Warten auf Freunde im Imbiss

Zwischen arbeiten und entspannen! Between working and relaxing!

Zwei Stunden facebook und Osterfitness

Der Tag beginnt, das Frühstück ist aufmunternd, das Wetter nicht von besonderer Bedeutung, der Rechner öffnet sein Fenster, der Terminkalender sagt: ein Tag ohne Termine vor Mittag. Da kann man ja mal in das soziale Netzwerk schauen, um zu sehen, wie die Welt sich dreht, wer was für wichtig hält und wohin die Reise geht. Das Eiersuchen im Apartment wäre freudlos, also sucht man nach Bemerkenswertem und postet selbst die eine oder andere Spontanerkenntnis.

 

Facebook als interkulturelle Tankstelle

Man muss nur die richtige Mischung an „Freunden“ haben und schon bildet sich eine Gesellschaft ab, die vom süßen Kätzchen bis zum Petitionsaufruf, vom Kuchenrezept bis zum Aufruf zum Boykott alles bietet, was unsere Zeit so an Problemen aufwirft und interkulturell ist es allemal. Kaum hatte ich einem türkischen Kollegen in Ankara meine Freundschaft angeboten, klopfte es alle paar Minuten an, um weitere Anfragen zu befriedigen. Nun sehe ich täglich Dutzende Posts in türkischer Sprache. Ich verstehe kein Wort, habe aber das Gefühl, hier international politisch korrekt unterwegs zu sein. Auch die Eintragungen von W. aus Taiwan und von H. aus Korea sehen hübsch aus, sagen mir aber gar nichts, außer, dass ich es mit fremden Schriftwelten zu tun habe. Die Fotos allein zeugen von der wahrscheinlich beschriebenen Aktivität, die sich auch hier ab und an auf das Essen von Kuchen kapriziert. Wenn deutsche Freunde mal was Englisches einfügen, heißt dies: Achtung  - von globalem Interesse!

 

Lange nichts gelesen?

Entweder ein neuer Job, krank oder genervt – das sind die Gründe, warum jemand plötzlich aufhört, seine schlechten Fotos oder Musikvideos zu posten. Von jetzt auf gleich hört es auf. Das muss nicht den Tod bedeuten, hat aber sicher tief gehende Gründe, die wir oft nicht erfahren. Plötzlich erscheinen wieder die üblichen zwanzig Musikvideos am Tag und man denkt: „Hey, mein lieber Freund, Du bist entweder wieder gut drauf oder zurück gefallen in die Einsamkeit, die Dir die Zeit gibt, Musik sehen zu können, die Du der Welt dann anbiederst.“ Wer ist denn sonntagmorgens schon um sieben auf fb unterwegs? Schlafstörungen oder Suchtverhalten? Und sobald ich eine Bemerkung ins Netz schicke, spontan und weil ich grade so drauf bin, schon kann man aufatmen, denn man ist im Thema des anderen – hier schlägt das soziale zu und das Netz wird geknüpft bis der hundertste Kommentar zu einem Kätzchenbild eingegeben ist. Für ein „wie süß“ bin ich mir allerdings zu schade.

 

Weltbilder

Nehme mir vor, einen Wortsalat aus Beiträgen zu komponieren, der dann später mit einem Soundtrack versehen wird, den ich auf meiner Bontempi aus dem Jahr 1976 zusammenklimpere und –orgele.

„Gute Nacht, Ihr Lieben. Seit gestern ist es offiziell. auch schön. So many cool macros. Bitte liked doch auch unsere facebook-Seite. Das Böse als Ausgeburt der Phantasie – wie schafft man einen wahren Fiesling? Nope, this is a macroscopic image of a Polychaete. Fröhliche Ostern! Bin ich leider noch im Urlaub. Bitte alle mithelfen! Wer kennt diese Leiter? Milk, please! La lista della spesa è social. so isset! Should we wash our tears or drown them? Since when do your diamonds bark? Also: meine Mama war hier. Eine ganze Woche lang. Was bedeutet: ich hatte Zeit zum Nähen. Festival tuo muotoilun katukuvaan toukokuussa. Wenn Du es hier schaffst, schaffst Du es überall! Pina Bausch'tan çok etkilendim. Luv it! A menor índice cultural, mayor facilidad manipuladora. Fußmatte nur 9,99 € sehr schön, die gefällt mir!”

 

Ostermarsch

Und da stoße ich doch auf etwas, was mir zu Ostern ein tiefes Erlebnis verschaffen wird. Wieder einmal schreibt der Kollege Tuvia Tenenbom über seine Erlebnisse mit Fitness. Es sind wunderbare Beobachtungen eines Dicken in der Welt der Schlanken in New York. „Fitness“, denke ich, „ist etwas für Angst- oder für Osterhasen.“ Ich entschließe mich, an den Feiertagen mindestens mehrere Fußmärsche zu machen und dabei das Wort Fitness unentwegt auszusprechen, denn dann wird aus Gehen Laufen und laufen bedeutet Bewegung zur Erreichung gewisser Fitness und wenn der Mensch dabei noch Ostereier sucht, ist das Programm perfekt. Halten, schauen, bücken, finden, heben, eintaschen, weiter geht’s. Bis das Körbchen voll ist und das Gewicht desselben höher, hat man so seine Kalorien abgebaut, die man später mit den Eierspeisen wieder zu sich nimmt, ein wunderbarer Kreislauf. Politische Betätigung lässt auch die gesellschaftspolitische Fitness neue Höhen erklimmen, wenn man das Ganze während des Ostermarsches praktiziert.

Do, 05.04.2012 0

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03.03.2010

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