Zwischen Gitarren und Gags: Comedy-Produzent Peter Burtz im Portrait

Musiker, Chefredakteur, Marketing-Manager, Comedy- und Filmproduzent: Peter Burtz kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Von der „Zeit“ wurde er als „reisender Jahrmarktskünstler im Glück“ bezeichnet. Dabei ist der gebürtige Bochumer grundsolide.

Kumpels in Kutten


Wenn ihn jemand auf Reisen fragt, was Burtz beruflich mache, antwortet er gerne: „Ich bin selbstständig.“ Das entspricht den Tatsachen, stimmt aber nicht ganz. Burtz ist ein Netzwerker, wie er im Buche steht. Kontakte sind das A und O, im Gespräch versteckt er Namen im Nebensatz, wo andere die Karten offen auf den Tisch legen. Anekdoten erzählt er, aber stets so, dass er selbst nicht im Vordergrund steht. Burtz ist der Mann im Hintergrund, nicht fürs Grobe, sondern für Feintuning. Der Sohn eines Buchhalters („aber mit der interessanten Note: in einer Brauerei“) und einer Hausfrau wächst in Bochum mit zwei Schwestern auf; die ältere ist Beatles-Fan, das Repertoire kennt er heute noch „vorwärts und rückwärts“.

Der Teenager begeistert sich früh für Musik (Smokie, Sweet, Bay City Rollers). Richtiger Fan wird er von den Niederländern Hank Knife And the Jets („Guitar King“). Durch den Einfluss seines Cousins taucht er Mitte der Siebziger in die Welt des Hardrocks ein, nimmt mit zehn Jahren „Wandergitarrenunterricht“, singt später in einer Schülerband namens Poker, die Songs von Status Quo, Zeltinger Band und Jethro Tull covert. Sein erstes Konzert ist ein vom damaligen WDR-DJ Mal Sondock präsentiertes, auf dem Johnny Wakelin („In Zaire“), Frank Zander und Slik (mit dem späteren Ultravox-Boss Midge Ure) spielen. Das erste „richtige“ Konzert sieht er, wie es sich für einen Ruhrpottler gehört, in der Essener Grugahalle 1979: Boston („More Than A Feeling“). Von da geht es über Queen und den Scorpions zu den härteren Acts wie Iron Maiden. Sein Cousin spielt auch in seiner Band, die sich 1980 in Dynasty umbenennt, aus denen dann die Metal-Band Steeler entsteht, mit denen Burtz bis 1988 vier Alben veröffentlicht. Parallel zu seiner Musikerlaufbahn beginnt der Autodidakt („Ich habe schon früh für Schülerzeitungen geschrieben“) 1983 seine Arbeit als Musikjournalist, „Desaster“ heißt die erste Anlaufstelle. Er habe sich einfach vorgestellt und sofort seine ersten Interviews mit Szenegrößen wie Judas Priest und den Scorpions gemacht.

Als im Zuge der Dortmunder ZDF-Aufzeichnung „Heavy Metal - Rock Pop In Concert“ Ende 1983 respektive im Februar 1984 zur Ausstrahlung der erste „Metal Hammer“, eine kommerziell aufgemachte Fachzeitschrift für Hardrock- und Metal Freunde, auf den Markt kommt, ist er als Schreiber dabei (unter Pseudonym, wegen der Überschneidung mit Steeler). Gleichzeitig beginnt er in Bochum ein Studium (Anglistik, Germanistik, Pädagogik). Kurz nach der Auflösung von Steeler wird er 1989 im Alter von 24 Jahren zum „Metal Hammer“-Chefredakteur berufen („Da habe ich nicht zweimal überlegt.“).

Unter seiner Regie erscheint das Blatt wieder monatlich statt 14-tägig, die Auflagen erreichen nie wieder erreichte Zahlen von bis zu 125.000 Heften. „Das war eine tolle Zeit, zwar mehr wie ein Jugendtreff organisiert als eine Redaktion, aber sehr schön und absolut effizient.“ Ende 1991 wechselt Burtz zur Plattenfirma EMI, zieht nach Köln, wo er immer noch lebt. „Obwohl ich beim Hammer noch sechs Wochen Urlaub hatte, bin ich bis zum letzten Tag geblieben, habe den Urlaub verfallen lassen. Ich wollte das Blatt einfach sauber übergeben.“


Marketing-Meetings in London



Zuhause wird sein Werdegang massiv unterstützt, sie haben ihn machen lassen, trotz langer Haare und nonkonformer Zukunftsplanung. Der Wechsel zur Plattenfirma ist logisch: Der „Metal Hammer“ ist gut aufgestellt, Burtz hat sehr vielfältige Kontakte. Er bekommt den Job als A&R (Artist und Repertoire)-Manager angeboten, nutzt die Chance. Ein halbes Jahr zuvor noch lehnt er den Wechsel in die Promotion-Abteilung der EMI ab, er ist ihm zu unkreativ. Im A&R-Bereich fühlt er sich besser aufgehoben, dort kann er aktiv an der Entwicklung und Vermarktung neuer Künstler mitarbeiten. „Wenn man von der Musik kommt, lässt einen das nicht los. Als Schreiber bewertest du die Kreativität von anderen Leuten, ohne selbst kreativ zu sein. Ich hatte einfach Lust, etwas anderes zu machen.“

