ÖPNV im Ruhrgebiet - Den Anschluss nicht verpassen

Ich nehme den Artikel von Olaf Sundermeyer zum Anlass, um eine kleine Bastelei zu posten, die mir schon länger im Hinterkopf herumschwirrt. Es geht um den öffentlichen Nahverkehr, eines der großen Probleme dieser Region und definitiv eines der großen Hindernisse auf dem Weg zur Metropole.

Foto: Sven Stienen
Foto: Sven Stienen
Bogestra, EVAG, VRR, HCR et cetera – 52 Städte mit zig Verkehrsanbietern versuchen, mit Müh und Not ein gemeinsames, effizientes öffentliches Verkehrsnetz anzubieten. Das Ergebnis kennen wir: man kommt nicht vernünftig von A nach B, man braucht ewig, man zahlt horrende Preise.

Wenn das Ruhrgebiet eine Metropole sein will, dann muss dieses Problem Priorität haben. Die erschwerte Mobilität in der Region bremst die Integration, kostet Energie, Zeit und Geld und verschleißt Potential. Leute, die an Bushaltestellen warten, sind nicht produktiv.

Es lohnt sich vielleicht, mal bei Städten nachzuschauen, die bereits Metropolenstatus haben. Zum Beispiel in Berlin. Anbei ein kleiner, reich bebilderter Vergleich.

Tarife

Ruhrgebiet                                                Berlin
Preisstufe A 2,30 EUR                               Preisstufe AB 2,10 EUR
Preisstufe B 4,50 EUR
Tagesticket B 10,50 EUR                           Tagesticket 6,10 EUR

Hier sehen wir eine Karte von Berlin Mitte*:
Berlin Mitte
Berlin Mitte






















Und hier eine Karte des Tarifgebietes A (= Mitte, 2,10 EUR) darüber gelegt. Dieses Gebiet umfasst grob gesagt alles, was innerhalb der Ringbahn liegt - die gesamte Stadtmitte inklusive aller bekannten Stadtteile wie Friedrichshain, Kreuzberg, Prenzlauerberg, Mitte, Neukölln etc.

Berlin, Tarifgebiet A
Berlin, Tarifgebiet A






















Nun eine Karte von zwei nebeneinander liegenden, zentralen Ruhrgebietsstädten: Bochum und Dortmund.

Bochum und Dortmund
Bochum und Dortmund






















Um von einer in die andere Stadt zu kommen, überschreitet man die Grenzen des hiesigen A-Tarifs und muss folglich Preisstufe B = 4,50 EUR pro Fahrt zahlen. Legt man nun die maßstabsgetreue Karte des Berliner Tarifgebietes drüber, sieht man, dass beide Städte in den Berliner AB-Tarif = 2,10 EUR fallen würden:

Bochum und Dortmund mit Berliner Netzplan
Bochum und Dortmund mit Berliner Netzplan






















Dasselbe gilt für die beiden Städte Bochum und Essen:

Bochum und Essen
Bochum und Essen






















Und hier mit der Berliner Tarifkarte darüber gelegt:

Bochum und Essen mit Berliner Netzplan
Bochum und Essen mit Berliner Netzplan





















Fazit


Während man in Berlin für 2,10 EUR 120 Minuten lang in der gesamten Stadtmitte, die flächenmäßig dem Abstand von Bochum Zentrum bis Essen oder Dortmund entspricht, umherfahren kann, fällt dies im Ruhrgebiet in die Preisstufe B und kostet somit 4,50 EUR - mehr als das Doppelte. Das ist eine Barriere für den freien und flexiblen Austausch von Menschen und Ideen zwischen den Ruhrgebietsstädten, die dem Fortschritt der Region entgegensteht. Von der Taktung und Synchronisation der Verkehrsmittel - Abends braucht man teilweise vom Essener Hauptbahnhof bis Rüttenscheid eine Dreiviertelstunde - ganz zu schweigen. In einer "Metropole Ruhr" sollten Mobilität und Flexibilität gefördert werden, wenn man den Anschluss nicht verpassen will.

*Alle Karten sind im gleichen Maßstab. Quelle: Google Maps
Channels

Ähnliche Beiträge
Tue, 03.08.2010 4

Add comment

Login or register to post comments

Comments

@sven, dein grafischer trick

@sven, dein grafischer trick ist das, was jeder im kopf hat, der den lebensnahen vergleich berlin-ruhrgebiet erlebt. danke für die mühe! aber selbst ohne den blick nach berlin ist der ruhrverkehr einfach mist: denn in der mächtigen städteregion herrscht eine provinzielle autofahrermentalität - vor allem bei den lokalen entscheidern, die nicht erkennen wollen, dass die zukunft der großstädte nicht aus der garage kommt.

