Der Bang Boom Bang-Komplex

„Bang Boom Bang ist der wichtigste Ruhrgebietsfilm der vergangenen 20 Jahre. Die Handlung ist banal, aber Charaktere, Sprache und Ausstattung sind 100% Ruhrgebiet.“ Das findet Olaf Sundermeyer in seinem Buch „Der Pott“, das in zwölf Teilkapiteln das Ruhrgebiet zwischen Fiege, Fußball und Volkstheater beleuchtet.  
 

Ein Problem hat Sundermeyer. Er ist in Dortmund geboren, ist aber in Folge eines allgemeinen Abwanderungswillen nach Berlin gegangen und arbeitet dort als Journalist. Anlässlich der Kulturhauptstadt hat er sich zurück begeben und erklärt den Lesern mit seinem Buch "Der Pott" das Ruhrgebiet. 

Auf 237 wirklich eng bedruckten Seiten schildert Sundermeyer seine Eindrücke von Stadt und Leuten, klärt wichtige Fragen (zum Beispiel, warum männliche Rentner auf Fahrradtour stets beige Westen tragen) und trifft mitunter sogar interessante Leute, von denen er sich aber immerhin den vollkommen humorlosen Wolfgang Clement hätte sparen können. Dennoch geht Sundermeyers Selbstversuch nicht auf, weil er nämlich über seine eigenen Blickwinkel nicht lachen kann und seine Klischees "vom Pott" viel zu ernst nimmt.

Von außen muss das Ruhrgebiet tatsächlich etwas Verklärendes haben, so dass man dort immer denkt, alle Menschen hier wären ehrlich, direkt, herzlich und solidarisch. Sundermeyers Selbstversuch ist eher eine Art self-fulfilling-prophecy, so dass irgendwann selbst in einer Wäscheleine "ein Stück Ruhrgebiet" gesehen werden kann. Und was "Bang Boom Bang" zeigt, bestätigt Sundermeyer: Die Menschen hier sind meist dumm, aber ziemlich lustig - ehrliche, einfache Leute eben.

Letztlich schreibt Sundermeyer oftmals wie ein Zoologe über eine tapsige, vom Aussterben bedrohte aber absolut schützenswerte Tierart.

 

Zurück zu "Bang Boom Bang": Rein kommerziell mag der erste

Thorwarth einer der wichtigsten Filme der letzten 20 Jahre sein und auch seine Nachfolger (auf die Sundermeyer übrigens immer noch wartet, wie er im selben Kapitel schreibt) konnten ihm nicht das Wasser reichen. Das UCI konnte vor kurzem noch zehn Jahre Jahre "Bang Boom Bang" feiern. Exakt so lange spielen sie den Film mit großem Erfolg jeden Freitag Abend. Aber im Gegensatz zu „Der Pott“ kann man über Bang Boom Bang wirklich lachen, aber auch nur dann wenn man ihn nicht so bierernst nimmt und im Wissen, dass weder Charaktere, Sprache und Ausstattung 100% Ruhrgebiet sind.

Teaserfoto: Universal

 
Mon, 15.02.2010 0

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06.01.2010

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