
ZWEI IN DER KRONE: DIE GASTRONOMEN HOPPE UND PIEPER IM U (Teil 1)
Till Hoppe und Thomas Pieper haben mit dem Club-Restaurant „View“ die größte ihrer zukünftig vier Gastronomien im und ums Dortmunder U eröffnet. Nicht nur weil sie antizyklisch handeln, dürften sie sich auf lange Sicht als zentrale Figuren des Nachtlebens etablieren.
Die Situation: Hoppe und Pieper betreiben mit ihrer Panurama GmbH die Bar „Ruby“ und das „View“ im Dortmunder U, weitere Gastronomien im Komplex sind in Planung. In Münster betreibt Pieper den Club "Dockland" und das Restaurant "Heaven". Till Hoppe ist seit Januar 2011 auch Geschäftsführer des FZW.
Herr Hoppe, Herr Pieper, steigen wir direkt in den Ring: Wie sieht der klassische Abend in einem Club-Restaurant aus?
Till Hoppe: Nehmen wir mal einen Samstag, weil da am meisten passiert: Man geht zunächst über den Dächern von Dortmund essen. Im „View“ bieten wir eine regional-internationale Karte, die überschaubar bleiben soll. Denn statt 50 Hauptgerichten servieren wir lieber Frische und Qualität.
Thomas Pieper: Um 23 Uhr verwandeln wir das Restaurant in einen Club: Tische und Stühle werden weggeräumt, es entsteht ein Dancefloor. Hinter dem großen DJ-Pult nehmen die DJs ihren Platz ein, es wird langsam lauter und tanzbarer, die Lichter werden heruntergefahren.
Wie verträgt sich die Clubkultur mit der Hochkultur des Ostwall-Museums und des Hartware Medienkunstvereins?
Pieper: Anfangs wurde von der Stadt als Eigentümer schon die Befürchtung geäußert, dass das U zu Disco-lastig werden könnte. Wir definieren einen Club mit hochwertiger elektronischer Musik aber anders als eine klassische Disco mit „buy-one-get-two“-Aktionen. Da konnten wir die Angst nehmen. Und auch Andreas Broeckmann, der Intendant des U, hat ein extrem hohes Verständnis für die Jugendkultur. Er möchte das Haus nicht nur mit kulturell Interessierten, sondern auch mit Clubgängern beleben.
Die U-Krone ist vielleicht die begehrteste Location im ganzen Ruhrgebiet. Wie schwer war es, den Zuschlag zu bekommen?
Pieper: Wir haben uns zunächst am Pitch beteiligt. Den Zuschlag bekamen wir, weil wir als Gastronomen immer schon sehr visionär unterwegs waren. Das Heaven in Münster war neben dem Spindler & Klatt in Berlin das erste Club-Restaurant in Nordwestdeutschland. Wir waren auch kreativer und anders als andere Bewerber, die z.B. die Halle mit einem Catering-Service für Firmenevents bewirten wollten. Damit hätte man aber Perlen vor die Säue geworfen, wir wollten das keiner Elite vorbehalten. Das haben wir mit aller Macht versucht, durchzusetzen.
Und warum gibt es im Haus keinen Betreiber-Mix?
Hoppe: Das Gebäude ist sehr komplex und kann logistisch nur von einem Betrieb bespielt werden, auch von der Kostenseite her. Die zentrale Küche ist im Keller, von dort aus müssen alle Gastronomien bedient werden. Viele haben bezweifelt, dass das funktionieren kann. Wir treten gerade den Gegenbeweis an.
Sie haben mitten in der größten Krise des Dortmunder Nachtlebens investiert. Ein Risiko?
Hoppe: Das Potenzial ist ja da: Durch das Vakuum nach Schließung des Thier-Geländes im Herbst 2009, das fast zehn Jahre lang ein großes Partypublikum aus dem gesamten Ruhrgebiet und Umgebung angezogen hatte, sind viele Leute außerhalb Dortmunds ausgegangen. Die wollen wir wieder zurückholen. Ich glaube, das geht.
Zum Teil 2 des Interviews geht es hier.
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