Eingestellt wird er aufgrund seiner Vergangenheit natürlich im Rock-Bereich, aber die Strukturen innerhalb der Firma verändern sich sehr schnell. Nach einem Dreiviertel-Jahr wird er Chef der A&R-Abteilung, arbeitet auch mit Künstlern wie Claudia Jung, Falco oder Jennifer Rush zusammen. Berührungsängste kennt er nicht. Rush zum Beispiel überzeugt er zur Coverversion von Queens Hit „Who Wants To Live Forever“, es gelingt ihm sogar, Queen-Gitarristen Brian May zur Mitarbeit zu bewegen. Nach einem weiteren Jahr die nächste Umstrukturierung, Burtz leitet auf einmal ein eigenes Label namens „Spin“, auf dem u.a. Beastie Boys, Foo Fighters, Iron Maiden, Megadeth, Fury In The Slaughterhouse, Bap und Helge Schneider unter Vertrag sind. Zwei Jahre später ist er Managing Director von EMI Germany. „Am liebsten wäre ich immer A&R geblieben. Stattdessen saß ich ständig in London in Finanz-Meetings.“ Als er die Chance bekommt, einen Künstler seiner Wahl zur Vorausscheidung des 98er-„Grand Prix Eurovision de la Chanson“ (jetzt „Eurovision Song Contest“) zu schicken, entscheidet er sich für seine Entdeckung Guildo Horn, gewinnt Stefan Raab als Komponisten und Texter. „Guildo hat euch lieb“ wird ein Hit, nicht sein erster Kontakt zu sogenannten „Comedy“-Szene.


Das nächste große Ding


Er schreibt schon früh eigene Sketche, seine Leidenschaft für „Humor-Arbeit“ lässt ihn nie vollständig los. Als sich sein ehemaliger Chef zur Ruhe setzt, entschließt er sich zum Wechsel in die Selbstständigkeit, arbeitet ab 1999 als freier Talentscout und Marketingberater für andere Plattenfirmen, u.a. für Sony und Warner. Dort bringt er Elmar Brandt unter, einen Stimmen-Imitator, den seine jüngere Schwester von ihrer Tätigkeit beim WDR kennt und von dem er überzeugt ist, dass er das „nächste große Ding“ wird. Schröder ist gerade Kanzler geworden, was liegt näher als eine „Gerd-Show“? Das Konzept des Comedy-Radioformats entsteht in einer Nacht und wird mit 1500 Folgen so erfolgreich, dass es sogar Alben und Singles gibt, die sich sehr gut verkaufen.

Songs wie „FKK“ (1999, Platz 20), „Der Steuersong“ (2002, Platz 1) oder „Zuhause“ (2003, Platz 16) werden Hits, Burtz reagiert zusammen mit Brandt blitzschnell auf aktuelle Ereignisse, ein immenser Vorteil. „Wir haben im ersten Jahr unserer Zusammenarbeit den Deutschen Comedy-Preis bekommen, und auf einmal war ich da mittendrin.“ 2004 wird er Manager des „Schnappi“-Projekts. „Schnappi, das kleine Krokodil“, ein Kinderlied, wird zum Millionenseller, erreicht in 17 Ländern Platz Eins der Hitparaden und beweist, dass im Internet doch Hits gemacht werden können. Burtz achtet als Manager pingelig darauf, dass die Interpretin, die neun-jährige Joy Gruttmann, nicht zu sehr von den Medien vereinnahmt wird. Weitere Projekte laufen parallel, er schreibt Texte für „Sieben Tage, Sieben Köpfe“ (Gaby Köster), arbeitet mit Bodo Bach, Hans-Werner Olm und Rötger Feldmann („Werner“).

„Gags zu schreiben ist Handwerk. Mir fällt sowieso immer zu irgendwelchen Begebenheiten etwas ein, auch unter Zeitdruck. Das Resultat ist weniger themenabhängig, es kommt schon auch auf die Tagesform an.“ Für die verschiedenen täglichen Radioformate („Supermerkel“, „Toto & Harry“, „Daily Wowi“, „Mein neues Leben XXS“) arbeitet mittlerweile ein ganzer Pool von Autoren. Seine eigenen Texte verfasst Burtz meist allein, bei Liedern wird er unterstützt von Michael Kernbach, dem Bassisten von Guildo Horn. „Ich kann besser einschätzen, was lustig ist, als zum Beispiel eine Popnummer im Dance-Bereich zu beurteilen. Dazu fehlt mir der Draht. Comedy kommt mir gar nicht wie Arbeit vor.“ Durch seine Regiearbeit bei EMI-Videodrehs und den „Gerd“-Kurzfilmen erweitert er sein Repertoire, das sei aber weniger einer Art von Einmischen oder Kontrolle geschuldet, sondern weil die Geschwindigkeit so erhöht wird. „Wir waren immer tagesaktuell, das kann man in einer großen Firma nicht umsetzen.“ Burtz macht mittlerweile Werbung für Wirtschaftskonzerne („Netzanbieter, Computer, Pharma“), richtet mit seiner Firma Gala-Auftritte aus, schneidet und konzipiert Image-Filme (Ärzte, Fußballer-Stiftungen, Banken). Der 45-jährige vierfache Vater und bekennende Schalke 04-Fan ist zufrieden mit seinen verschiedenen Projekten, Musik härterer Gangart hört er nur noch zum Privatvergnügen, eine Steeler-Reunion wird es nicht geben. „Ich schaue mir ungern solche Wiederbelebungsversuche an. Den Antrieb zur Rebellion, dieser Aufstand, der im Heavy Metal steckt, das war mein Leben mit 20, jetzt muss ich dem nicht mehr Ausdruck verleihen; ich wollte schon immer Familie haben. Und als Rockmusiker ist das finanziell schwierig, zumal ich als Sänger stimmlich, sagen wir einmal, etwas limitiert war.“
Fotos: privat


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Mo, 20.12.2010 0

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17.02.2010

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