Gemütlich flanieren - Boulevards erobern die Innenstädte

Immer mehr Städte entdecken die Auflockerung der Innenstädte für sich und modeln ehemalige Einkaufsstraßen zu verkehrsbefreiten Boulevards um. Was aber bringt dies im Prozess der Urbanisierung und der Stadtbildprägung?

Ein sicher gelungenes Beispiel wurde in Herne realisiert. Hier ist künstlerische Gestaltung mit einbezogen durch ein Open-Air-Museum mit Lichtobjekten, Kunst- und Wasserspielen. Zudem wurde bei der Gestaltung darauf geachtet, dass der ursprüngliche Charakter des Straßenzuges an die Jugenstil- und Gründerzeitbebauung angepasst wurde.

Bekannt ist das alljährlich stattfindende Boulevardfest. An einer 900 Meter langen Tafel sind Besucher eingeladen, ihre heimische Küche zu präsentieren - und zu teilen. So wird dies ein Ort der Begegnung. Dazu finden Spiele statt, ebenso ein Kunst- und Musikprogramm, wie Familien- und Kinderaktivitäten. Ein solches Fest verbindet diejenigen, die aus allen Stadtteilen hierher kommen. Das Fest ist für Menschen gemacht.

Dies ist ein guter Ansatz und kommt der Funktion eines Boulvards sehr nah - aber es ist nicht alles. Die Tagesdevise lautet: 'Shoppen, Freizeit, Einkaufen' und erweist die Gestaltung als Marketingprogramm, um Besucher in die Geschäfte zu locken. Dieser Ansatz fruchtet nicht, wie die Schließung großer Kaufhausketten belegt.

Räume für Begegnung, Kommunikation und Aufmerksamkeit

Boulevards haben traditionell verbindende Funktionen. Sie sind öffentliche Räume mit Räumen für Begegnung, Kommunikation und Aufmerksamkeit. Boulevards sind dann gut gestaltet, wenn sie gegliedert sind und thematische Anreize bieten, die nicht schnell konsumierbar sind. Sie sind die Verbindung zu denen, die außerhalb der Stadtmitte wohnen - und sie bieten Verbindungen innerhalb der städtischen Fragmentierungen.

Das Zentrum einer Stadt hatte immer schon die Funktion Schnittstelle unterschiedlicher Interessen zu sein, und nicht monokulturell - shoppend - nutzbar zu sein. Die Mitte bietet Orientierung, Zentrierung - und besondere Erlebnisse.

Diese Stadt-Anlage ist in Herne schon recht weit gediehen, die Vielfalt der Angebote aber macht aus dem Straßenzug einen echten Boulevard. Mit der Entwicklung von Leitlinien und Strategien der Ausgestaltun kann eine Chance genutzt werden: Technik, Natur, Kultur und Erlebnisse enger aneinander zu binden und zu bereichern. Trennendes kann aufgelöst und Komplexität sichtbar und als Teil eines ganzen innerhalb der Stadt repräsentativ erlebbar zu machen.

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Wed, 03.03.2010 0

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04.12.2009

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