Zweite nationale Architekturbewegung der Türkei - Suche nach Werten

Die zweite nationale Architekturbewegung war bereits Teil einer forcierten Stadtplanung, die gesetzlich abgesichert war. Für Kemal Atatürk bedeutete Kultur den maßgeblichen Indikator politischer und gesellschaftlicher Prozesse, die durch Reformen eingeleitet und Sinnbild der Ziele wurden. So war der Generalbebauungsplan für Ankara Zeichen des Fortschritts nach europäischen Vorbild und markantes kulturelles Zeugnis.

Für die Realisierung seiner Vorstellungen wurden europäische Architekten und Planer in die Türkei berufen, die ihre Anweisungen teilweise von Atatürk persönlich erhielten.

Ab den 30er Jahren, insbesondere aber nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, emigrierten verstärkt deutsche und österreichische Persönlichkeiten, die das Bild der Städte in der Türkei maßgeblich prägten und den Reformgedanken Atatürks umsetzten. Die Namen sprechen für sich.

Clemens Holzmeister

Er wurde berühmt mit dem Bau des Salzburger Festspielhauses. 1927 arbeitete er erstmals in Ankara, 1938 emigrierte er in die Türkei. Er arbeitete als Lehrer an der Technischen Hochschule und wurde wichtigster Baumeister Atatürks.

Ihm wurde die Errichtung der wichtigsten öffentlichen Gebäude anvertraut, wie das Verteidigungs-, Innen-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium, das Parlamentsgebäude und der Oberste Gerichtshof - alle im Stile palastartiger Villen.

1941 gründete er eine Widerstandsgruppe kommunistischer Architekten, die illegal nach Österreich zurückkehrten. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg.
 

Ernst Egli

Er war politisch nicht aktiv, aber ein entscheidender städtebaulicher Theoretiker. 1927 übernahm er in Ankara die Stelle des leitenden Architekten im Unterrichtsministerium. Er war der Begründer der modernen Architektur im Land und beteiligt an der Planung der baulichen Infrastruktur.

Er baute eine große Zahl an Schulen, die das Bildungsprogramm Atatürks ermöglichten: Gymnasien für Jungen und Mädchen, Musikschulen, Volksschulen. Er realisierte eine Vielzahl an öffentlichen und privaten Bauten.

Margarete Schütte-Lihotzky

Sie war die erste Frau, die in Österreich ihr Architekturstudium abgeschlossen hatte. In Wien war sie beteiligt am Programm der Siedlungsgenossenschaften und wechselte 1926 ins Frankfurter Hochbauamt. Hier wurde sie berühmt für ihre "Frankfurter Küche".

1930 emigrierte sie zunächst nach Moskau, dann bereiste sie weitere Länder. 1933 stellte sie ihre Arbeiten bei der Weltausstellung in Chicago aus. 1938 gelangte sie nach Ankara, unterrichtete und entwickelte Kindergartenpavillons nach dem Montessori-Prinzip. Auch sie schloss sich der Widerstandsbewegung an - wurde aber durch türkische Intervention von der Todesstrafe verschont.

Bruno Taut

Er steht für das 'Neue Bauen' in Architektur und Stadtplanung, realisiert unter anderem als Gartensiedlungen für Arbeiter. Bekannt aber wurde er mit seinem Glaspavillon. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete er den "Arbeitsrat für Kunst" mit reformerischen und demokratischen Zielen. In Berlin wurde er berühmt für den Bau seiner großzügigen Großsiedlungen.

Sofort von Nationalsozialisten diskreditiert emigrierte er. Nach einem Aufenthalt in Japan gelangte er nach Ankara. Er unterrichtete ebenfalls, plante der Bau der Universität und baute Schulgebäude. 1938 erhielt er den Auftrag zur Gestaltung des Katafalks für den verstorbenen Kemal Atatürk. Er verstarb im gleichen Jahr und wurde in Ankara beerdigt.

Diese Architekten und Planer haben Weltberühmtheit erlangt, waren politisch demokratisch und reformerisch positioniert - sie prägten die Großstädte und die neue Kultur der Türkei nachhaltig.

Mehr dazu: Erste nationale Architekturbewegung der Türkei - Suche nach Formen
 

 

Do, 17.06.2010 0

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04.12.2009

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