentin Tarantinos Antwort auf die Frage, ob die Benennung seines Inglorious Basterds-Charakters Bridget von Hammersmark eine Anspielung auf den erfolgreichen Emporkömmling aus Deutschland sei erscheint prophetisch: „Ich denke, von Donnersmarck sollte erst noch ein paar weitere Filme drehen, bevor ich ihm den Namen einer meiner Charaktere spendiere.“
"Beschissene Drehbücher"
Sollte von Donnersmarcks Film an den Kinokassen ähnlich floppen wie bei der Kritik wird sich zeigen, ob er noch eine weitere Chance in Hollywood erhält und sie dann auch zu nutzen weiß. Ein anderer namenhafter Kollege hat bereits vor einiger Zeit aufgegeben und sich nach Europa zurückgezogen:
Auch wenn sich Oliver Hirschbiegel mit Der Untergang bei den Oscars 2005 letztendlich nicht durchsetzen konnte, schienen auch ihm mit dem weltweit Aufsehen erregenden Film die Türen in Los Angeles offen zu stehen. Doch nachdem er während der Dreharbeiten zu Invasion, der x-ten Auflage des Invasion Of The Body Snatchers (Invasion der Körperfresser)-Themas mit Nicole Kidman und Daniel Craig, entlassen wurde und der Film bei Kritik und Publikum durchfiel, flucht Hirschbiegel in Interviews nur noch über „beschissene Drehbücher“, die ihm angeboten worden seien und arbeitet wieder in Europa.
Experiment Hollywood
Die Geschichte der erfolgreichen Filmemigranten und denen, die in Hollywood scheiterten ist lang: Die Meister Ernst Lubitsch und Billy Wilder sind Paradebeispiele, während Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau zwar hofiert wurden, aber immer auch mit Auflagen und dem System zu kämpfen hatten. Werner Herzog und Wim Winders haben es geschafft sich ihre eigene Nische und Identität zu bewahren, Wolfgang Petersen und Roland Emmerich dagegen stehen für die großen und austauschbaren Blockbuster.
Man kann also nicht sagen, dass es eine einfache Antwort auf die Frage gibt, ob erfolgreiche Filmemacher aus Deutschland auch in den USA weiterhin erfolgreich sind oder nicht. Dass es der wohl härteste Prüfstein einer jeden Karriere sein dürfte steht außer Frage. Ob dieser unbedingt bezwungen werden muss, um erfolgreich zu bleiben nicht.
Hirschbiegel hat sich vorerst dazu entschieden das Experiment Hollywood zu beenden. Wie es in der jungen Filmkarriere Florian von Donnersmarcks weitergeht steht in den Sternen...
Pressefoto: Hagen Keller
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Ein paar Tage später...
...und alles sieht anders aus:
"Gerade noch von der Kritik zerrissen, nun dreimal für die Golden Globes nominiert, dem zweitwichtigsten amerikanischen Filmpreis: Das Schicksal von Florian Henckel von Donnersmarcks Hollywood-Debüt "The Tourist" scheint sich zu wenden." (spiegel.de)
Sollte der Film ein einigermaßen erträgliches Einspielergebnis liefern und vielleicht sogar ein paar begehrte Preise abräumen, will wieder keiner ein böses Wort verloren haben ;)
Nach dem vernichtenden Sturm der Kritik letzte Woche folgen diese Woche eher wohl gestimmte Artikel...
großkotz
Warum nur überrascht es mich nicht so sehr, dass der Großkotz mit diesem Film abschmiert. Zu HvD Verteidigung muss man sagen, dass ihn viele Journalisten nicht leiden können, eben weil er ganz und gar unbescheiden und Ich-hab-gewusst-dass-ich-ein-Genie-bin mässig überall auftrat, , nach Hollywood zu gehen, wo bekanntermaßen seltenst Autorenkino gemacht wird und in den Augen vieler Filmkritiker 90% Schrott für Millionen und Aber-Millionen hergestellt wird.
Wie auch immer: wer nach einem NebenNebenOskar für eine deutsche Indie-Produktion seinen nächsten Film fünf Jahre später mit Jolie und Depp in Venedig und sonstwo dreht, ein Remake dazu, der geht ein großes Risiko ein. Entweder er schafft es damit in HOLLYWOOD. Oder das war sein letzter. So sind die Regeln. Dazu kommt, auch wenn die Kritiker nichts mehr zu melden haben heutzutage, weil Filme von ihnen weder groß noch kleingeschrieben werden können und allein das Publikum entscheidet, so tut es einem Filmemacher, der nur einen kleinen Teil Künstler in sich spürt, trotzdem weh.
Die Liste der gescheiterten Regisseure kann man leicht noch um dort weitgehend gescheiterte Schauspieler erweitern: Franka Potente und Miss Untergang A. Maria Lara und und und. Schuster bleib bei deinen Leisten ist ein dämlicher Spruch, aber Schauspieler bleib bei deinen Liebsten könnte einer werden vielleicht.