
RUHR.BUCH: Die Herausgeber im Gespräch Teil I
Die tolle Anthologie RUHR.BUCH hatte ich hier ja bereits angekündigt. Wie versprochen, standen die beiden Berliner Herausgeber Gregor Gumpert und Ewald Tucai dem 2010lab Rede und Antwort. Im ersten Teil geht es um das RUHR.BUCH. Der zweite Teil über die Literatur des Ruhrgebiets folgt in den nächsten Tagen.
2010lab: Sie beide kommen aus Berlin. Wie sind sie dazu gekommen, eine literarische Anthologie über das Ruhrgebiet zu schreiben?
Gumpert/Tucai (Foto li/re, von privat): Der Anlass war das Ereignis RUHR.2010. Vor zwei Jahren haben wir eine literarische Anthologie über eine andere Europäische Kulturhauptstadt, nämlich ‚Linz09’ herausgegeben und dabei viel Neues entdeckt. Linz an der Donau und das Ruhrgebiet sind große Gegensätze, um so interessanter fanden wir jetzt die Beschäftigung mit der Literatur des ‚Reviers’.
Wie gestaltete sich die Suche nach einem Verlag?
Sehr einfach, aber das RUHR.BUCH ist sicherlich ein Ausnahmefall: Anthologien sind im allgemeinen nicht leicht unterzubringen, wenn sie aber in Zusammenhang mit einem wichtigen Ereignis stehen, sind die Verlage interessiert.
Haben Sie sich mit dtv bewusst gegen einen Verlag aus dem Ruhrgebiet entschieden?
Ja, es sollte ein überregional bekannter Verlag sein, der nicht nur in Deutschland, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum öffentlichkeitswirksam vertreten ist.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Beiträge ausgewählt?
Es sollte ein möglichst vielfältiges, differenziertes Bild entstehen: Texte aus der Region, über die Region, schließlich ‚Ruhrgebiets-Literatur’ im engeren Sinn. So haben wir Literatur von Autorinnen und Autoren zusammengestellt, die aus der Region stammen – teilweise bevor die Bezeichnung ‚Ruhrgebiet’ überhaupt aufkam – und mit ihr biographisch verbunden sind; daneben stehen Reportagen mit dem Blick ‚von draußen’ und Reiseliteratur; und eben die eigentliche Literatur des Ruhrgebiets, also Literatur der Arbeitswelt, dokumentarische Texte usw.
Wie war die Bereitschaft bei Verlagen und Autoren, Beiträge für den Band frei zu geben?
Grundsätzlich gut. Dass in Einzelfällen Verlage oder Autoren keine Abdruckgenehmigungen erteilen, ist bei Anthologien normal und war auch hier so.
Wie ist ihr Versuch, der Ruhrgebietsliteratur ein Forum zu geben, bei Kritikern und Lesern aufgenommen worden?
Soweit wir wissen: bisher sehr gut. Es gibt positive Rezensionen, erstaunlich viele Bibliotheken, auch ausländische, schaffen das Buch an, das öffentliches Interesse am Thema ist groß.
Der zweite Teil des Gesprächs über Literatur des Ruhrgebiets folgt in den nächsten Tagen!
- Gumpert, Gregor; Tucai, Ewald: Ruhr.Buch: Das Ruhrgebiet literarisch, dtv, München, 2009, 288 S., 9,90€
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