Metropolenverkehr

Völlig korrekt, dieses riesige Defizit im ÖPNV!
Aber auch das spiegelt nur das wahre Problem: Solange wir 53 Kommunen haben, bei denen 53 Häuptlinge, 53 Schatzmeister, 53 Presseabteilungen, 53 Wirtschaftsförderer, 53 ..... alle jeweils ihr eigenes Süppchen kochen, um natürlich auch zu beweisen, wie wichtig jeder einzelne ist, werden wir niemals wirklich eine Metropole werden, auch weil die Wahrnehmung von außen gesehen immer nur auf jedes einzelne Dorf gehen wird. Und keine der Städte hat für sich genommen auch nur ansatzweise Metropolencharakter.
Aber die Chance, dass irgendwelche dieser ach so wichtigen Leute sich selber aus dem Spiel nehmen, um den großen Ganzen eine Bedeutung zu geben und der Region endlich auf die Sprünge zuhelfen, ist wohl gleich NULL!
Leider!
Daher wird auch der ÖPNV auf Jahre hinaus keine echte Alternative zum Individualverkehr sein, weil man schon nach einem Kinoabend in Dortmund kaum noch bis nach Mülheim kommen kann.
Schade, aber leider wahr.
Entmachtet die Stadtverwaltungen und schafft eine gemeinsame Überstadt "Ruhr" - und es werden letztlich alle davon profitieren.
Basta.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen....

.... bleibt nur zu hoffen, dass die richtigen Leute den Artikel lesen und sich bei den Verkehrsbetrieben, den Stadplanern oder wer sonst auch immer zuständig sein mag, etwas bewegt.

Berlin ist zugegebenermasen ein ÖPNV-Highlight, mit dem (von Preis und Taktung her) auch andere große deutsche Städte nicht mithalten können.

Aber wenn das Ruhrgebiet mal so Hamburger Niveau erreichen würde, wäre ja auch schon einiges geschafft :-)

ÖPNV vs. Mobilität

Super Idee der Artikel....
Aber nicht allein die Preise sind hierzulande ein großes Problem. Richtig finster wird es, wenn man erst einmal versucht, nach 22 Uhr sich mit den Öffentlichen auf den Weg zu machen.

Oje oje... Also irgendwann kommt man schon irgendwo an aber die Wartezeiten erinnern eher an irgendwelche Hinterlandbushaltestellen als an eine Metropole.

Nimmt man etwa Essen. Wenn ich nachts versuche, zwischen dem Hauptbahnhof und dem sogenannten Szeneviertel Rüttenscheid hin und her zu fahren, bin ich ganz schön aufgeschmissen. Meist heißt es, sich zu Fuß auf den Weg zu machen oder ein Taxi nehmen. Das fällt mir jedes mal aufs neue negativ auf, wenn ich mal ain paar Tage in Berlin war, wie beschränkt im Ruhrgebiet der öffentliche Nahverkehr ist.

About the author

19.01.2010

City

Metropole Ruhr
These days, more than 5 million inhabitants do experience the transformation of their post- industrial Ruhr area in the western part of Germany to an exciting European „place to be“, a budding metropolis in a post-Capital of Culture 2010 identification process with its industrial culture as part of a collective memory being a characteristic feature – and an orchestrated mass event.

Recent Tweets

LABKULTUR
[CULTURE] PLAN? @KuPoGe's Sievers prepares 7th cultural-political Federal Congress 13+14.06.2013 http://t.co/d28NAkEyDF #LABKULTUR
LABKULTUR
[KULTUR] HAUPTSTADT @KosiceECOC2013 ein gutes Viertel Jahr ist rum Was bisher geschah: http://t.co/bEwS6e7pxt #LABKULTUR
LABKULTUR
thanks guys! RT @ECBNetwork: RT @sabienschrijft: finished day with new blog for #LABKULTUR. Have you read this one? http://t.co/K5zT0mIFF0
LABKULTUR
[SERVICE] companies should drop #CRM for Vendor Relationship Management @dsearls @PICNICfestival #VRM http://t.co/2c0MjuJKHw #LABKULTUR